Verteidigung
Mehr Bundeswehrsoldaten sollen gegen Piraten kämpfen

Bis zu 1400 Soldaten und damit weit mehr Kräfte als zunächst erwartet könnte die Bundeswehr für den geplanten EU-Einsatz gegen Piraten am Horn von Afrika bereitstellen. Abschließend sei aber noch nichts entschieden, hieß es aus Regierungskreisen.

HB BERLIN. Laut Regierungs- und Sicherheitskreisen gibt es auch Überlegungen, deutsche Soldaten als Sicherungskräfte an Bord zu schützender Schiffe einzusetzen. Nach Angaben einer Seefahrer-Organisation kaperten somalische Piraten im Golf von Aden erneut ein Schiff - den mit Stahl beladenen jemenitischen Frachter "Amani". US-Experten gehen davon aus, das die Piratenüberfälle in nächster Zeit noch zunehmen dürften.

Der EU-Einsatz "Atalanta" gegen die Piraten soll am 8. Dezember beginnen. Aufgabe des Marine-Verbandes ist nach einer Vereinbarung von Mitte November der Schutz von Schiffen des Uno-Welternährungsprogramms auch mit Hilfe bewaffneter Sicherungskräfte an Bord. Außerdem sollen die europäischen Soldaten Handelsschiffe in der Region schützen, die Piraten von weiteren Angriffen abschrecken und eingreifen, um solche Attacken zu verhindern. Das Bundeskabinett will die Beteiligung der Bundeswehr mit einer Fregatte entweder am 3. oder am 10. Dezember beschließen.

Umstritten ist bisher die Frage, wie mit Festnahmen und Gefangenen umgegangen werden soll. Daher wird über einen Einsatz der Bundespolizei diskutiert. Die Piraten, die in diesem Jahr Millionen Dollar Lösegeld erpresst haben, halten derzeit etwa ein Dutzend Schiffe und mehr als 200 Seeleute fest. In der Gewalt somalischen Entführer istunter anderem der saudiarabische Supertanker "Sirius Star", für den die Piraten nach Angaben einer Islamistengruppe 15 Mio. Dollar Lösegeld fordern. Die Entführer der "Amani" verlangten jemenitischen Kreisen zufolge zwei Mio. Dollar Lösegeld.

Zurzeit kreuzen bereits Kriegsschiffe mehrerer Länder in der Region, um Piraten von Angriffen abzuhalten. Vergangene Woche versenkte eine indische Fregatte ein Piratenschiff. Die deutsche Fregatte "Karlsruhe" vertrieb ebenfalls vorige Woche Seeräuber, die zwei Schiffe attackierten. Die deutschen Soldaten dürfen die Piraten bislang jedoch nur beobachten. Die Einsatz-Beschränkungen für die patrouillierenden Marine-Verbände verhindern nach Ansicht von US-Experten des Forschungsinstituts Heritage Foundation eine effektive Bekämpfung der Piraten. Auch der Widerstand von Reedern gegen bewaffnete Sicherheitsleute an Bord ihrer Schiffe und die Bereitschaft zu Lösegeldzahlungen ermuntere Piraten. Die taiwanische Reederei TMT kündigte an, mit ihren Öltankern die Region künftig ganz zu meiden und den Kontinent um das Kap der Guten Hoffnung zu umfahren.

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