Deutschland

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Vermögensteuer: Die Mär von Robin Hood

Vermögensteuer klingt nach gerechter Umverteilung. Der Fiskus nimmt den Reichen und gibt den Armen. Das ist ein Trugschluss: Stattdessen schadet die Vermögensteuer allen Deutschen - oder hilft ihnen zumindest nicht.

77 Prozent der Deutschen sind für eine Wiedereinführung der Vermögensteuer. Im vergangenen Sommer demonstrierten deshalb Menschen vor dem Bundeskanzleramt in Berlin für eine stärkere Besteuerung von Reichtum. (Foto: dpa/lbn)
77 Prozent der Deutschen sind für eine Wiedereinführung der Vermögensteuer. Im vergangenen Sommer demonstrierten deshalb Menschen vor dem Bundeskanzleramt in Berlin für eine stärkere Besteuerung von Reichtum. (Foto: dpa/lbn)

DüsseldorfEines ist sicher, die Vermögenssteuer ist populär: 77 Prozent der Deutschen wünschen sie sich, laut einer Forsa-Umfrage des vergangenen Sommers. Das liegt wohl daran, dass die Vermögenssteuer nach edlen Motiven klingt. Ein Hauch von Robin-Hood umweht sie: Der Finanzminister nähme den Reichen Gold und Dukaten, die sie im Überfluss besitzen, und gäbe die Schätze an die Armen weiter. Und der Staat als grünbestrumpfter Rächer der Armen kommt natürlich gut an beim Wähler.

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Vor nicht allzu langer Zeit existierte die Vermögenssteuer in Deutschland noch: Bis 1997 erhoben die Bundesländer eine einprozentige Abgabe auf Vermögen über einem Freibetrag von 120.000 DM. Vermögen ist dabei alles, was nach dem Abzug der Einkommensteuer und der Schulden noch übrig bleibt. Doch das Bundesverfassungsgericht kritisierte in einem Urteil, dass Immobilien bei der Besteuerung besser behandelt würden, als anderes Vermögen und erklärte die Vermögenssteuer in ihrer damaligen Form als verfassungswidrig. Seitdem gibt es in Deutschland keine Vermögensteuer mehr, das Bundesverfassungsgericht hat sie aber nicht grundsätzlich verboten. Die Vermögensteuer könnte also in veränderter Form jederzeit wieder eingeführt werden. Die Parteien bringen sie deshalb auch immer wieder ins Gespräch.

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Vergangenen Sommer legten SPD, Grüne und Sozialverbände einen Vorschlag für eine neue Vermögensteuer vor: Sie wollen Vermögen ab einem Freibetrag von zwei Millionen Euro mit einem Prozent besteuern. Nur rund 140.000 Deutsche wären betroffen, die Länder würden aber Mehreinkünfte von geschätzt 11,5 Milliarden eintreiben. Für Norbert Walter-Borjans, SPD-Finanzminister von NRW, ist die Vermögenssteuer „nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sie ist vor allem eine Frage der ökonomischen Vernunft“.

Die Steuer für Reiche macht also was her: Sie assoziiert soziale Gerechtigkeit und scheint ein willkommenes Mittel gegen die Schuldenlast der Länder. Ein gutes Wahlkampfthema also. Doch hält die Vermögenssteuer wirklich, was sie verspricht?

  • 22.01.2013, 09:47 Uhrhafnersp

    Was bei der Diskussion der Vermögenssteuer immer wieder vergessen wird, auch bei diesem relativ guten Artikel, ist daß es sie ja schon gibt, wenn auch exklusiv auf Geldanlagevermögen (alles was nicht Sachvermögen ist). Sie heißt nur nicht Vermögenssteuer sondern (Preis)Inflation oder Teuerung und beträgt schon offiziell zugegebene rund 2% (vermutlich eher das Doppelte). Sachwerte, dh vor allem Immobilien werden auf andere Arten steuerlich abgegriffen und kostenerzeugend reguliert -keine Sorge, der Staat vergißt schon nichts und greift auch gerne doppelt ab.

    Für die Besteuerung gilt der schon vor Jahrhunderten bekannte Grundsatz:

    Die Kunst der Besteuerung liegt darin, die Gans so zu rupfen, daß sie unter möglichst wenig Geschrei so viele Federn wie möglich läßt. Jean Baptiste Colbert, 1619 - 1683, franz. Finanzminister

    Natürlich sind die "Reichen" hierbei immer eine gute Zielgruppe (Stichwort Neidgesellschaft). Und genauso natürlich finden die wirklich Reichen immer Schlupflöcher, denn diese werden für sie ja extra eingebaut. Der Staat will sich ja nicht mit den paar (Einfluß)Reichen anlegen, sondern die Masse abschöpfen. Woran es am Ende daher IMMER hängen bleibt ist der fleißige und sparsame Mittelstand.
    Und der klatsch womöglich noch Beifall.

  • 22.01.2013, 09:57 Uhrvandale

    Die Vermögenssteuer und die Umverteilung mittels Einkommenssteuer ist mit viel Revolutionsromantik und der marxistischen Ideologie umgeben.

    Letztlich steckt das Prinzip dahinter, dass jemand anderes erfolgreicher war und man an dessen Erfolg teilnehmen möchte.

    Das geschieht heute nicht mehr mittels Strassenraub, sondern mittels einer Mehrheit der Wählerstimmen die abstimmen.

    So wie der Strassenraub vergangener Jahrhunderte zu enormen Wohlstandsverlusten führte weil sich die potentiell Betroffenen zu hohen Kosten schützen mussten, kostet auch die heutige Umverteilung einen Teil des Wohlstands der gesamten Gesellschaft.

    Erfolgreiche und Wohlhabende beschäftigen gesellschaftlich sinnlos ein Heer von Steuerberatern und Anwälten. Investitionen werden nicht ertragsoptimiert, sondern häufig steueroptimiert getätigt. Vielfach suchen die Betroffenen einen Teil des Wohlstands zu verbergen. Im Extremfall flüchten die Betroffenen an Orte die diese Personen in Ruhe zu leben versprechen.

    Vandale

  • 22.01.2013, 10:00 Uhrroterkaufmann

    hier sind ja mal wieder alle scheinargumente gegen eine vermögensteuer aufgelistet worden.

    um die vermögensteuer zielgerichtet einzusetzen kann man sie als abgabe für z.b. bildung einsetzen.

    die wenigsten wirklich reichen werden das land verlassen. die usa erheben sie ebenfalls und man sieht doch wie schwierig es ist wie dieser französiche bonze belgier zu werden -versuchen sie mal monegasse zu werden...

    die linkspartei fordert eine millionärsteuer die effektiver wäre als die von spd&grünen.

    hier ein weiterer link für eine vermögensabgabe:
    www.appell-vermoegensabgabe.de/
    hier werden auch die scheinargumente bezüglich der betriebsbelastungen entkräftet.

    und letztlich: wer wirklich die vermögensabgabe zahlen müßte, der merkt es nicht wirklich auf dem konto, da er zu reich ist.

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