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12.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 13:08 Uhr 

In Berlin nahmen Politiker und Ökonomen die Ideen jedoch bereitwillig auf. "Ich freue mich, dass endlich auch ökonomischer und sozialpolitischer Sachverstand in die Diskussion kommt", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin Marion Caspers-Merk (SPD). Der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Bert Rürup, nannte Überlegungen zur Einheitsversicherung einen "großen Schritt in die richtige Richtung". Dem "Tagesspiegel" sagte er, das Nebeneinander von zwei Systemen führe zu einer ineffizienten Entmischung der Risiken. "Ein einheitlicher Versicherungsmarkt, auf dem private und gesetzliche Versicherer mit gleichlangen Spießen konkurrieren, ist erstrebenswert."

Versicherungsmanager lehnen das als Einstieg in eine "Zwei-Klassen-Medizin" ab. "Ein Einheitstarif für alle, der von privaten wie gesetzlichen Versicherern gleichermaßen angeboten wird, wäre nichts anderes als die Einführung der Bürgerversicherung durch die Hintertür", sagte Günter Dibbern, Vorstand der Ergo, eines Unternehmens der Münchener Rück. Dadurch gäbe es weniger Wettbewerb. "Das Ergebnis wäre eine schlechtere Versorgung zum Schaden aller: der Versicherer, der Ärzte und der Patienten."

Roland Weber, Vorstand beim Krankenversicherungs-Marktführer Debeka, sagte, "dies hätte noch mehr staatliche Eingriffe als bisher zur Folge". In Spanien und England sei zu beobachten: "Reiche entziehen sich den maroden Praxen und Kliniken des staatlichen Systems." In Deutschland finanzierten Privatversicherte moderne Medizintechnik, die auch gesetzlich Versicherten helfe. "48 private Krankenversicherungen zahlen mehr als zehn Mrd. Euro zusätzlich in das Gesundheitswesen, als es ihrem Anteil entspricht", so PKV-Chef Schulte.

Das Bundesgesundheitsministerium ist dagegen überzeugt, dass die steigenden Gesundheitskosten wegen der immer älter werdenden Bevölkerung langfristig nur von einem einheitlichen Versicherungsmarkt zu schultern sind. Staatssekretärin Caspers-Merk glaubt, dass das Ziel eines einheitlichen Versicherungsmarkts bereits mit der jüngsten Gesundheitsreform etwas näher gerückt sei. Erstmals gebe es eine Versicherungspflicht für alle. Künftig könnte es eine einheitliche Krankenversicherung für alle und Zusatzversicherungen für "Komfortleistungen" geben.

Weitere Reformen will auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die demografische Entwicklung bleibe eine große Herausforderung. "Wir dürfen uns vor dieser Aufgabe nicht drücken", sagte Merkel.

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