Vertriebenen-Stiftung
Historiker schmeißt nach Steinbach-Eklat hin

Der Schlingerkurs der Vertriebenenpräsidentin Steinbach hat Konsequenzen: Erst attackierte sie den polnischen Deutschland-Beauftragten, dann legte sie noch einmal nach, um kurz darauf ihre Vorwürfe wieder zurückzunehmen. Am enstandenen Eklat ändert dies aber nichts. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Vertrieben-Stiftung: Ein renommierter Historiker erklärte jetzt seinen Rückzug.
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DÜSSELDORF. Der neuerliche Eklat um Vertriebenen- Präsidentin Erika Steinbach (CDU) zieht personelle Konsequenzen im wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen nach sich. Der renommierte Historiker Julius Schoeps, Leiter des Moses Mendelssohn Zentrums für Europäisch-Jüdische Studien an der Universität Potsdam, erklärte im Gespräch mit Handelsblatt Online aus Protest gegen Steinbach seinen Rückzug aus dem Gremium. „Die Arbeit der ‚Stiftung gegen Vertreibungen‘ gerät zunehmend in schiefes Licht“, sagte Schoeps zur Begründung. Anfänglich habe er die Gründung der vom Bund der Vertriebenen initiierten Stiftung unterstützt. Doch nun fühle er sich durch die Einlassungen Steinbachs hintergangen. „Ich möchte mit dem Projekt nichts mehr zu tun haben und verlange von der Liste der Unterstützer gestrichen zu werden“, sagte der Historiker.

Steinbach hatte dem polnischen Deutschland-Beauftragten und einstigen Auschwitz-Häftling Wladyslaw Bartoszewski am Donnerstag einen „schlechten Charakter„ bescheinigt und damit einen neuen Eklat ausgelöst.

Schoeps sagte dazu, die Einlassungen der CDU-Abgeordneten Steinbach seien in der Tat nicht hilfreich. „Es ist zwar zutreffend, dass Frau Steinbach schweren Attacken aus Polen ausgesetzt war, das rechtfertigt aber nicht die persönlichen Angriffe auf den polnischen Auschwitz-Überlebenden Wladyslaw Bartoszewski.“

Am Wochenende dann nahm Steinbach ihre Kritik wieder zurück. „Ich bedaure meine Äußerungen über Herrn (Wladislaw) Bartoszewski, die in Polen und Deutschland für so viel Aufsehen gesorgt haben, und ziehe sie zurück“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Ihren Angriff auf den 88-jährigen früheren polnischen Außenminister begründete sie mit aufgestauten Emotionen: „Oft wurde ich in den letzten Jahren gefragt, warum ich mich gegen seine Angriffe nicht wehre. Die Tatsache, dass Bartoszewski ein besonders schlimmes Schicksal unter den Nationalsozialisten erlitten hat und seine Leistungen für das deutsch-polnische Miteinander ließ mich alles hinnehmen. In der vorigen Woche hat sich das bei mir - eher ungewollt - Luft verschafft. Das war aus vielerlei Gründen verkehrt.“

Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen forderte zugleich Bartoszewski auf, sein Verhalten zu überdenken: „Auf der anderen Seite wünsche ich mir, dass Wladislaw Bartoszewski in stiller Stunde all das überdenkt, was er zu meiner Person in den letzten Jahren gesagt hat.“

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hatte der CDU-Bundestagsabgeordneten zuvor vorgeworfen, die deutsch-polnischen Beziehungen schwer zu belasten. Er forderte sie zum Verzicht auf ihr Bundestagsmandat auf. Steinbachs abfällige Äußerungen über den polnischen Deutschland-Beauftragten Wladyslaw Bartoszewski seien eine „Widerlichkeit“ und ein „Skandal, wie ich ihn in internationalen Beziehungen sonst nur von Rechtsradikalen kenne“, sagte Beck.

