Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit will Chef am Samstag absetzen
Gersters Abgang offenbar beschlossen

Die Tage von Florian Gerster als Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind gezählt. Die Mehrheit des 21-köpfigen Verwaltungsrats der BA will Gerster morgen bei einer Sondersitzung das Misstrauen aussprechen. Das zeichnete sich nach Informationen des Handelsblatts bei einem Treffen von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) mit dem Verwaltungsratspräsidium ab.

HB BERLIN/PRETORIA. Clement habe versucht, die Präsidiumsvertreter von Arbeitgebern und Gewerkschaften, Peter Clever und Ursula Engelen-Kefer, davon zu überzeugen, Gerster zu halten. Beide Seiten seien jedoch entschlossen, Gerster abzulösen. Dass Gerster von sich aus zurücktritt, wird für unwahrscheinlich gehalten.

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister und SPD-Chef Harald Schartau (SPD), der als enger Vertrauter Clements gilt, räumt Gerster keine Chance mehr ein. Im Deutschlandfunk forderte er den Verwaltungsrat auf, sich von dem umstrittenen BA-Vorsitzenden zu trennen. Unabhängig von der Frage, ob Gerster etwas zu Recht oder zu Unrecht gemacht habe, zeige sich, dass er nicht mehr das Vertrauen der BA und vor allem nicht mehr das der Öffentlichkeit habe, sagte Schartau.

Clement wies gestern zwar noch Gerüchte über eine Ablösung Gersters zurück. In Regierungskreisen hieß es jedoch, er werde das Votum des Verwaltungsrats akzeptieren und Gerster von seinen Aufgaben entbinden. Offen blieb, ob zeitgleich auch sein Nachfolger benannt wird. Angesichts der Angriffe auf Gerster wegen einer Reihe umstrittener Beraterverträge sei die Suche schwierig, hieß es. Regierungsmitglieder sprachen von einer „Hetzjagd“, die das Amt beschädigt habe. Formal hat der Verwaltungsrat das Vorschlagsrecht für den BA-Chef. Da das letzte Wort bei der Regierung liegt, kommt aber nur eine Person in Frage, die von ihr befürwortet wird.

Als Nachfolger Gersters werden BA-Vize Frank-Jürgen Weise, der Personalvorstand der Deutschen Bahn, Norbert Bensel, Schartau und Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke (SPD) genannt. CDU-Mitglied Weise mache als BA-Vorstandsmitglied einen „exzellenten Job“, hieß es in Regierungskreisen. Bensel war Mitglied der Hartz-Kommission. Das Jahresgehalt von 250 000 Euro für den BA-Chef dürfte aber deutlich unter seinen Bezügen als Bahn-Manager liegen. Bei Schartau hieß es, er sei im NRW-Wahlkampf unverzichtbar. Der ebenfalls als Kandidat gehandelte parlamentarische Wirtschaftsstaatssekretär Gerd Andres winkte ab. „Ich mache es nicht“, sagte er dem Handelsblatt. Auch VW-Vorstand Peter Hartz dementierte.

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