Verkehrswegeplan

Dobrindts teure Tunnel

Die Amtszeit von Bundesverkehrsminister Dobrindt zahlt sich aus – für seinen Wahlkreis. Der CSU-Mann beglückt seine Heimat zu Füßen der Zugspitze im Bundesverkehrswegeplan auf ganz eigene Weise.
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will für seinen Wahlkreis im südlichen Oberbayern Ortsumgehungen einrichten – für mehr als eine halbe Milliarde Euro. Quelle: dpa
Alexander Dobrindt

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will für seinen Wahlkreis im südlichen Oberbayern Ortsumgehungen einrichten – für mehr als eine halbe Milliarde Euro.

(Foto: dpa)

BerlinIn einer Hinsicht ist Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) führend im Berliner Kabinett: Er hat den wohl schönsten Wahlkreis. Dobrindt stammt aus Peißenberg im südlichen Oberbayern, in seinem Revier im Bundestags-Wahlkreis 226 finden sich idyllische Almwiesen, stille Seen und die zackigen Felsgrate der Zugspitze.

Diese Idylle allerdings ist beeinträchtigt. Tagtäglich wälzen sich Autokolonnen durch das enge Loisachtal und Garmisch-Partenkirchen. Doch dank Dobrindt soll es bis Ende des kommenden Jahrzehnts deutlich ruhiger werden. Im Bundesverkehrswegeplan sind für die Region Ortsumgehungen für mehr als einer halben Milliarde Euro eingeplant.

Vorgesehen ist ein Vielfaches der für Ortsumgehungen üblichen Summen. Denn in Garmisch müssen wegen der alpinen Umgebung kilometerlange Tunnel durchs Gebirge gebohrt werden. Die bereits im Bau befindliche Umgehung des Dorfes Oberau mit einem drei Kilometer langen Tunnel auf der B2 nördlich von Garmisch soll 204 Millionen Euro kosten.

Wo Lebenszeit im Stau verrinnt
Platz 10: Das Ruhrgebiet
1 von 10

Inrix, Anbieter von Auto- und Verkehrsanalytik, hat untersucht, wo Deutsche und Europäer 2015 am meisten im Stau standen. Während sich die Lage mancherorts etwas entspannt nimmt die Zahl der im Stau vergeudeten Stunden in den Metropolregionen deutlich zu.

Eine faustdicke Überraschung gibt es gleich zum Start: Im Ruhrgebiet stehen Fahrer im Durchschnitt jährlich „nur“ 35 Stunden im Stau – satte 6,9 Stunden weniger als 2014. Allerdings liegen im Ruhrgebiet auch immer noch zwei der zehn schlimmsten Straßen Deutschlands: Der Übergang A46/B326 bis Sonnborner Kreuz (jährlich 34,28 Stunden Verlust) und die B224 von Essen/Gladbeck bis Essen-Karnap (26,84 Stunden).

Quelle: Inrix 2015 Traffic Scorecard

Platz 9: Saarbrücken
2 von 10

In Saarbrücken verschwendeten Autofahrer 2015 rund 35 Stunden im Stau. Immerhin, 0,1 Stunden weniger, als noch 2014. Europaweit verzeichneten 70 Prozent der analysierten Länder 2015 einen Rückgang an Staus. Experten sehen das vor allem als ein Phänomen der schwächelnden Konjunktur in Europa.

Platz 8: Bonn
3 von 10

Wer in Bonn 2015 mit dem Auto unterwegs war, der verlor 38 Stunden Lebenszeit an die Straße. Das waren immerhin 3,9 Stunden weniger als 2014.

Platz 7: Nürnberg
4 von 10

In Nürnberg hat die Staudauer etwas zugenommen. 0,2 Stunden mehr verbrachte ein Autofahrer in Franken mit Däumchen drehen hinter dem Steuer, 39 Stunden insgesamt.

Platz 6: Hamburg
5 von 10

In der Freien und Hansestadt Hamburg waren übers Jahr verteilt 45 Stunden Wartezeit angesagt. Immerhin: 3,1 Stunden weniger als im Vorjahr.

Platz 5: Düsseldorf
6 von 10

In der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens war 2015 eine Wartezeit von 50 Stunden angesagt. Trotz Unwetter und Bahnstreik 3,2 Stunden weniger als 2014. Laut Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Verkehrsexperte an der Universität Duisburg-Essen, tragen „Verbesserungen an der Infrastruktur der Autobahnen langsam Früchte“. Es sei allerdings so, dass „viele Städte“ mittlerweile „ihre Straßenkapazität kaum erhöhen“ könnten.

Platz 4: München
7 von 10

Eine dieser Städte die „an ihre natürlichen Grenzen“ stoßen ist München. Viele Pendler und ein florierender Arbeitsmarkt tun ihr übriges: In München stieg die im Stau verlorene Zeit 2015 um 4,5 Stunden an. Insgesamt gingen Autofahrern in der bayrischen Landeshauptstadt im Jahr 53 Stunden verloren.

Die Durchbohrung des 1780 Meter hohen Wank mit der Ostumgehung von Garmisch ist mit 158,9 Millionen Euro veranschlagt. Und die westliche Umgehung der Gemeinde unter dem Kramerspitz (1985 m) schlägt mit 176 Millionen zu Buche. Diese drei Tunnel alleine kosten somit zusammen knapp 540 Millionen Euro – zumindest laut Planung.

Das Wirken Dobrindts und seines Amtsvorgängers und CSU-Parteifreunds Peter Ramsauer ist hier klar erkennbar. Alle drei Projekte waren im Bundesverkehrswegeplan 1992 schon einmal als vordringlich aufgeführt, wie es im Bundesverkehrsministerium heißt. Im derzeit noch gültigen Bundesverkehrswegeplan der rot-grünen Koalition aus dem Jahr 2003 war dann kein einziges dieser drei Projekte noch im vordringlichen Bedarf aufgelistet. Die CSU-Politiker im Verkehrsministerium haben die Sache nun wieder beschleunigt.

800 Millionen für Dobrindts Heimat
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%