Viel Manager begleiten Bundeskanzler Schröder auf seiner Arabien-Reise: Deutsche Firmen hoffen auf Verkehrsprojekte am Golf

Viel Manager begleiten Bundeskanzler Schröder auf seiner Arabien-Reise
Deutsche Firmen hoffen auf Verkehrsprojekte am Golf

Nichts geht mehr auf der Sheikh Zayed Road. Auf fünf Spuren in der einen und fünf in der Gegenrichtung stehen die Autos auf dieser Hauptverkersschlagader Dubais, der glitzernden Handelsmetropole in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

HB DUBAI. Stau in der Wüste. Es ist zehn Uhr morgens – der Berufsverkehr ist schon durch; die Pendler aus dem Nachbar-Emirat Sharjah sitzen in den Bürotürmen. „Vielleicht liegt es ja am ’Dubai Shopping Festival’“, sagt der Taxi-Fahrer zynisch.

Dubai droht auf seiner Jagd nach Superlativen in einem Superstau zu ersticken. Der strahlend blaue Himmel überzieht sich mit einem bräunlichen Dunst aus Abgasen. Für eine Touristenmetropole und einen Investitionsstandort, der mit kurzen Wegen und schnellen Entscheidungen wirbt, kann das zu einem Problem werden.

Eine Maßnahme, die Abhilfe schaffen soll, ist der „Dubai Light Train“ – ein Nahverkehrszug, der ab 2009 die Stadt durchkreuzen soll. Rund 2,5 Mrd. Euro wird das Projekt kosten – finanziert von der Stadtverwaltung Dubai. Auch deutsche Firmen könnten davon profitieren.

Der Bedarf für die Bahn ist riesig: Dubais Einwohnerzahl – wie auch die anderer Golfstaaten – wächst stetig und hat sich seit 1995 auf 1,2 Millionen Menschen fast verdoppelt. Auch der Touristenstrom in die Region wächst beständig, und die Immobilienprojekte werden immer gigantischer. Alleine das Burj Dubai, das einmal das höchste Gebäude der Welt werden soll, wird Schätzungen der Investoren zufolge nach seiner geplanten Fertigstellung 2008 jährlich bis zu 35 Millionen Besucher anziehen. Kein Wunder: Der Mega-Wolkenkratzer wird auch das größte Einkaufszentrum der Welt haben.

Die Dubai-Bahn soll auch ein kleines Wunderwerk werden: Vollautomatisch, teilweise unter der Erde, teils als Hochbahn auf Stelzen. Zwei Strecken quer durch die Stadt sind zunächst geplant, aber das System ist ausbaufähig. Vier Konsortien sind im Rennen um den Auftrag, darunter auch eines um den deutschen Baukonzern Bilfinger Berger und den französischen Zugbauer Alstom sowie eines um die saudische Bin Laden Group mit den deutschen Konzernen Dywidag und Siemens. Siemens will die gesamte Verkehrstechnik zu liefern, von der elektrischen Streckenausrüstung über die Signaltechnik bis zu den Fahrzeugen. Das System baut auf der in Paris bereits eingesetzten fahrerlosen U-Bahn „Méteor“ auf.



Vielleicht kann Bundeskanzler Gerhard Schröder ja etwas bewirken auf seiner Reise durch sieben Golfstaaten, zu der er gestern gestartet ist – die Manager, die ihn begleiten, hoffen darauf. Siemens-Vorstand Rudi Lamprecht ist mit von der Partie, auch MAN-Ferrostaal-Chef Matthias Mitscherlich und der designierte Co-EADS-Chef Thomas Enders.

Siemens zum Beispiel hat dort viele Eisen im Feuer: Neben dem Bahnprojekt in Dubai winkt eine über 400 Mill. Euro schwere Beteiligung an einem Kraftwerk. Der Technikkonzern Linde verhandelt in Bahrain über den Bau einer petrochemischen Anlage im Wert von über einer Mrd. Euro. Und MAN-Ferrostaal plant in Oman mit Partnern eine Methanol-Fabrik für rund 500 Mill. Euro. Auf der milliardenschweren Projekt-Liste der deutschen Firmen stehen auch Rüstungsaufträge für Marine und Heer. Kein Wunder, dass der Andrang der Manager auf einen Sitz nahe beim Kanzler hoch war – von 190 Bewerbern kamen 73 zum Zuge.

Die deutschen Unternehmer rennen in der Region offene Türen ein, heißt es bei der Außenhandelskammer in Dubai. Kenner kritisieren jedoch, dass die Deutschen trotz steigenden Interesses am Golf – allein drei Mrd. Euro betragen die Exporte in die Vereinigten Arabischen Emirate – bei langfristigen Investitionen noch zögerlich seien. Die in der Region verbreiteten Betreibermodelle beäugen viele Firmen misstrauisch.

Beim Thema Transrapid schäumt die Phantasie derzeit über. Doch die Erwartung, dass der Kanzler der Schwebebahn von Thyssen-Krupp und Siemens einen Milliardenauftrag bescheren kann, werden zerrinnen wie aufgetürmter Wüstensand, heißt es hinter vorgehaltener Hand in der Branche. Zwar sind in Katar Überlegungen geäußert worden, sich die bislang nur in Schanghai realisierte deutsche Spitzenbahn auch an den Golf zu holen. Doch das würde dauern. Nach der Interessensbekundung müsste zunächst der Vertrag über eine Machbarkeitsstudie geschlossen werden. Und dafür gibt es noch nicht einmal Termine.

So schnell die Städte am Golf auch wachsen: Ist der Stau in Dubai einmal überstanden, warten auf den Autofahrer in den Emiraten sechsspurige beleuchtete Autobahnen mit freier Spurwahl und Palmensaum – gegen Sandverwehungen.

Sieben Länder in sieben Tagen

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Reise: Mit rund 70 Unternehmern ist Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einer siebentägigen Reise über die arabische Halbinsel abgereist. Erstmals besucht er Bahrain, Kuwait, Katar, Oman und Jemen. In Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist er zum zweiten Mal.

Wirtschaft: Auf der Reise sollen Wirtschaftsverträge in Milliardenhöhe unterschrieben werden. Siemens kann mit mehreren Aufträgen im Kraftwerksbau rechnen. In Saudi-Arabien sind Unterzeichnungen zur Modernisierung des Telefonnetzes sowie zum Flughafen-Ausbau vorgesehen. Zudem soll es um den Bau einer Bahnstrecke entlang des Persischen Golfs gehen, zu der auch eine Transrapid-Trasse gehören könnte. Linde will in Bahrain eine petrochemische Anlage im Wert von 1,3 Mrd. Euro bauen.

Rüstung: Angesicht der mit den Mitgliedern des Golf-Kooperationsrates angestrebten strategischen Partnerschaft will die Bundesregierung die Zurückhaltung bei Rüstungslieferungen in die Region aufgeben. In den VAE wird der Verkauf von 32 Fuchs-Spürpanzern im Wert von 160 Mill. Euro besiegelt. Zudem erhalten die VAE-Streitkräfte ein militärisches Kommunikationssystem. Jemen wird von der Bremer Lürssen-Werft zehn Patrouillenboote kaufen.

Politik:Ein Schwerpunkt wird das iranische Atom-Programm sein. Der Kanzler will um Unterstützung für die diplomatischen Bemühungen der EU werben. Außerdem will er eine enge Zusammenarbeit im Anti-Terror-Kampf anbieten. In den VAE sollen neue Vereinbarungen für die deutsche Irak-Wiederaufbauhilfe unterzeichnet werden.

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