Verständnis für NPD-Mitglieder
Ost-AfD versinkt im rechten Sumpf

Rechte Umtriebe in der AfD setzen die Parteispitze zunehmend unter Druck. Nachdem der Thüringer Landeschef Höcke Verständnis für NPD-Mitglieder gezeigt hat, legt nun ein weiterer Landeschef nach.
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BerlinDer Landeschef der Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, hat die umstrittenen Äußerungen des Thüringer AfD-Landes- und Fraktionschef Björn Höcke zur NPD verteidigt und zugleich Partei für einzelne Mitglieder der rechtsextremistischen Partei ergriffen.

Poggenburg nahm dabei Bezug auf Höcke. Dieser hatte der „Thüringer Allgemeinen“ gesagt: „Ich gehe nicht davon aus, dass man jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen kann. Das würde in der Beurteilung etwas zu weit gehen.“ AfD-Bundeschef Bernd Lucke hatte daraufhin den Rücktritt und Parteiaustritt Höckes gefordert.

Der Streit über rechte Umtriebe kommt für die AfD zur Unzeit. Am morgigen Sonntag wird die Bürgerschaft in Bremen neu gewählt. Umfragen sehen die eurokritische Partei mit fünf Prozent knapp im Landesparlament. Verpasst die AfD den Einzug wäre ihr in den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Thüringen begonnener Siegeszug jäh beendet. Zuletzt gelang der AfD knapp der Einzug in die Hamburger Bürgerschaft.

Poggenburg erklärte nun auf seiner Facebook-Seite zu Höckes NPD-Aussagen: „Eines ist doch ganz klar und allgemein bekannt: in der NPD gibt es viele Mitarbeiter des Staates, also Verfassungsschutz, BND etc... Allein schon daher ist die Aussage Höckes leicht nachvollziehbar, will er nicht Staatsdiener als Extremisten betiteln und sich damit ggf. Ärger einhandeln. Aber selbst davon abgesehen kann nicht pauschal davon ausgegangen werden, dass nun wirklich jedes weitere NPD-Mitglied auch bereit ist gewaltbereit gegen Andersdenkende vorzugehen oder sich überzeugt gegen unsere freiheitlich demokratische Grundordnung zu stellen – und genau DAS wäre ja der zitierte Extremismus.“

Natürlich sei die NPD insgesamt als Organisation abzulehnen und eine entsprechende Distanzierung nicht nur angebracht, sondern auch notwendig, fügte Poggenburg hinzu. Die habe Höcke oft genug „sehr deutlich“ gemacht. „Letztlich ist Höcke wohl nur vorzuwerfen, gerade kurz vor der Bremen-Wahl, einer nicht wohlgesonnenen Presse gerade solch ein Interview gegeben zu haben. Mit wahrer oder unwahrer Aussage hat das weniger zu tun als damit, was medial daraus gemacht wird.“

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