Vermögensteuer: Die Mär von Robin Hood

Vermögensteuer
Die Mär von Robin Hood

Vermögensteuer klingt nach gerechter Umverteilung. Der Fiskus nimmt den Reichen und gibt den Armen. Das ist ein Trugschluss: Stattdessen schadet die Vermögensteuer allen Deutschen - oder hilft ihnen zumindest nicht.
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DüsseldorfEines ist sicher, die Vermögenssteuer ist populär: 77 Prozent der Deutschen wünschen sie sich, laut einer Forsa-Umfrage des vergangenen Sommers. Das liegt wohl daran, dass die Vermögenssteuer nach edlen Motiven klingt. Ein Hauch von Robin-Hood umweht sie: Der Finanzminister nähme den Reichen Gold und Dukaten, die sie im Überfluss besitzen, und gäbe die Schätze an die Armen weiter. Und der Staat als grünbestrumpfter Rächer der Armen kommt natürlich gut an beim Wähler.

Vor nicht allzu langer Zeit existierte die Vermögenssteuer in Deutschland noch: Bis 1997 erhoben die Bundesländer eine einprozentige Abgabe auf Vermögen über einem Freibetrag von 120.000 DM. Vermögen ist dabei alles, was nach dem Abzug der Einkommensteuer und der Schulden noch übrig bleibt. Doch das Bundesverfassungsgericht kritisierte in einem Urteil, dass Immobilien bei der Besteuerung besser behandelt würden, als anderes Vermögen und erklärte die Vermögenssteuer in ihrer damaligen Form als verfassungswidrig. Seitdem gibt es in Deutschland keine Vermögensteuer mehr, das Bundesverfassungsgericht hat sie aber nicht grundsätzlich verboten. Die Vermögensteuer könnte also in veränderter Form jederzeit wieder eingeführt werden. Die Parteien bringen sie deshalb auch immer wieder ins Gespräch.

Vergangenen Sommer legten SPD, Grüne und Sozialverbände einen Vorschlag für eine neue Vermögensteuer vor: Sie wollen Vermögen ab einem Freibetrag von zwei Millionen Euro mit einem Prozent besteuern. Nur rund 140.000 Deutsche wären betroffen, die Länder würden aber Mehreinkünfte von geschätzt 11,5 Milliarden eintreiben. Für Norbert Walter-Borjans, SPD-Finanzminister von NRW, ist die Vermögenssteuer „nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sie ist vor allem eine Frage der ökonomischen Vernunft“.

Die Steuer für Reiche macht also was her: Sie assoziiert soziale Gerechtigkeit und scheint ein willkommenes Mittel gegen die Schuldenlast der Länder. Ein gutes Wahlkampfthema also. Doch hält die Vermögenssteuer wirklich, was sie verspricht?

Kommentare zu " Vermögensteuer: Die Mär von Robin Hood"

Alle Kommentare
  • Ulrich Engelke
    Rein buchungstechnisch im Geldsystem stehen Geldvermögen und Schulden in einem direkten Verhältnis. In der Summe sind sie (weltweit) Null. Das ist trivial, aber bedeutsam und wird grundsätzlich komplett ausgeblendet. Der logische Schluss ist jedenfalls, dass sich Schulden nur reduzieren lassen, indem Geldvermögen reduziert werden.

  • Ursache der Krise ist die Ungleichverteilung des Produktivkapitals: wenn einem alles, und den anderen nichts gehört, dann geht eben nur noch "Monopoly mit Anschreibenlassen".

    Das ging mittlerweile soweit, daß "der Straßenkehrer in den USA sich plötzlich ein Haus leisten konnte".

    Für den nun überschuldeten "Otto-Normal-Strassenkehrer" sprang anschliessend zur Rettung der Nachfrage und des Systems "Papa Staat" durch gesteigerte Ausgabenpolitik ein.

    Von der "Subprime-" zur "Banken-" zur "Staatschuldenkrise".

    Die "Überschuldung" ist das logische Resultat - des Pudels Kern ist jedoch die Ungleichverteilung.

