Verteidigungsministerium
Umstrittener G36-Bericht veröffentlicht

Das Verteidigungsministerium soll dem Bundestag einen Bericht vorenthalten haben, in dem Mängel des G36-Sturmgewehrs verschleiert wurden. Das Ministerium weist den Vorwurf zurück und hat den Bericht nun veröffentlicht.
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BerlinNach der Kritik am vermeintlich unvollständigen Untersuchungsbericht zum Sturmgewehr G36 hat die Bundesregierung den fehlenden Text veröffentlicht. Das Verteidigungsministerium stellte das Vorwort am Mittwoch auf seine Homepage. In dem Text gebe es inhaltlich keine Erkenntnisse, die über die Aussagen im eigentlichen Abschlussbericht hinausgingen, betonte ein Sprecher des Ministeriums. Mit der Veröffentlichung des Vorworts könne sich nun jeder sein eigenes Urteil bilden.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte zuvor bereits Vorwürfe zurückgewiesen, dem Bundestag sei ein Text vorenthalten worden, in dem Kritik an dem umstrittenen Sturmgewehr G36 relativiert worden sei. Der Abschlussbericht der diesbezüglichen Untersuchung sei genau in der Form weitergeleitet worden, wie dies zuvor beschlossen und angekündigt worden sei, erklärte dazu ein Ministeriumssprecher am Mittwoch in Berlin.

Die „Bild“-Zeitung hatte berichtet, dass der Bericht zu den Präzisionsproblemen des Gewehrs ohne Vorwort an die Abgeordneten des Bundestags gegangen sei. Darin werde das G36 als „eine zuverlässig funktions- und betriebssichere Waffe“ beschrieben. Auch wurde die Untersuchungssituation – Dauerfeuer in einer Hinterhaltsituation – als „technischer Grenzbereich“ eingestuft.

Das Ministerium bestätigte den Vorgang, wies jedoch den Vorwurf der Manipulation zurück. Das Schriftstück sollte demnach nie Teil des Gesamtberichtes sein. Es stamme aus dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) – das der Expertenkommission zur Untersuchung des G36 angehörte. Das Vorwort sei allerdings nicht angekündigt und mit den anderen Mitgliedern der Arbeitsgruppe abgestimmt gewesen.

Das Verteidigungsministerium teilte dazu mit, das Vorwort sei nicht unter den Trägern der Untersuchung abgestimmt, sondern trage nur die Unterschrift eines der Beteiligten. Zudem seien darin keine Fakten oder Erkenntnisse enthalten, die über die eigentlichen, dem Bundestag übermittelten Untersuchungsergebnisse hinausgingen.

Zu der Einstufung „zuverlässig funktions- und betriebssicher“ erklärte das Ministerium, damit werde nur ausgesagt, dass „eine Kugel aus dem Lauf kommt, sobald man am Abzug zieht“ und dass dabei „für den Schützen keine Gefahr ausgeht“. Aussagen über die Treffsicherheit des Gewehrs würden damit nicht getroffen.

Die Kritik am G36 richtet sich dagegen, dass die Treffsicherheit der Waffe bei hohen Temperaturen nachlässt. Daher will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Gewehr ausmustern. Gegen das Verteidigungsministerium gibt es auch Vorwürfe, die Probleme mit dem G36 jahrelang vertuscht zu haben. Diese Vorwürfe richten sich besonders gegen von der Leyens Vorgänger, den heutigen Innenminister Thomas de Maizière (CDU).

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Verteidigungsministerium: Umstrittener G36-Bericht veröffentlicht"

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  • - Nach mehreren hundert Schuss werde der Lauf der Waffe so heiß, dass auf 300 Metern Entfernung die Trefferwahrscheinlichkeit auf ein Drittel sinkt, heißt es. Dies hätten Untersuchungen der Bundeswehr ergeben.

    Im September 2013 veröffentlicht der "Spiegel" einen Bericht, wonach bei einer Distanz von 500 Metern bei Dauerbeschuss und entsprechenden Witterungsbedingungen "die Abweichung des mittleren Treffpunktes" bis zu sechs Meter betrage. -

    Wen will man mit diesen Ergebnissen beeindrucken?

    Unter Einsatzbedingungen wird kaum ein BW-Soldat/in, ob ohne oder mit heißem Rohr auf eine Entfernung von 300m oder gar 500m treffen, wenn getroffen wird ist das Zufall.

    Wer beim Gefechtsschiessen mal mit dem MG auf 400m geschossen hat, weiß das. Der MG-Schütze sieht die Einschläge wenn überhaupt, nur durch einen Rauchschleier.

    Weil das alles keine Präzisionswaffen sind - nur die Scharfschützen haben Präzisionsgewehre, die treffen damit auch bei Entfernungen von mehr als 500m .



  • >> Daher will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Gewehr ausmustern.>>

    Die Flinten-Uschi hat keinerlei Ahnung von Flinten und enorme Probleme mit der aktuellen Flinte der Bundeswehr.

    Wie kann man von ihr erwarten, dass sie richtige Entscheidungen bei Panzern, U-Booten, Flugzeugen, Raketen, etc. trifft, wenn sie mit der Flinte nicht klar kommt ?

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