Vize- Chef Huber: „Will keine verbrannte Erde hinterlassen“
IG-Metall fordert 4 Prozent

Die IG Metall wird in der bevorstehenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie vier Prozent mehr Geld fordern.

HB FRANKFURT/BERLIN. Die letzten Tarifkommissionen beschlossen am Mittwoch auch für Berlin und Brandenburg eine Forderung in dieser Höhe für zwölf Monate. Der Vorstand der IG Metall wird an diesem Donnerstag in Frankfurt das Forderungsvolumen für die rund 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche endgültig festlegen. Nach den übereinstimmenden Voten der Tarifkommissionen gilt dies nur noch als Formsache. Als bundesweite Richtschnur hatte die Gewerkschaftsspitze eine Forderung von „bis zu vier Prozent“ empfohlen.

IG-Metall-Vize Berthold Huber warnte unterdessen vor einer Tarifrunde der verbrannten Erde. In einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag) sagte Huber: „Bei den Arbeitgebern gibt es welche, die Brandreden halten.“ Sein Gegenüber bei den Verhandlungen gehöre erfreulicherweise nicht dazu. „Er sieht nicht nur das Trennende, sondern sucht das Gemeinsame. Weder er noch ich wollen verbrannte Erde hinterlassen.“ Allerdings sei die IG-Metall streikfähig. „Eine Gewerkschaft, die Streik ausschließt, ist am Verhandlungstisch nichts wert. Eine Gewerkschaft, die von vornherein auf Streik setzt, ist allerdings genauso wenig wert.“ Die Wirtschaftslage sei auch „nicht gerade günstig für eine solche Zuspitzung“, sagte Huber.

Der IG-Metall-Bezirksleiter von Berlin/Brandenburg, Hasso Düvel, sagte, das Volumen von 4 Prozent werde der wirtschaftlichen Lage der Branche gerecht. Eine Erhöhung der Realeinkommen sei „absolut notwendig, denn dies wird die Kaufkraft zehntausender Privathaushalte stärken und den für 2004 prognostizierten Aufschwung zusätzlich stützen“. Der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie (VME) wies die Forderung als „nicht akzeptabel“ zurück. VME- Hauptgeschäftsführer Hartmann Kleiner sagte: „Eine solche Lohnforderung passt nicht in die Zeit.“

Größter Streitpunkt in der Metall-Tarifrunde dürfte aber die Arbeitszeit werden. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall will flexiblere Arbeitszeiten in einer Bandbreite von 35 bis 40 Stunden durchsetzen. Dies soll auf betrieblicher Ebene direkt zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat geregelt werden. Die IG Metall lehnt längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich ebenso ab wie die Verlagerung von Entscheidungen in die Betriebe. Bislang gilt in der Metall- und Elektroindustrie in Westdeutschland die 35-Stunden-Woche, in Ostdeutschland werden 38 Stunden pro Woche gearbeitet.

Die Verhandlungen auf regionaler Ebene beginnen nach Angaben eines IG-Metall-Sprechers des Bezirks Frankfurt am 8. Dezember in Thüringen. Die Metall-Arbeitgeber in Thüringen erklärten allerdings, an diesem Tag werde noch nicht über die Lohnforderung gesprochen. Die übrigen Bezirke nehmen am 15. und 16. Dezember die Tarifgespräche auf. Die Friedenspflicht endet am 28. Januar 2004. Danach darf gestreikt werden. In der Metall-Tarifrunde 2002 hatte die IG Metall Einkommenserhöhungen von 6,5 Prozent gefordert und in einem Arbeitskampf stufenweise Erhöhungen von 4,0 und 3,1 Prozent durchgesetzt.

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