    De facto handelt es sich um eine "Verteilungskrise".

  • @investival, im Gegensatz zu Ihnen kann ich derzeitige Lage sehr genau beurteilen, den ich kenne diesbezüglich alle Facetten! In einem Punkt gebe ich Ihnen recht, das ist die Versteuerung von Kapitalerträgen, die man aus dem Gesamtbetrag der Einkünfte herausgenommen hat und lediglich mit 25% der ESt zu unterwerfen hat. Das halte ich schlicht für verfassungswidrig. Andererseits ist aber in Höhe der Inflationsrate auch kein Vermögenszuwachs gegeben. Wenn Sie glauben, Sie hätten beim Kauf von Aktien etwas Nützliches für die Gesellschaft oder Marktwirtschaft getan, dann kann ich Sie nur milde belächeln. Anders sieht die Sache natürlich aus, wenn Sie eine Beteiligung an einem Unternehmen erwerben, die bspw einen meldepflichtigen Vorgang auslöst. Selbstverständlich haben wir ein Gerechtigkeitsproblem hinsichtlich der Verteilung. Auf die desaströsen Zustände in den USA möchte ich hier gar nicht eingehen, gleichwohl waren sie mit Auslöser der Finanzkrise hier. Bei uns hier haben viele Vermögende ihr Geld bei Risikoanlagen verloren oder durch Negativzinsen zumindest geschmälert. Dabei wurde ein Vielfaches dessen an Vermögen verbrannt, als eine VSt diese Leute gekostet hätte. Es sollte sich also jeder selbst hinterfragen, ob die Beibehaltung der VSt nicht sinnvoller für unsere Gesellschaft gewesen wäre.

  • @keeper:

    >> das Geld der Reichen verschwindet in Finanz"Produkten" statt der Realwirtschaft. <<
    Nö - das sind vornehmlich von investiven Aktienanlagen, gerade auch politikseits, weg bewegte 'Zocker' sowie arglose, oft ältere Kleinanleger, die nicht verstehen wollen oder können, was solche 'Finanz"produkte"' als idR. Bankschuldverschreibungen wirklich sind - nämlich spekulativ.
    Reiche dürften ihr Geld in (eigene und/oder fremde) Unternehmen investiert haben; das ist wohl nicht anders als in anderen Ländern.

    >> Die Ursache der Krise ist die Ungleichverteilung <<
    Nö - das Gegenteil ist hier weit eher richtig: Nicht erwirtschaftetes Geld wurde bedenkenlos hin zu den Armen transferiert; der Straßenkehrer in USA konnte sich plötzlich ein Haus leisten. Als die gierigen Empfänger*) - das waren in Dtld. hauptsächlich staatlich kontrollierte Landesbanken - dieser eben nicht in Luft auflösbaren, freilich gut zinsversprechen-bewehrten, Verbindlichkeiten den Schmu bemerkten, brach diese Gleichverteilung zusammen.
    *) resp. deren Geschäftspartner/Kontrahenten

    Sie können nun hingehen wollen, und das nun mit (iwS.) erwirtschafteten Geld versuchen wollen. Aber auch das würde nur eine kurze Zeit funktionieren - da dann nämlich niemand mehr bereit wäre, dafür in welcher Form auch immer geschweige denn produktiv zu arbeiten. Der volkswirtschaftliche Schaden wäre dann allerdings irreparabel.
    Ihre 'Leistungsgesellschaft' realisierten Sie dann nur noch in einer Diktatur - Diktaturen haben allerdings nie Wettbewerbsfähigkeiten ergo für die breite Masse relativ viel weniger "Wohlstand" hervor gebracht, wie die Geschichte hinreichend gelehrt haben sollte.

  • @Koboldo:

    >> Dabei wird klar verkannt, dass Eigentümer von Immobilien sehr viel mehr für die Gesellschaft getan haben, als einer, der lediglich Geld gehortet hat. <<
    Das können Sie gar nicht beurteilen, und ist überdies so pauschal gesagt auch grundfalsch: Aktionäre tun via Bereitstellung von Risikokapital sehr wohl was für die Gesellschaft (in Form einer Marktwirtschaft, um die es ja wohl noch geht), ebenso Fremdkapitalgeber. - Genausogut könnte man zudem anführen, derjenige, der sein Geld (und darüber hinaus idR. noch Schulden) für seinen Status und Eigennutzen einbetoniert, tut nichts für die Gesellschaft.

