Verschwendung im Gesundheitswesen: Kassenbeitrag könnte viel niedriger sein

Verschwendung im Gesundheitswesen
Kassenbeitrag könnte viel niedriger sein

Wissenschaftler des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Universität Essen/Duisburg prangern in einer Studie die Verschwendung im Gesundheitswesen an. Die Forscher haben im Auftrag der Initiative Soziale Marktwirtschaft die Preise für Gesundheitsleistungen in den Bundesländern verglichen und halten eine Senkung des Beitragsatzes auf 14,5 Prozent ohne Qualitätseinbußen für möglich.

BERLIN. Der Einheitsbeitrag für gesetzlich Krankenversicherte könnte um einen Prozentpunkt niedriger ausfallen, wenn im Gesundheitswesen weniger Geld verschwendet würde. Dies gelte auch ohne die derzeit von der Großen Koalition diskutierten zusätzlichen Steuerzuschüsse für den Gesundheitsfonds, heißt es in einer Studie, die Wissenschaftler des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und der Universität Essen/Duisburg im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Soziale Marktwirtschaft erstellt haben.

Die Studie vergleicht die unterschiedlichen Preise und Mengen bei Arzneimittelversorgung, ambulanter Behandlung und stationärer Versorgung in den 16 Bundesländer. Dabei wurden alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede im Krankheitsrisiko berücksichtigt. Das Ergebnis: Würde im gesamten Bundesgebiet so behandelt wie im billigsten Bundesland, könnten die Kosten in den untersuchten drei Bereichen um knapp zehn Mrd. Euro gesenkt werden. Der Einheitsbeitrag könnte damit um einen Prozentpunkt sinken. Wirtschafteten alle Länder so wie der Bundesdurchschnitt, betrage die Einsparsumme immer noch 5,6 Mrd. Euro oder fast 0,6 Beitragssatzpunkte, heißt es in der Studie.

Damit könnte der seit dem 1. Januar für alle gesetzlich Versicherten geltende Einheitsbeitrag von 15,5 Prozent ohne Qualitätseinbußen auf 14,9 oder sogar 14,5 Prozent fallen, erklärt Stefan Felder, einer der Autoren von der Universität Essen/Duisburg. Beitragssenkungen in dieser Größenordnung will die Bundesregierung im Rahmen des zweiten Konjunkturpakets durch einen zusätzlichen Steuerzuschuss von sechs bis zehn Mrd. Euro erreichen.

Das meiste Geld könnte mit bis zu 4,4 Mrd. Euro in den Krankenhäusern eingespart werden, wenn die stationäre Behandlung überall so preiswert wäre wie in Schleswig-Holstein und so wenig Patienten in der Klinik landen würden wie in Baden-Württemberg. In Schleswig-Holstein kostet eine durchschnittliche Krankenhausbehandlung 2 685 Euro, während im teuersten Bundesland Rheinland-Pfalz 2 960 Euro fällig werden. In Baden-Württemberg liegt die Zahl der Krankenhausbehandlungen um 12,8 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Die meisten Krankenhausleistungen werden im Saarland abgefragt – 13,2 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Dort sind auch die bis 2020 erwarteten Überkapazitäten mit 38,8 Prozent am höchsten. Insgesamt sind der Studie zufolge trotz der Alterung der Gesellschaft rund 30 Prozent der Klinikbetten überflüssig.

Auch bei der ambulanten Behandlung gibt es erhebliche Unterschiede. So wird die Arztbehandlung in Hamburg um 42 Prozent höher vergütet als in Niedersachsen. Die meisten Arztleistungen werden in Bayern in Anspruch genommen – 14,1 Prozent mehr als in den anderen Ländern. Für Arzneimittel müssen die Krankenkassen in Hessen am meisten ausgeben, 26,8 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Am günstigsten ist Bremen, wo die Arzneimittelausgaben fast zwei Fünftel unter dem Durchschnitt liegen.

„Mit mehr Preiswettbewerb und einem besseren Kostenmanagement könnten die Kassen also sehr viel Geld sparen“, sagt Studienautor Boris Augurzky vom RWI. Bis zu 192 Euro könnten die Kassen jedem Versicherten pro Jahr erstatten, so der Geschäftsführer der Initiative Soziale Marktwirtschaft, Max A. Höfer.

Zumindest im Klinikbereich hat die Koalition mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz die Weichen in Richtung sinkende Kosten gestellt: Bis 2015 sollen nach dem Gesetz die unterschiedlichen Krankenhausvergütungen an den Bundesdurchschnitt angenähert werden.

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