Verwertungsoffensive der Bundesregierung in der Kritik
Technologietransfer kommt nicht in Schwung

Der Technologietransfer von Universitäten in die Wirtschaft kommt nicht so recht in Schwung – und das trotz Millionensubventionen der Bundesregierung. Zwar haben die 20 Patentverwertungsagenturen (PVA), die seit Ende 2001 technische Erfindungen verwerten und vermarkten, rund 1 100 Patente angemeldet. Aber immer noch kosten sie mehr, als sie an Lizenzgebühren einnehmen. Industrie und Professoren kritisieren die Agenturen scharf.

DÜSSELDORF. „Dass die Universitäten bei der Patentverwertung nicht richtig vorankommen liegt nicht an Startschwierigkeiten, sondern an Fehlern im System“, sagt Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbands. Er fordert individuelle Patentvereinbarungen zwischen Professoren, Hochschulen und Industrie, statt zentraler Verwertungsstellen.

Ziel der PVAs ist es, für die Universitäten und Fachhochschulen Einnahmen aus Erfindungen von Hochschullehrern zu generieren. Grundlage dafür ist die Abschaffung des Hochschullehrerprivilegs im Arbeitnehmererfindungsgesetz 2001. Doch die Quelle Patentverwertung bringt bislang nur ein Rinnsal an Geld für Bildung und Forschung. „Die Selbstfinanzierung werden wir frühestens in sieben bis zehn Jahren erreichen“, sagt Wolfgang Knappe, Leiter der Patentverwertungsagentur für die bayerischen Hochschulen.

Vor allem Maschinenbauunternehmen sind damit unzufrieden. „Der Technologietransfer im Maschinenbau funktionierte bisher hervorragend, durch die Patentverwertungsagenturen wird er gestört“, sagt Hartmut Rauen, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Verbandes deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Viele Maschinenbauprofessoren arbeiten schon lange eng mit der Industrie zusammen. Dass sich nun Unis und PVAs zwischen sie und die Professoren drängen und mehr Geld eintreiben wollen, passt der Wirtschaft nicht. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert, dass sich die Agenturen nicht in Kooperations- und Auftragsbeziehungen mit der Wirtschaft einmischen sollen. Nach Ansicht des BDI ist das neue System ein zentrales Hindernis für die Auftragsforschung.

Die Bundesregierung weist die Kritik zurück. Ende 2003 ließ das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Agenturen in einer Studie evaluieren. Das Ergebnis fand die Regierung so gut, dass der Bund die PVAs bis 2006 mit 28 Mill. Euro weiter fördert. Zusätzliches Geld kommt von den Ländern. Zwar kam die Studie zu dem Ergebnis, dass die Verwertungserfolge der Agenturen höchst unterschiedlich sind; trotzdem bewertet das Ministerium, die bisherige Arbeit der PVAs als sehr ordentlich. 3 800 überprüfte Erfindungen und 1 100 Patentanmeldungen seien ein Beweis dafür.

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