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  • @ Margrit Steer (12)

    „Wetten, wäre diese Stiftung nur für andere Vrtreibungen also ohne dass die deutschen Vertriebenen benannt würden, die Stiftung wäre schon längst da.“

    Die Stiftung „erfreut“ sich nicht nur bei der deutschen Politik einer gewissen Ablehnung, sondern auch bei zwei Völkern, die sich seit mehr als 65 Jahren als Opfer sehen und ihre beteiligung an den Ereignissen doch eher nicht betrachten möchten, fiele doch ihr Geschichtsbild dabei zusammen.

    „in Deutschland herrscht seit Jahren Hass von politischer Seite gegen die eigene bevölkerung
    und das halte ich für hochgefährlich.“

    Das ehe ich auch so, verstärkt durch die Äußerung der Kanzlerin, daß sich das deutsche Volk an mehr Moscheen zu gewöhnen habe.

    „Heute ist nur Halbbildung und Selbstdarstellung.“

    Leider wahr und das mit ganzer Kraft und ohne Rücksicht auf Verluste.

  • @yahel

    ich weiß, dass in diesr Stiftung auch andere Vertreibungen bedacht werden sollen. Das ist ja bekannt.
    Trotzdem bleibe ich bei dem was ich geschrieben habe.
    Wetten, wäre diese Stiftung nur für andere Vrtreibungen also ohne dass die deutschen Vertriebenen benannt würden, die Stiftung wäre schon längst da.
    Machen Sie die Augen und Ohren auf. in Deutschland herrscht seit Jahren Hass von politischer Seite gegen die eigene bevölkerung
    und das halte ich für hochgefährlich.
    Der CiA sagt bürgerkriege für Europa auch für Deutschland vorraus.
    Keine schönen Aussichten. Und schauen Si sich doch mal um, übrall sind Unruhen und Unmut, Holland, Frankreich, Schweden.
    Die Zeiten von Adenauer und Helmut Schmidt, also besonnenen Politkern die für unser Land was erreichen wollten, sind vorbei. Heute ist nur Halbbildung und Selbstdarstellung.
    immer mehr bürger merken, dass was nicht richtig läuft in unserem Land. Es gärt gewaltig.
    Es sit doch schon geradezu grotesk, dass ein alter Herr von 91 Jahren der beliebteste Deutschen ist, nämlich Helmut Schmidt.
    Warum denn?
    Weil er genau das verkörpert und verkörpert hat während seiner Amtszeit was den Affen in brlin heute fehlt:
    hoher bildugns grad und Niveau, großer Fach- und Sachverstand und der Wille, für Deutschland das beste zu erreichen.
    Der brauche keine Gipfel, so wie die Merkel. Der empfing große Weltpolitiker auch schon mal in seinem Reihenhaus ohne Presse udn Tam Tam und da wurden wichtige Weichen gestellt.
    Heute, gerade auch Merkel, brauchen die nur Show, Presse, Medien und im Endeffekt plappern sie nur Mist.

  • @ Gerd Kitzel (8)

    „Es war die Generation unserer Eltern und Großeltern, die Helfern und Helfeshelfern (das kann man auch im passiven Sinne sein), die den Massenmord "vom Fließband" zur Perfektion entwickelten.“

    Da schießen Sie doch sehr weit über das Ziel hinaus, indem Sie ein ganzes Volk zu Massenmördern bzw. deren Helfer machen. Meine Eltern sind Jahrgang 1923 und 1925, gehören die ihrer Meinung nach auch dazu, welche Möglichkeiten der Einflußnahme hatte sie oder deren Eltern? Hatten die Menschen im Reich überhaupt die Möglichkeit sich umfassend zu informieren? Wie sehen Sie die Rolle der Helfershelfer in den übrigen europäischen Ländern?
    Das Thema ist doch komplexer und läßt sich nicht in ihrem o.a. Satz zusammenfassen.

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