Vertriebenenpräsidentin
Erika Steinbach hört auf

Beim Bund der Vertriebenen steht eine Veränderung ins Haus: Nach 16 Jahren will Erika Steinbach nicht mehr als Präsidentin des Verbandes kandidieren. Die streitbare CDU-Politikerin tritt den Rückzug an.
  • 1

DüsseldorfSie war das Gesicht des Bundes der Vertriebenen (BdV), jetzt muss sich der Verband um die Nachfolge kümmern. Erika Steinbach wird nicht zur Wahl des BdV-Präsidiums im November antreten. Das habe sie am Sonntag dem „überraschten“ Bundesausschuss mitgeteilt, schreibt dieser in einer Pressemitteilung. Die Bundestagsabgeordnete (CDU) stand dem Verband seit 1989 vor. „Nach 16 Jahren ist es an der Zeit, diese sehr intensive und fordernde Aufgabe in andere Hände zu legen“, sagte sie im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen. Sie gehe diesen Schritt „mit gutem Gewissen“.

„Meine sechzehn Jahre an der Spitze des BdV waren eine wunderbare Herausforderung und lohnende Aufgabe“, sagte sie laut der Mitteilung. Darin dankte sie auch ihren Wegbegleitern und nannte einige Erfolge ihrer Arbeit, insbesondere die Gründung der Stiftung „Zentrum gegen Vertreibung“ sowie die Gedenkeinrichtung für die Vertriebenen und ihr Schicksal, die in Berlin im Aufbau ist. „Es war mir in diesen Jahren ein Anliegen, die Schicksale der Vertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler in das Bewusstsein aller Deutschen zu rücken“, so Steinbach.

Steinbach war die erste Vertriebenenpräsidentin, die keine Erinnerung mehr an die alte Heimat jenseits von Oder und Neiße hat. Sie wurde 1943 in Rahmel, nördlich von Danzig, im damals von deutschen Truppen besetzten Polen, als Tochter eines Wehrmachtssoldaten geboren. Ihre Forderungen nach einem Ausgleich für das Unrecht der Vertreibung stießen in Polen und Tschechien auf massive Kritik. 2004 zeigte sie sich kompromissbereit und war zum Verzicht auf materielle Entschädigung deutscher Heimatvertriebener bereit. Seit 1990 ist Steinbach für die CDU im Bundestag, sie ist Mitglied im Vorstand der Unionsfraktion und deren Sprecherin für Menschenrechte. In den vergangenen Monaten sorgte sie mehrfach für Diskussionen, weil sie eine engere Zusammenarbeit der Union mit der eurokritischen Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) forderte.

Der BdV, dem sie noch bis November vorsteht, ist die Interessenvertretung der als Folge des Zweiten Weltkrieges vertriebenen Deutschen und ihrer Nachkommen. In ihm sind Vertriebene, Aussiedler und Spätaussiedler organisiert.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Vertriebenenpräsidentin: Erika Steinbach hört auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Eine der am meist gehaßten Personen des öffentlichen Lebens in Deutschland geht, nachdem sie sich die auf sie gegossenen Kübel von Verleumdungen, Beleidigungen jeglicher Art im In- und Ausland, namentlich in Polen und Tschechien aber auch in Deutschland, hat gefallen lassen und dennoch versucht diesen sachlich entgegenzutreten. Nach 16 Jahren Vorsitz im Bund der Vertriebenen nimmt sie ihren Abschied, ihr sei dieser gegönnt. In Polen und Tschechien feiert man dies wie einen Sieg. Sieg worüber? Interessant ist dabei, daß gerade diese Völker gern vergessen, welche Leiden sie den Deutschen in der Zeit von 1919 bis 1938 bzw. 1939 zufügten, indem sie den ihnen von den Entente-Mächten zugeteilten Deutschen die verbrieften Minderheitsrechte versagten und sie über Gesetze nötigten sich zu Polen oder Tschechen zu machen, ihre Identität als Deutsche aufzugeben, sie wie Menschen zweiter Klasse behandelten. Bestürzend ist die Gleichgültigkeit der damaligen Politiker der „Siegermächte“ ab 1919, die dem Treiben dieser Staaten tatenlos zusahen, sie teilweise sogar dabei unterstützten. Die Vertreibung der Deutschen begann nicht 1945, sondern 1919. Die besonderen Exzesse, die sich gegen die Deutschen nach 1945 richteten, werden in diesen Ländern gern unter den Teppich gekehrt, man gefällt sich in der Opferrolle. Einen schalen Geschmack hinterläßt das Verhalten dieser Länder in Bezug zu den von ihnen begangenen Verbrechen, weil sie sich bis heute nicht in der Lage sehen, sich mit dem von ihnen begangenen Unrecht auseinanderzusetzen. Für Tschechien gibt es dazu zwei lesenswerte Bücher von Sidonia Dedina „Edvard Benes - Der Liquidator“ und „Der Pyrrhussieg des Edvard Benesch“, beides keine Bettlektüre.
    Frau Steinbach sei an dieser Stelle Dank gesagt für ihre Bemühungen im Sinne aller Vertriebenen Europas.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%