Versuchter Verrat Ex-Verfassungsschützer verurteilt

Ein Jahr auf Bewährung lautet die Strafe für einen ehemaligen Verfassungsschützer. In Chats ermunterte er unter anderem Islamisten zu Anschlägen in Köln. Hauptmotiv für die Taten: Langeweile.
Update: 19.09.2017 - 16:21 Uhr Kommentieren
Der Angeklagte habe sich aus Langeweile in sozialen Netzwerken mal rechtsradikal, mal islamistisch geäußert. Quelle: dpa
Ex-Verfassungsschützer

Der Angeklagte habe sich aus Langeweile in sozialen Netzwerken mal rechtsradikal, mal islamistisch geäußert.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Aufregung war immens, doch sie entpuppt sich am Dienstag als Sturm im Wasserglas: Ein Islamist sollte es geschafft haben, das Bundesamt für Verfassungsschutz zu unterwandern. Die Infiltration sei nicht mehr zu stoppen, gibt der Angeklagte sogar zu Protokoll. Seine vermeintlichen radikalen Glaubensbrüder ermunterte er in Chats zu einem Anschlag auf die Geheimdienstzentrale in Köln – das wäre doch „im Sinne Allahs“. Der Mann gerät dabei allerdings an einen verdeckt operierenden Mitarbeiter aus seiner eigenen Behörde. Dort glaubt man, in einen Abgrund von Landesverrat zu blicken.

Das Düsseldorfer Landgericht verurteilt den bis dato unbescholtenen 52-jährigen Vater von vier Kindern am Dienstag zu einer vergleichsweise milden Strafe: ein Jahr Gefängnis auf Bewährung wegen versuchten Geheimnisverrats. Dabei stutzt der Vorsitzende Richter Jan van Lessen den vermeintlichen Hochverrat zur Agenten-Posse zurecht.

Schon als Banker in einer Volksbank und daheim an der Seite seines schwerbehinderten Sohnes habe sich der 52-Jährige so sehr gelangweilt, dass er sich im Internet in Scheinwelten geflüchtet habe. Unter Alias-Namen nimmt er im Netz Kontakt zu einem ukrainischen Söldner-Bataillon auf und zu einer rechten Rockergruppe namens „Nordic Brotherhood“.

„Das Ganze hat sich bei mir zu Hause auf dem Sofa abgespielt, während ich auf meinen schwerbehinderten Sohn aufgepasst habe“, gesteht er im Prozess. Er wechselt trotz Einkommenseinbußen nach 35 Berufsjahren von der Bank zum Verfassungsschutz, als Beobachter der islamistischen Szene. Der Job gefällt ihm, doch die Langeweile am Wochenende bleibt: „Da sitzt man da mit dem Handy, kann nichts machen und ist wieder im Internet.“

Und so setzt er etwas in Gang, was ihn aus seinem unbescholtenen bürgerlichen Leben erst aus seinem Beruf, acht Monate in Untersuchungshaft und schließlich auf die Anklagebank katapultiert.

Keine Absicht, Ankündigungen in die Tat umzusetzen
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