Versorgungssicherheit
Bayern fordert nationale Gasreserve

EU-Staaten melden, dass weniger Gas aus Russland nach Westen geliefert werde. Die bayerische Staatsregierung sieht die deutsche Energiesicherheit bedroht – und macht sich erneut für eine nationale Gasreserve stark.
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BerlinNach dem Verkauf der Gasspeicher der früheren RWE -Tochter Dea an internationale Investoren dringt Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) auf den Aufbau einer nationalen Gasreserve. „Das aktuelle Szenario zeigt, dass wir dringend Mechanismen schaffen müssen, um mögliche Lieferausfälle zumindest vorübergehend zu kompensieren“, sagte Aigner am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Bayern hatte bereits im Juli eine Initiative in den Bundesrat eingebracht, die eine nationale Erdgasreserve vorsieht. Die Bundesregierung hatte daraufhin eine Prüfung zugesagt. Bayern fordert, dass die Gasreserve den Verbrauch in Deutschland mindestens für 45 Tage decken soll. In den vergangenen Tagen hatten etliche EU-Staaten gemeldet, dass weniger Gas als sonst aus Russland nach Westen geliefert werde.

Die Bundesregierung hatte Ende August die Zustimmung für den Verkauf des Öl- und Gas-Unternehmens Dea an eine Investorengruppe um den russischen Oligarchen Michail Fridman gegeben. Dea mit Sitz in Hamburg hält Anteile an rund 190 Öl- und Gaslizenzen in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika.

Auch der Hinweis auf die derzeit gut gefüllten Gasspeicher in Deutschland sieht Aigner nicht als Grund zur Entwarnung. „Selbst wenn Deutschlands Speicher derzeit ausreichend befüllt sind, können wir nicht weitere Zeit verstreichen lassen“, sagte die Wirtschaftsministerin mit Blick auf die unklare weitere Entwicklung des Verhältnisses zu Russland. „Für eine sichere Versorgung mit Gas ist eine vorausschauende Politik nötig. Dass weiterhin die Gashändler allein entscheiden, ob sie Gasvorräte anlegen oder nicht, kann nicht im Interesse der gesamten deutschen Wirtschaft sein.“

Zudem hält die CSU-Politikerin auch die geltende Rechtslage in Deutschland nicht für ausreichend, nach der der Staat bei Versorgungsstörungen die dann noch vorhandenen Energiemengen bewirtschaften kann. „Allerdings läuft diese Regelung ins Leere, wenn nicht gleichzeitig sichergestellt wird, dass die strategischen Vorräte ausreichen“, warnte Aigner. „Bundeswirtschaftsminister Gabriel muss jetzt dringend Krisenvorsorge treffen.“

Zugleich übte Aigner indirekt Kritik daran, dass das Bundeswirtschaftsministerium keinen Einwand gegen den Verkauf von Dea erhoben hatte. „Wir können nicht ausschließen, dass ein solches Unternehmen in Zukunft der Einflussnahme anderer Staaten ausgesetzt ist“, kritisierte sie.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Versorgungssicherheit: Bayern fordert nationale Gasreserve"

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  • Gasspeicher haben wir doch, ich kann mich nur noch wundern.

  • Aha, die Chaoten machen sich bemerkbar.

    Mal schaun welche Vorschläge noch kommen. Vielleicht dickere Pullover anziehen?

  • Das hat zwei Seiten.

    Erstens ist es kein Problem, die Heizungen werden nicht ausfallen.

    Zweitens wird es ein Riesengeschäft für die Versorger.

    Es ist eine lang in der Praxis erprobte Variante. Lässt der Gasdruck nach, fallen die Heizungsanlagen aus. Damit das nicht passiert wird der Druck durch Einspeisung von Luft erhöht. Da diese Luft bekanntlich keinen Heizwert ergibt, rasen die Gaszähler um doch noch etwas Wärme zu produzieren.

    Die Gewinne der Gasversorger schießen durch die Decke.

    Warten wir ab was passiert und wieviel heiße Luft im anstehenden Winter verkauft wird.

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