Vier Fragen an Armin Laschet
„Der Meister der Zukunft ist Türke“

Armin Laschet (CDU) ist Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration in Nordrhein-Westfalen. Angesichts des künftigen Mangels der deutschen Wirtschaft an Azubis räumt er im Interview mit dem Handelsblatt schwere Fehler der Politik beim Thema Integration ein – wirft aber auch der Wirtschaft Versäumnisse vor.

Handelsblatt: Vor allem Migrantenkinder haben Probleme, eine Lehrstelle zu finden. Versetzt die Krise der Integration einen Dämpfer?

Armin Laschet: Nein, denn Integration ist von volkswirtschaftlicher Bedeutung. Im nächsten Jahr gibt es in Deutschland erstmals mehr über 65-Jährige als unter 20-Jährige. Gleichzeitig wächst der Anteil der Kinder mit Zuwanderungsgeschichte ständig. In NRW haben bereits 38 Prozent der Kinder bis sechs Jahre einen Migrationshintergrund, in Städten wie Berlin oder Köln ist es fast die Hälfte. Das heißt: Die Renten der älteren Deutschen werden künftig auch von Zuwandererkindern erarbeitet.

Studien zeigen geringere Bildungsmotivation bei Migrantenfamilien.

Vielfach fehlt eine Aufsteiger-Mentalität. Zudem hat Deutschland jahrzehntelang Integrationspolitik verschlafen. Wir haben in den 50ern im Ausland bewusst Bildungsferne angeworben. Einfache Arbeiten sind aber inzwischen weitgehend verschwunden. Jetzt verlangen wir von den Kindern der Gastarbeiter den Sprung in die Wissensgesellschaft, der auch vielen Deutschen schwerfällt.

Erklärt das die schlechten Deutschkenntnisse, über die viele Firmen klagen?

Wir haben nach Jahrzehnten der kollektiven Realitätsverweigerung zu spät bemerkt, dass wir Einwanderungsland sind. Hätten wir Sprachtests für Kinder und andere Integrations- und Bildungsanstrengungen schon vor zehn Jahren unternommen, könnten wir die heutigen Jugendlichen viel besser fördern.

Die Politik war zu spät …

... stimmt, aber die Wirtschaft hat sich auch nicht gekümmert, weil es lange keinen Mangel gab. Das ändert sich. Das Handwerk findet für gewisse Gewerke keine Azubis mehr. Da der Nachwuchs künftig zum Großteil aus Zuwandererfamilien kommt, müssen sie auch in Krisenzeiten ausgebildet werden. Das Handwerk hat das überspitzt auf die Formel gebracht: Der Meister der Zukunft ist ein Türke.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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