Viele ziehen weg
Sangerhausen fehlt die Perspektive

Mit 24,3 Prozent hat der Bezirk der Agentur für Arbeit Sangerhausen in Sachsen-Anhalt im Juni eine der bundesweit höchsten Arbeitslosenquoten. Noch schlechter sieht es nur noch im Bezirk Neubrandenburg mit 24,6 Prozent aus.

Die Unterbeschäftigungsquote aber – darin sind auch Arbeitssuchende erfasst, die zurzeit eine Umschulung oder Weiterbildung absolvieren – ist mit mehr als 30 Prozent in Sangerhausen am höchsten. „Wir haben bereits seit Anfang der 90er-Jahre die höchste Unterbeschäftigungsquote“, sagt eine der Geschäftsführerinnen der Agentur für Arbeit in Sangerhausen, Gabriela Helbing. Die Hauptursache sei schnell gefunden, sagt sie: Bis zur Wiedervereinigung hatten in der Region im Südharz große Teile der arbeitsfähigen Bevölkerung Kupferschiefer abgebaut.

„Schon zu DDR-Zeiten war das unprofitabel“, erinnert sich Helbing, die bereits seit 1992 bei der örtlichen Arbeitsagentur arbeitet. Nach der Wende hatte der Verlustbetrieb dichtgemacht. Rund 50 000 Menschen verloren in der Region ihre Arbeit. Zwar wurden viele umgeschult, und einige arbeiteten auch eine Zeit lang in der Baubranche. Aber auch dort wurden zunächst Überkapazitäten auf- und schließlich wieder abgebaut, so dass viele erneut arbeitslos wurden. Heute gibt es keine Branche in der Region mehr, die ähnlich viele Menschen beschäftigen könnte wie zu DDR-Zeiten der Kupferschieferabbau. „Wir haben nur einen Betrieb mit mehr als tausend Beschäftigten, und nur 35 mit mehr als hundert“, fasst Helbing zusammen. Und daran wird sich in nächster Zeit offenbar wenig ändern, das sieht mittlerweile auch die Arbeitsagentur ein.

Daher empfiehlt Helbing: „Wenn Mobilität abverlangt werden kann, muss man dazu raten.“ Wegziehen oder pendeln – diesen Rat befolgen offenbar einige: Während 2004 mehr als 20 000 Einwohner aus dem Arbeitsamtsbezirk Sangerhausen gependelt seien, seien nur knapp halb so viele in den Bezirk gekommen. Die Bevölkerungszahl des Agenturbezirks sank zwischen 1995 und 2003 laut Helbing um 18 000, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank allerdings noch stärker: um gut 21 000.

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