Vize Dulger wird Nachfolger
Südwestmetall-Chef Roell kündigt Rückzug an

Als Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall hat Jan Stefan Roell zusammen mit IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann seit Mitte 2008 einen Tarif-Marathon absolviert: Lohnrunde, Altersteilzeit, Kurzarbeit – in kurzer Folge handelten sie gleich drei schwierige Kompromisse aus. Nach nur drei Jahren gibt der wichtigste Arbeitgeber-Verhandlungsführer der Metallindustrie nun sein Amt wieder ab.

BERLIN. Auf der Mitgliederversammlung im Juli soll sein bisheriger Vize, der Heidelberger Unternehmer Rainer Dulger, 45, zum neuen obersten Arbeitgebervertreter der Metall- und Elektroindustrie im Schlüsselbezirk Baden-Württemberg gewählt werden. Ehrenamtliche Tätigkeit sei für einen aktiven Unternehmer eben „immer nur ein zusätzliches Engagement auf Zeit“, begründete Roell heute seinen Schritt.

Die Ankündigung kam insofern überraschend, als es alles andere als ein Rückzug aus Altersgründen ist: Der Chef der Zwick Roell AG, eines Unternehmens für Mess- und Prüf-technik in Ulm, ist 54 Jahre alt. Zudem ist er seit gerade einmal drei Jahren Verbandschef. Doch das Führen eines weltweit engagierten Unternehmens mit 750 Beschäftigten lasse für ein tarifpolitisches Dauerengagement nicht genug vom Zeitbudget übrig, erläutert er. Der Termin für den Rückzug sei nun günstig, um dem Nachfolger eine angemessene Einarbeitungszeit zu lassen.

In der Tat haben die Verbandsgremien heute mit der förmlichen Annahme des jüngsten Tarifkompromisses über Entlastungen bei der Kurzarbeit und Lockerungen bei befristeten Arbeitsverhältnissen das wohl zumindest für 2009 letzte große Tarifpaket besiegelt. Die nächste reguläre Lohnrunde läuft 2010. Baden-Württemberg hat für die Metall- und Elektroindustrie mit ihren bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten stets besondere Bedeutung – wegen des wirtschaftlichen Gewichts von Autoindustrie und Maschinenbau in der Region und vor allem als tarifpolitischer Pilotbezirk.

Auch Roells designierter Nachfolger ist kein Feierabend-Unternehmer: Dulger ist geschäftsführender Gesellschafter der Prominent Dosiertechnik GmbH mit 2 100 Mitarbeitern. Die IG Metall wollte die Personalie nicht kommentieren. Sie setze aber weiterhin auf konstruktive Zusammenarbeit mit Südwestmetall, sagte ein Sprecher.

Roell, Oberstleutnant der Reserve und Vater von sechs Kindern, begann seine Karriere bei McKinsey und baute ab 1989 das Familienunternehmen Paul Roell in großen Schritten zu einem Weltmarktführer aus. Für Südwestmetall handelte er noch vor dem Wechsel an die Verbandsspitze das Entgeltrahmenabkommen Era aus, eine komplexe Strukturreform. Überhaupt steht er für tarifpolitische Tüftlerarbeit, wie die berühmte Flexibilitätsklausel im jüngsten Lohnabschluss belegt: Firmenleitung und Betriebsrat können vereinbaren, Teile der Lohnerhöhung krisenbedingt zu verschieben.

Sein Rückzug soll auch kein Ausstieg bei Südwestmetall sein, er wolle weiter im Vorstand bleiben, sagt Roell. Für die Mitgliederversammlung des Verbands im Juli hat er als Tagungsort sein Unternehmen in Ulm ausgewählt.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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