Vermittlungsrolle für Bayern
Neuer Anlauf im Tarifkonflikt der Ärzte

Nach elf Wochen Ärztestreik an den Universitätskliniken soll in den nächsten Tagen ein neuer Anlauf zur Beendigung des Tarifkonflikts unternommen werden. Zunächst aber haben streikende Ärzte des Universitätsklinikums Heidelberg auch am Wochenende weiter Patienten an kommunale und kirchliche Krankenhäuser verlegt.

HB HEIDELBERG. Es seien schon eine internistische und vier chirurgische Stationen geschlossen worden, sagte Ärztesprecher Boris Fröhlich am Sonntag. Der Arbeitskampf der Ärzte für mehr Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen habe längst die Dimension eines Tarifkonflikts überschritten, sagte Fröhlich. Es gehe inzwischen um die Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens. Die Mediziner wollten mit dem verschärften Arbeitskampf zeigen, wie ernst ihnen die Sache sei.

Nach elf Wochen Ärztestreik an den Universitätskliniken soll in den nächsten Tagen ein neuer Anlauf zur Beendigung des Tarifkonflikts unternommen werden.

Insgesamt seien in Heidelberg 600 bis 800 Patienten der verschiedenen Häuser betroffen, sagte Fröhlich und betonte: „Wir bereiten die Patienten in aller Ruhe auf den Umzug vor.“ Bis zum 9. Juni, dem Beginn der Fußball-WM, solle das Universitätskrankenhaus leer sein. Es würden nur Notfälle und absolut lebensbedrohliche Fälle versorgt. Von dem Streik seien in der kommenden Woche in Heidelberg auch Lehre und Forschung betroffen, sagte er weiter.

Einen Lösungsweg im Ärztestreik bietet eine separate Vereinbarung Bayerns mit der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB). Voraussetzung ist jedoch der Abschluss eines ärztespezifischen Tarifvertrages zwischen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und den Medizinern. Während Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) und MB-Chef Frank Ulrich Montgomery einen schnellen Abschluss für möglich hielten, äußerte sich der TdL-Verhandlungsführer und niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) zurückhaltend.

Auf Vermittlung Faltlhausers wird Möllring den Gewerkschaftschef nach vierwöchiger Gesprächspause an diesem Dienstag anrufen. Möllring sagte, es könne sich dabei allerdings nur um ein Sondierungsgespräch handeln. Dagegen erwartete Montgomery, dass noch in dieser Woche Verhandlungen für die 22 000 Uniklinikärzte aufgenommen und auch bald abgeschlossen werden könnten. Der „Bild am Sonntag“ sagte er: „Ich sehe eine gute Chance, noch vor Anpfiff der Fußball-WM (9. Juni) einen Vertrag mit der TdL zu unterzeichnen“.

Faltlhauser und der MB-Landesverband hatten sich am Freitagabend auf eine Regelung für Bayern verständigt, der auf dem Tarifvertrag aufbaut, den die TdL am 19. Mai mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di für den öffentlichen Dienst abgeschlossen hat. Möllring bestand bisher darauf, dass die Ärzte diesen Vertrag übernehmen.

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