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07.01.2008 
Studie zum Gesundheitsfonds

Versicherte müssen mehr bezahlen

Auf mehr als 44 Millionen gesetzlich Krankenversicherte kommen einer Studie zufolge mit der Einführung des Gesundheitsfonds im kommenden Jahr deutlich höhere Kosten zu. Allein die Beiträge könnten um bis zu 700 Euro steigen, heißt es. Das Gesundheitsministerium will von diesen Zahlen jedoch nichts wissen.

HB BERLIN. Den 44 Millionen gesetzlich Versicherten stehen nach Berechnungen des Münchner Instituts für Gesundheitsökonomik (IfG) im Auftrag der Initiative „Neue soziale Marktwirtschaft“ Beitragserhöhungen von bis zu 700 Euro pro Jahr ins Haus. Eine Sprecherin von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sprach von unseriösen Mutmaßungen. Der Gesundheitsökonom und SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach zog das Ergebnis in Zweifel.

Der Grund für die Mehrkosten für knapp 90 Prozent aller Beitragszahler ist den Wissenschaftlern zufolge die Mechanik des neuen Gesundheitsfonds. Der ab Januar 2009 geplante Geldpool ist Bestandteil der Gesundheitsreform. Erstmals legt die Bundesregierung dafür im Herbst einen bundeseinheitlichen Beitragssatz fest. Nach Berechnungen des IfG wird dieser 15,5 Prozent betragen. Im Vergleich zum geltenden Durchschnittssatz von 14,8 Prozent wäre dies ein Anstieg um 0,7 Prozentpunkte.

Zurzeit klaffen die Sätze der 210 Kassen mit einer Spanne von 12,2 bis 16,7 Prozent erheblich auseinander. Die 22,8 Millionen Mitglieder von Kassen, die einen Beitrag von 14,9 Prozent oder niedriger haben, müssten am tiefsten in die Tasche greifen - nach Berechnungen der Forscher um bis zu 712,80 Euro.

Für rund 22 Millionen Versicherte liegt der Satz derzeit zwischen 14,9 und 15,4 Prozent - so etwa bei der Barmer als größte bundesweite Kasse. Diese Versicherten müssten bis zu 108 Euro mehr zahlen. 5,5 Millionen Beitragszahler, die aktuell mehr als 15,5 Prozent zahlen, würden entlastet. Mitglieder einiger Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) könnten pro Jahr bis zu 259,20 Euro sparen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ministerium zweifelt Studie an

Eine Ministeriumssprecherin sagte, die Bundesregierung werde den Satz zum 1. November auf Grundlage der Ausgaben der Kassen festlegen. „Die Krankenkassen bekommen genau das, was sie benötigen.“ In die Entscheidung werde das Ergebnis des neu zu gründenden Schätzerkreises beim Bundesversicherungsamt einfließen. Positiv wertete sie den voranschreitenden Schuldenabbau und den Beschäftigungszuwachs.

Lauterbach zweifelte das Ergebnis der Erhebung an. Auch sein Institut sei noch vor einiger Zeit von einem Beitragssatz des Fonds in Höhe von 15,6 Prozent ausgegangen. Durch die gute Konjunktur und die höhere Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sei der Wert aber korrigiert worden. „Der Beitragssatz aufgrund unserer Prognosen wird irgendwo zwischen 15,0 und 15,4 Prozent liegen“, sagte er Reuters. Berücksichtige man, dass auch ohne Fonds der durchschnittliche Satz um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen müsse, werde der Fonds die Beitragssätze unter dem Strich nicht erhöhen, aber auch nicht senken. Allerdings müssten Mitglieder von Betriebskrankenkassen mit höheren Kosten rechnen, während sie für AOK-Mitglieder geringer würden. Für letztere bestehe mittelfristig aber die Gefahr zusätzlicher Prämien, die die Kassen erheben dürfen.

Laut einer „Focus“-Umfrage haben bereits zum Jahreswechsel 61 Krankenkassen ihre Beiträge erhöht.

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