Verrat von Interna
Schäuble sucht Griechenland-Maulwurf im eigenen Haus

Das Bekanntwerden eines Geheimtreffens europäischer Finanzminister zur griechischen Schuldenkrise alarmiert die Bundesregierung. Schäuble wittert Verrat im eigenen Ministerium ist dem Schuldigen auf der Spur.
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BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zieht erste Konsequenzen aus der gezielten Weitergabe eines hausinternen Papiers zu Griechenland an die Medien. Anfang der Woche ordnete Schäuble eine hausinterne Untersuchung an, um den Maulwurf in den eigenen Reihen zu enttarnen, erfuhr das Handelsblatt aus dem Finanzministerium.

Finanzminister Schäuble habe sich massiv darüber geärgert, dass aus seinem Ministerium ein Vorbereitungspapier zu dem Treffen einiger Finanzminister am vergangenen Freitag weitergegeben wurde, hieß es im Finanzministerium. In dem Papier wurden die Folgen eines möglichen Austritts aus der Währungsunion beschrieben. Die Veröffentlichung des Schreibens führte zu heftigen Spekulationen an den Finanzmärkten, der Euro-Kurs sackte schließlich um drei Cent ab.

Nach einer ersten Analyse hat man den Kreis derer, die direkten Zugang zu dem Papier hatten und die Inhalte kannten, auf knapp 20 Mitarbeiter eingeschränkt. Die Indiskretion könnte personelle Konsequenzen nach sich ziehen. Die Beamten sollen nach dem Willen von Finanzminister Schäuble dienstrechtliche Erklärungen abgeben, dass sie sich an ihre Verschwiegenheitspflicht gehalten haben, hieß es weiter. Darüber hinaus sollen offenbar die Computer der verdächtigten Mitarbeiter daraufhin überprüft werden, ob das besagte Schreiben per E-Mail verschickt oder ausgedruckt wurde. Die Sonderkommission soll Staatssekretär Hans Bernhard Beus leiten, der offenbar keine Kenntnis von dem Papier hatte. Bis wann ein Ergebnis vorliegen soll, war gestern nicht zu erfahren.

Das Bekanntwerden des Minister-Geheimtreffens in Luxemburg hatte zuvor auch Kritik ausgelöst. FDP-Vorstandsmitglied Jorgo Chatzimarkakis forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel Konsequenzen. Die Regierungschefin müsse klären, "wer aus den Reihen der Ministerien oder des Kanzleramts welche Informationen an die Öffentlichkeit durchgestochen hat und die nötigen Konsequenzen daraus ziehen", sagte Chatzimarkakis "Handelsblatt Online.

Dem Vernehmen nach wächst auch in Europa der Ärger über den Umgang deutscher Politiker mit der Griechenlandkrise. "Irgendjemand in Berlin streut in unerträglicher Unverantwortlichkeit vertrauliche Informationen", wird ein namentlich nicht genannter "hochrangiger Vertreter der Euro-Länder" in Medien zitiert.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Verrat von Interna: Schäuble sucht Griechenland-Maulwurf im eigenen Haus"

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  • Von Demokratie habe ich nichts geschrieben. Wollen Sie vielleicht von einer Herde Schwachmaten bevormundet werden? Unser Problem ist doch, dass die Dummen in der Mehrheit sind. Das sieht man doch sogar hier bei den Kommentaren.

  • Ich lebe seit 15 Jahren in anderen Ländern der EU. Natürlich bin ich Deutscher und ich liebe Deutschland. Aber mir fällt bei dieser Euro-Diskussion etwas auf, was für mich neu ist: Krankes Nazitum.

    Als der Euro 1999 eingeführt wurde, war das anders. Da freuten sich alle auf den Euro. Heute ist die Unterschicht gegen den Euro und macht im Internet Stimmung. Dümmstes Beispiel ist Morchel. Der bezieht Hartz4 und will jetzt Griechenland fertig machen.

  • Dieser unerträgliche Chatzimarkakis ! Einfach mal die Klappe halten ! Der meint immer was zum Besten geben zu müssen, wenn irgendwas gegen "sein" Griechenland passiert. Statt auf Kosten des deutschen Steuerzahlers sozialistischen Unsinn zu machen und zu erzählen, soll er lieber nach Griechenland zurückgehen, wenn er darum so besorgt ist. Ach ich vergaß, dort liegt er dem deutschen Steuerzahler ja auch auf der Tasche. ;-))))
    Und Schäuble hat auch nix anderes zu tun al einen zweiten SED Überwachungsstaat aufzubauen. Politiker sollten gar nichts zu verheimlichen haben. Die sind nämlich vom Volk angestellt.

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