    Auch Ihnen - und anderen Steuerfürsprechern - sei gesagt, dass bei einem Vgl. mit anderen Ländern bitte deren gesamte Steuerlage zu sehen ist; Stichwort zB. die seit 2009 hierzulande praktisch exklusiv steuerfrist- und freibetragsfreie Kapitalbesteuerung - gerade zu Lasten derjenigen, die für ihr Alter rentierlich, ohne eine Zwangsinflationsbesteuerung, vorzusorgen hätten.

    Man kann ja einen höheren Ekst.spitzensatz und eine (hochbürokratische) VSt wieder, "back to the roots", machen - aber ohne Rücknahme anderer Verschlechterungen - von der Fast-Verdoppelung der Grunderwerbsteuer bis hin zur Einführung einer Kapitalbesteuerung - wird das explizit nicht funktionieren, dh. volkswirtschaftlich desaströs.

  • "wieso Unfug?"

    weil es ein Beleg ist, daß die Eignerstruktur für die Leistung des Unternehmens egal ist.

    Die gesellschaftlichen Zustände, Fairness, Akzeptanz und Offenheit sind für das benötigte Miteinannder im innovativen Wertschöpfungsprozess sehr viel relevanter.

    Wird der gesellschaftliche Zustand als ungerecht empfunden - was berechtigterweise immer mehr zu nimmt - dann geht auch die Motivation zur produktiven Teilhabe am Wertschöpfungsprozess flöten. (manch einer dreht sogar das Vorzeichen um, und macht sich Gedanken über die Zerstörung der systemrelevanten Infrastruktur, der daraus resultierenden Kapitalflucht, den autoritären, für alle die Freihet einschränkenmden Gegenmaßnahmen des Staates...)

    Aber des Pudels Kern: ohne staatliche Eingriffe in die Umverteilung fehlt dem Wirtschaftskreislauf die Nachfragefinanzierung - das Geld der Reichen verschwindet in Finanz"Produkten" statt der Realwirtschaft.

    Die Ursache der Krise ist die Ungleichverteilung.
    Eine Vermögenssteuer ist der richtige und unausweichliche Lösungsanssatz.

  • Vermögenssteuer ist eine Neidsteuer, das Aufkommen ist nicht wirklich hoch, aber der Aufwand zur Ermittlung riesig und schafft wieder neue nicht produktive Beamtenarbeitsplätze.
    Ein Freibetrag von 1 oder 2 Mill € ist schneller als gedacht in den Ballungszentren erreicht. Viele glauben sie seinen nicht betroffen, was aber nicht stimmen dürfte. Neben dem offensichtlichen Vermögen wie Haus/Wohnung, Kapital sind narürlich auch noch Renten- und Pensinsansprüche zu berücksichtigen und die sind bei Politikern, Beamten häufig recht hoch, da können Werte über 1 Mill€ herauskommen.

