Vier Fragen an: Günter Neubauer
„Von echtem Wettbewerb keine Rede“

Günter Neubauer ist Direktor des Münchner Instituts für Gesundheitsökonomik. Dem Handelsblatt beantwortete er vier Fragen zur Privatisierung und den Wettbewerb von Krankenhäusern.

Die neuen Eigentümer stellen Kapital nur gegen Rendite zur Verfügung. Daraus ergibt sich, dass sich die Krankenhäuser am betriebswirtschaftlichen Erfolg orientieren. Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft orientieren sich dagegen sehr häufig an etwas, was ich kommunalpolitische Rendite nennen würde. Da geht es zum Beispiel um die Frage, ob ein Landrat seine potenziellen Wähler entlässt, oder sie weiter Jobs machen lässt, die man vielleicht gar nicht mehr benötigt.

Haben öffentliche Krankenhäuser im Wettbewerb mit der privaten Konkurrenz überhaupt eine Chance?

Von Wettbewerb zwischen den Krankenhäusern kann ja kaum die Rede sein. Durch die schrittweise Einführung diagnosebezogener Fallpauschalen werden lediglich die Häuser finanziell sanktioniert, deren Behandlungskosten zu weit über dem Landesdurchschnitt liegen. Auf lange Sicht will der Gesetzgeber dadurch Festpreise für Krankenhausdienstleistungen schaffen. Festpreise und Wettbewerb schließen sich jedoch aus.

Aber es gibt doch einen Wettbewerb um den Patienten?

Das stimmt wohl, aber den gibt es nur, weil in früheren Jahren durch Fehlplanungen der Länder Überkapazitäten geschaffen wurden. Die Krankenhäuser müssen heute pro Bett mehr Patienten behandeln, damit ihre Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Das können sie am besten, indem sie ihre leeren Betten mit den Patienten des Nachbarhauses füllen. Offensichtlich sind die privaten Anbieter dabei erfolgreicher, weil sie mehr investieren, dadurch besser ausgestattet sind und im Gegensatz zu den meisten öffentlichen Krankenhäusern gezielt Marketing betreiben.

Wie weit werden die Privaten ihr Geschäft ausbauen können?

Von den 65 Milliarden Euro, die in Deutschland im vergangenen Jahr für Krankenhausdienstleistungen ausgegeben wurden, entfiel etwa ein Zehntel auf die privaten Anbieter. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Anteil in den nächsten zehn bis 15 Jahren verdoppeln wird. Dabei handelt es sich aber nicht um organisches Wachstum. Die privaten werden weiter wachsen, weil die öffentliche Hand ihre Einrichtungen verkauft. Ich erwarte, dass noch fünf bis sechs Universitätskliniken privatisiert werden – dadurch werden sich die Marktanteile natürlich verschieben.

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