Verlängerung um drei Jahre
DGB kritisiert Ausbildungspakt als unbefriedigend

Trotz durchwachsener Erfolgsbilanz wird der 2004 geschlossene Ausbildungspakt um weitere drei Jahre verlängert. Wirtschaftsvertreter sicherten dabei zu, künftig jährlich 60 000 neue Ausbildungsplätze einzuwerben. Bisher waren 30 000 neue Plätze zugesagt. Während alle Partner des Pakts lobten, kritisierte der DGB im die Übereinkunft im Handelsblatt-Interview.

BERLIN. Die Gewerkschaften bemängelten nicht nur die Bilanz des ersten Ausbildungspaktes, sondern bezeichnen auch die Ziele der Verlängerung des Pakts als unbefriedigend. Die Vizevorsitzende des DGB, Ingrid Sehrbrock, bemängelte, dass die Wirtschaft nur "neue", aber keine "zusätzlichen" Ausbildungsplätze zusage.

„Entscheidend ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt - doch dazu sagen die Paktpartner nichts“, sagte Sehrbrock dem Handelsblatt. Bislang sei selbst die offiziell gezählte Nachfrage immer größer gewesen als das Angebot. Zudem „gehören zu den Bewerbern auch die 160 000 Jugendlichen, die dann mit anderen Maßnahmen vorlieb nehmen, weil sie keine Chance auf einen Ausbildungsplatz mehr sehen.“ Daher bleibt der DGB bei seiner Forderung nach einer Ausbildungsplatzumlage, wie sie etwa in der Bauwirtschaft praktiziert wird.

Auch „haben es die Paktpartner bisher nicht geschafft, den Anteil der Unternehmen, die ausbilden, zu erhöhen“, kritisierte Sehrbrock. „Dieser Anteil liegt nach wie vor bei 23 Prozent.“ Die Einstiegsqualifizierungen „sind für die Unternehmen ein luxuriöses Instrument, das aus öffentlichen Mitteln finanziert wird“. Unterm Strich finanziere der Staat über diese Betriebspraktika „eine längere Probezeit der Jugendlichen“. Für viele sei das nicht mehr als eine zusätzliche Schleife. Selbst wenn die Auszubildenden anschließend übernommen würden, sei unklar, wie viele Ausbildungsbetriebe die Zeit des Praktikums auf die Lehre anrechnen würden.

Arbeitsminister Franz Müntefering hatte bereits eingeräumt, dass das Hauptziel des Pakts, jedem ausbildungsfähigen und -willigen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zu vermitteln, verfehlt wurde. „Wir sind am Ziel nahe dran, aber wir haben es noch nicht erreicht“, sagte der SPD-Politiker. Angesichts weiter steigender Bewerberzahlen betonte er zudem: „Gelöst ist das Problem überhaupt nicht.“ So wurden seit Start des Pakts zwar jährlich um die 60 000 neue Ausbildungsplätze eingeworben - also etwa so viele, wie jetzt versprochen: 2004 waren es 59 500; 2005 63 400 und 2006 sogar 67 900. Unter dem Strich wuchs die Gesamtzahl der Ausbildungsverträge aber weit weniger: von 557 600 im Jahr 2003 - also unmittelbar vor dem Pakt - auf 576 200 im vergangenen Jahr.

Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverhältnisse stieg von 497 000 auf 524 200. Derzeit sind vom laufenden Ausbildungsjahrgang immer noch 17 400 Jugendliche unversorgt, wie Wirtschaftsminister Michael Glos sagte. Denn jährlich fallen nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags auch etwa 45 000 Lehrstellen weg. Wenn bei 60 000 neu geworbenen Plätzen rechnerisch ein Plus von 15 000 bleibe, müsse man auch beachten, ob die Bewerber ausreichend qualifiziert seien, sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun.

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