  • Immer wieder das gleiche Unverständnis, wenn es um die Vermögensteuer geht.
    Fakt ist, andere Länder in Europa haben die auch.
    Fakt ist, dass die Schere zwischen Arm und Reich in einer atemberaubenden Geschwindigkeit immer weiter auseinander driftet.
    Fakt ist, dass man mit den Einnahmen aus der VSt sämtliche Finanzbeamten von Bund und Ländern bezahlen könnte.
    Fakt ist, dass vermieden werden muss, dass wir ab 2015 einen Bundeshaushalt haben werden, der aufgrund der Verschuldungssituation wahrscheinlich verfassungswidrig sein wird.
    Fatal ist, dass die VSt als verfassungswidrig eingestuft wurde, weil die Besteuerung von Geldvermögen höher ausgefallen ist, als bei Immobilien. Dabei wird klar verkannt, dass Eigentümer von Immobilien sehr viel mehr für die Gesellschaft getan haben, als einer, der lediglich Geld gehortet hat. Er wird zudem laufend mit Steuern und Abgaben belastet.
    Die Steuer wurde von Leuten geschaffen, die die Weimarer Republik noch kannten und sehr wohl wussten, was sie taten.
    Die Erbschaftsteuer ist nicht aus einem Guss und hat zuviele Schlupflöcher, sie schmerzt sehr viel mehr und wird als ungerecht empfunden. Sie kann mittlere und kleinere Unternehmen an den Rand des Verderbens führen.
    Kohl hat ohne Not den Spitzensteuersatz von 56% auf 49% gesenkt, Schröder von 49 auf 42%. Die Körperschaftsteuer bringt gerade noch die Hälfte der Tabaksteuer. Hinzu kommt, dass Rentner eine Steuererklärung abzugeben haben, bis sie in die Kiste jucken. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit! Merkel sollte sich um diese Themen der sog. Gerechtigkeitsdebatte kümmern, bevor Steinbrück ihr diese Themen im Wahlkampf um die Ohren haut...
    Es soll mir wirklich kein Politiker daherkommen und so tun, als wüsste er die Ursachen nicht, welche zu dieser Debatte geführt haben. Wer die Wiedereinführung auf einen Neidkomplex zurückführt, hat leider gar nichts verstanden, zumal dieser Komplex eher bei den Vermögenden vorzufinden ist...

  • Das leidige Thema Vermögensteuer.

    Diejenigen, die so viel haben, gehen einfach ins Ausland So fehlen nicht nur die 45% Reichensteuer, die x% Vermögensteuer stehen auch nur im Gesetz. Bspw. wohnt die Mehrheit franzäösischer Tennisspieler in der Schweiz. Was nützen da 75% Reichen- oder Vermögensteuer.

    Der Arbeitnehmer ist dann umso mehr der Trottel. Dem Arbeitslosen ist das sowohl als auch egal.

  • Keeper,
    wieso Unfug? Auch Stiftungen können wirtschaftlich erfolgreich sein! Die Stadt Friedrichsfafen hat es weise
    verstanden, das Unternehmen dezentral und ziemlich eigenständig am Markt agieren zu lassen.Auch hier haben
    die Mitarbeiter Vertrauen in die Kapitaleigentümer und
    leisten mit häufiger technologischer Führerschaft er-
    hebliches!
    Aber, wo bleibt die Gerechtigkeit können andere Städte
    sagen, die weniger Glück haben oder mehr Unfähigkeit zeigen, auch über eine stadteigene Stiftung zu verfü-
    gen? Es muß eine Vermögenssteuer her, es muß umverteilt werden! Die Innenstadt von Friedrichshafen hat schöne-
    Pflastersteine als unsere xy-Stadt! Soll der "Länder-
    ausgleich" durch einen "Städteausgleich" ergänzt
    werden?
    Wichtig ist die Verantwortung des Kapitals für die Wei-
    terentwicklung der Unternehmen zur Aufrechterhaltung
    der Wettbewerbsfähigkeit. Das kann privat geschehen,
    das kann staatlich geschehen.
    Das private Industriekapital wird dieser Verantwortung
    sehr gut gerecht, besonders der Mittelstand investiert jeden Euro in das eigene Unternehmen, zum Vorteil der
    eigenen Kapitalrendite, aber noch mehr zum nachhaltigen
    Vorteil der Mitarbeiter durch eine hohe Arbeitsplatz-
    sicherung und Einkommen.
    Das Grundgerüst der (erfolgreichen) deutschen Wirt-
    schaft bilden die Mittelständler, die als "Hidden Cham-
    pions") häufig Weltmarktführer sind. Viele Innovationen
    in Technik und Fertigung werden durch sie geliefert!
    Weniger Neid, liebe Mitschreiber, dafür mehr Engagement
    und Anstrengung. Der Erfolg macht Sie stolz! In fünf Jahren schämen Sie sich über Ihre verquasten Artikel.


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