Verständnis für Russland
Linke feiern Putin-Verteidiger Helmut Schmidt

Dass Helmut Schmidt die Russland-Politik des Westens geißelt und Verständnis für Kreml-Chef Wladimir Putin äußert, erfreut die Linke. Aber auch in der SPD zeigt man sich angetan von der Kritik des Altkanzlers.
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BerlinDer frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt hat mit seiner ungewöhnlich deutlichen Kritik an der Sanktionspolitik des Westens gegenüber Russland ein positives Echo ausgelöst. Vertreter der Linkspartei und der SPD sehen sich in ihren Einschätzungen zum Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin größtenteils bestätigt.

„Helmut Schmidt hat einfach Recht. Sanktionen sind weder rechtfertigbar, noch tragen sie irgendetwas zur Lösung der Probleme bei“, sagte die Sprecherin für internationale Beziehungen der Linksfraktion im Bundestag, Sevim Dagdelen, Handelsblatt Online. „Die Position des Westens, sich jetzt als Verteidiger des Völkerrechts aufzuspielen, ist angesichts von Kosovo, Irak oder Libyen nicht besonders glaubwürdig.“ Jetzt immer mehr Gesprächsforen mit Russland wie die G8 oder den Europarat zu schließen, sei „der völlig falsche Weg“.

Der Westen müsse sich vielmehr „angesichts des Verhaltens der Faschisten der Swoboda und der Vaterlandspartei von Frau Timoschenko wirklich fragen lassen, wen er da in der Ukraine unterstützt“, sagte Dagdelen weiter. Die finanzielle Unterstützung der „illegitimen“ Regierung in der Ukraine und der Abschluss des politischen Teils des EU-Assoziierungsabkommens eskalierten die Lage mit Russland nur noch mehr. „Dialog statt Eskalation ist das Gebot der Stunde.“

Auch die Bundesvorsitzende der Jusos in der SPD, Johanna Uekermann, stellte sich hinter Schmidts Äußerungen. „Wir Jusos unterstützen den Ansatz, diplomatische Mittel und Sanktionen zur Schlichtung von Konflikten zu nutzen. Ob dies jedoch durch den Ausschluss Russlands aus der G8 erreicht wird, wage ich zu bezweifeln“, sagte Uekermann Handelsblatt Online. Im Falle des Konfliktes zwischen der Ukraine und Russland sei aber vor allem wichtig, dass eine Deeskalation herbeigeführt werde. „Auch Gespräche sollten entsprechend bei der Suche nach Lösungen berücksichtigt werden.“

Altkanzler Schmidt hatte das Vorgehen Putins auf der Krim verteidigt. „Ich finde es durchaus verständlich“, sagte er in einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“, das am Donnerstag erscheint. Er habe Zweifel daran, ob es sich bei der Annexion der Krim wirklich um einen klaren Verstoß gegen das Völkerrecht handele. Die Reaktionen des Westens auf die Krise kritisierte Schmidt scharf. Die Sanktionen bezeichnete er als „dummes Zeug“. Der 95-Jährige ist nach Gerhard Schröder der zweite Altkanzler aus der SPD, der die scharfe Kritik des Westens an Putin nicht teilt.

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  • Um eine Antwort zu erhalten, müßte man sich wohl an H errn Zbigniew Brzezinski wenden, der vor ein paar Wochen wie auch Helmut Schmidt an der Münchner Sicherheitskonferenz teilgenommen hat. Schade, daß dazu kein Panel bei der Münchner Sicherheiskonferenz stattgefunden hat, bei dem die beiden die Welt über den Stand der Neuen Weltordnung(New World Order) hätten informieren können.Herr Kerry(Skull and Bones) hätte dazu wahrscheinlich auch etwas beitragen können.

  • Es ist in der Tat daran zu zweifeln, daß es eine ukrainische Nation gibt. dies würde voraussetzen, daß es ein originäres ukrainisches Staatsvolk gibt, das nicht aus Teilen besteht, die sich gegenseitig hassen und wo Frau Timoschenko mit dem Heiligenschein die Russen am liebsten mit Atomwaffen zu Aschen machen möchte. Es ist schon tragisch, daß durch die Macht(Geo-)politik von Diktatatoren solche Volkkonstellationen geschaffen wurden, wie in der Ukraine. Die Präsidentschafts-und Parlamentswahl in der Ukraine im Mai kann nur unter der Aufsicht einer absolut neutralen Institution stattfinden. Gibt es sies bis dahin?

  • @Gandhi
    Zitat des ECHTEN Gandhi:
    "Wenn ich zu entscheiden habe zwischen Feigheit und Gewalt, entscheide ich mich fuer Gewalt".
    ??????

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