Vertriebenen-Stiftung
Streit über Steinbach eskaliert

Die Gründung der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ und des geplanten Vertriebenen-Museums „Sichtbares Zeichen“ in Berlin wird immer umstrittener. Jetzt ist auch Tomasz Szarota, der einzige polnische Vertreter im wissenschaftlichen Beraterkreis, zurückgetreten – entnervt wegen des Streits über die Besetzung der Leitungsgremien.
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BERLIN. Einen entsprechenden Bericht der Warschauer „Gazeta Wyborcza“ bestätigte gestern ein Sprecher von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Hintergrund des Zwistes ist der Anspruch des Bundes der Vertriebenen (BdV), seiner Vorsitzenden Erika Steinbach einen Sitz im Stiftungsrat zu verschaffen. In Polen ist die CDU-Abgeordnete verhasst. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich öffentlich gegen eine Berufung Steinbachs festgelegt, weil er niemanden in dem Gremium wolle, der dem Ziel der Aussöhnung schade.

Vor allem für Neumann ist der Rückzug des Historikers Tomasz Szarota eine Niederlage. Denn Neumann soll nach Angaben aus diplomatischen Kreisen zuvor Polen gedrängt haben, einen Vertreter in den Beirat zu schicken. Sonst mache die Stiftung zur Aussöhnung keinen Sinn.

Der Rückzug des Zweite-Weltkrieg-Experten Szarota ist pikant, weil er einem Brief von 16 Unions-Europaabgeordneten an Westerwelle folgt, in dem sie ihn zur Überprüfung „der persönlichen Hintergründe und Lebensläufe der polnischen Beiratsmitglieder“ aufforderten.

Dabei gibt es kein einziges polnisches Beiratsmitglied, wie die Steinbach-Unterstützer unterstellten. Szarota saß bislang im wissenschaftlichen Beraterkreis. Laut „Gazeta Wyborcza“ ist er empört darüber, dass kein Einziger der mit dem „Sichtbaren Zeichen“ verbundenen deutschen Politiker und Wissenschaftler auf den Brief reagiert habe. Laut „Gazeta Wyborcza“ sind die Anwürfe gegen ihn eine Zumutung: Denn Szarota wurde 1940 geboren – wenige Wochen nachdem sein Vater, der Literaturkritiker Marcel Blüth, von den Nazis erschossen worden war.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Das Herumeiern um Frau Steinbach ist typisch deutsch.
    Frau Steinbach muß den Vorsitz der Stiftung übernehmen
    das ist ihr gutes Recht.Die Vertriebenen haben einen
    Anspruch darauf, daß endlich dieses Thema in einer
    in einer ständigen Ausstellung dargestellt wird. An
    den Vertriebenen wurde furchtbare Verbrechen begangen. 14 Mio Vertriebene davon 2 Mio durch Ver-
    brechen ums Leben gekommmen.Die Polen wollen die Wahrheit nicht hören.Kein Mensch will die Geschichte
    umschreiben.Man sollte nur die Fakten anerkennen.
    Das Frau Steinbach die Oder/Neiße Grenze nicht an-
    erkannt hat ist ihr gutes Recht. Diese Grenze ist
    völkerrechtswidrig genau so wie die Vertreibung der
    Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten. Schon nach dem ersten Weltkrieg haben die Siegermächte
    große Teile Deutschlands abgetrennt und vor allen
    Dingen an Polen gegeben.Westpreußen/Posen etc.Ober-
    schlesien wurde entgegen dem Versailler Vertrag von
    den Polen widerrechtlich annektiert. Der 2.Weltkrieg
    war vor allen Dingen eine Folge des Versailler Ver-
    trages. Deutschland konnte die Gebietsabtrennungen nicht hinnehmen.besonders den Korridor der Ostpreußen vom übrigen Reich abgetrennt hat.Nach dem
    2.Weltkrieg wurden erneut große Teile Deutschlands-
    widerrechtlich abgetrennt.Schlesien Ostpreußen Pommern und mehr.Diese Gebiete waren unter polnische
    Verwaltung gestellt.Nur die Polen haben die Deutschn
    vertrieben um so die Voraussetzungen zu schaffen sich die Gebiete einzuverleiben.Und alles das sollten wir einfach hinnehmen. Leider ist es so in
    Deutschland, daß uns ein von den Siegermächten ein
    Geschichtsbild aufoktroirt wurde, das leider viele
    daran glauben. Aber es gibt noch viele ,die die
    Fakten der Geschichte besser kennen.
    Polen hat Frau Steinbach zum Popanz aufgebaut und
    jetzt kommt es von seiner Position nicht mehr weg.
    Die Art und Weise wie man das gemacht hat ist schamlos und widerwärtig. Und unser Außenminister
    erst in Person von Herrn Steinmaier und jetzt von Herrn Westerwelle biedern sich den Polen an, statt
    die interessen der Vertriebenen und großer Teile der
    übrigen Deutschen zu vertreten. Die FDP wird das als
    Partei noch zu spüren bekommen.Die aktuellen Umfragen zeigen dies bereits.Wobei natürlich nicht
    allein die Haltung von Westerwelle eine Rolle spielt
    die er in der Frage der Vertriebenen einnimmt. Aber
    es kommt eines zum andern.



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