Verletzte bei Geiselnahme-Simulation in Stuttgart
Neue Misshandlungsfälle bekannt geworden

Das Verteidigungsministerium geht neuen Vorwürfen wegen der Misshandlung von Rekruten nach. Trotz der Vorfälle verwehrt sich Struck gegen einen Generalverdacht gegenüber der Bundeswehr. „Wir haben 12 000 Ausbilder. Davon werden jetzt 30 bis 40 überprüft“, sagte er am Mittwoch in Berlin.

HB BERLIN. Die Misshandlungen bei einer Übung am Flughafen Stuttgart waren nach Angaben aus dem Verteidigungsausschuss des Bundestags weitaus gravierender als bisher bekannt.

Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) sagte nach einer siebenstündigen Sitzung des Ausschusses am Mittwoch in Berlin: „Wir haben dem Ausschuss jetzt von zwölf Fällen berichtet.“ Andere Teilnehmer sprachen von 14 Fällen, die unterschiedlich gravierend gewesen seien. Um welche Standorte über die sechs bislang vom Verteidigungsministerium bestätigten Fälle hinaus es sich handelt, ließ Struck offen. Als schwerwiegend wurde eine am Flughafen Stuttgart simulierte Geiselnahme gewertet, bei der mehrere Wehrpflichtige offenbar verletzt wurden. Struck und Experten der Fraktionen nannten Mängel bei der Dienstaufsicht als Kernproblem der Misshandlungsfälle.

Struck informierte die Abgeordneten über den Stand der Untersuchung, die bislang sechs Standorte betrafen: Coesfeld, Ahlen, Nienburg, Kempten, Bruchsal und Stuttgart. Die „Leipziger Volkszeitung“ berichtete vorab, auch in Dornstadt, Parow, Hamm und Wittmund seien Geiselnahmen, Fesselungen und entwürdigende Behandlung gemeldet worden. Struck sagte, es handele sich zum Teil um abgeschlossene Fälle; Ausschussmitglieder sagten, die neuen Fälle seien weniger gravierend als die in Coesfeld. Dort sollen Ausbilder mehrfach Geiselnahmen nachgestellt und dabei Rekruten entführt, gefesselt und misshandelt haben.

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