Versicherer suchen Auswege
Steuerprivileg für Lebensversicherungen fällt

Die deutschen Lebensversicherer stehen vor dramatischen Einschnitten. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch nach Angaben aus Regierungskreisen im Zuge einer Neuregelung der Besteuerung von Alterseinkünften das Ende des Steuerprivilegs für Kapitallebensversicherungen beschlossen. Fällt die Privilegierung, geht den Lebensversicherern ein zentrales Verkaufsargument verloren. Die Branche sucht nun nach Wegen, ihre Produkte zukunftsfähig zu machen.

HB/rl/fw/uhl DÜSSELDORF/BERLIN. Besonders die stark von Provisionen abhängigen Versicherungsvermittler dürften die Veränderung zu spüren bekommen. „Die Hälfte der Gesamteinnahmen der Agenturen kommt aus der Altersvorsorge“, sagte Ulrich Brock, Vize-Präsident des Bundesverbandes der Versicherungskaufleute (BVK). Ein Einbruch bei den Lebensversicherungen hätte demnach gravierende Folgen für die Provisionseinnahmen.

Offiziell hängt die Branche das Problem tief. Die Allianz hofft „auf die Kraft der Argumente“, wie ein Sprecher sagte. Möglicherweise, so die Kalkulation der Unternehmen, lassen sich noch Veränderungen durchsetzen. Inoffiziell geben Vertriebsleute jedoch zu, dass sie riesige Probleme auf sich zukommen sehen. Das dürfte auch einige selbstständige Finanzvertriebe, die in den letzten Jahren stark gewachsen sind, ins Mark treffen.

Die Branche versucht zu retten, was noch zu retten ist. „Wir fordern, dass eindeutige Altersvorsorge steuerlich gefördert wird wie zum Beispiel die Entschuldung einer Immobilie durch eine Lebensversicherung. Das ist auch Altersvorsorge“, sagte Günter Schlatter, Vorsitzender der Provinzial-Versicherungen in Düsseldorf.

In der Tat gilt der Bereich der Finanzierungen über die Lebensversicherung als besonders bedroht, wenn die Steuerprivilegien fallen. Außerdem verweist Schlatter darauf, dass künftig Lebensversicherungen gegenüber Aktienfonds, bei denen die Kursgewinne bislang nicht besteuert werden, deutlich im Nachteil wären. Der Versicherungsbranche schwebt ein weiterer Kompromiss vor: Wenigstens ein Teil des Geldes müsse am Ende der Vertragslaufzeit im Alter von 65 steuerfrei ausgezahlt werden können.

Wenig Hoffnung setzt die Branche in die staatlich geförderten Rentenprodukte als Ersatz für die zu erwartenden Rückgänge bei den Lebensversicherungen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verweist in diesem Zusammenhang auf die schwache Akzeptanz der Riester- Rente, auf die 2003 nur rund eine halbe Million von insgesamt etwa acht Millionen Neuverträgen entfällt.

Zum Teil denkt die Branche auch schon über neue Vertriebsargumente für die klassische Lebensversicherung nach. Die Debeka etwa möchte ihren Kunden nahe legen, künftig höhere Summen abzuschließen, weil künftig ja das Finanzamt mitkassiert, wie Vorstandsmitglied Herbert Grohe erläutert.

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