Vizechefin
Gewerkschaft warnt Engelen-Kefer

Im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) steigt vor dem am Montag beginnenden Bundeskongress die Nervosität. Die seit 1990 amtierende Vizechefin Ursula Engelen-Kefer will sich offenbar bis zur letzten Minute die Option offen halten, ihr Amt mit einer Kampfkandidatur zu verteidigen.

BERLIN. Den Plänen der DGB-Führung zufolge soll am Dienstag auf dem Delegiertentreffen in Berlin Ingrid Sehrbrock (57), derzeit im DGB-Vorstand für Bildung und Jugend zuständig, zur Nachfolgerin der 62-Jährigen gewählt werden.

Ungeachtet der Risiken einer offenen Konfrontation deutet sich bei den Chefs der Einzelgewerkschaften keine Bereitschaft an, auf Engelen-Kefer zuzugehen. Für Überlegungen, ihr eine auf zwei Jahre verkürzte Amtszeit anzubieten, scheint es keinen Rückhalt zu geben. Offiziell wird der Wechsel damit begründet, dass die promovierte Volkswirtin vor dem nächsten DGB-Kongress 2010 die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht.

„Der Kandidatenvorschlag steht, und ich bin zu keinerlei Kompromissen in irgendeiner Art und Weise bereit“, sagte Franz-Josef Möllenberg, Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) dem Handelsblatt. Als dienstältester Gewerkschaftsvorsitzender hatte Möllenberg die Findungskommission geleitet, die den Personalvorschlag für den Kongress ausgearbeitet hat.

Das von den Gewerkschaftsspitzen letztlich einhellig getragene Tableau sieht vor, dass Engelen-Kefer ebenso wie der erkrankte Heinz Putzhammer, bisher für Wirtschafts- und Tarifpolitik zuständig, ausscheidet. Dafür sollen die frühere Grünen-Politikerin Annelie Buntenbach und Claus Matecki, bisher Abteilungsleiter von IG-Metall-Chef Jürgen Peters, in den Vorstand der Dachorganisation aufrücken.

Wie real die Gefahr einer offenen Wahlschlacht ist, lässt sich kaum abschätzen. Zum einen ist unklar, ob sich von diversen Solidaritätsadressen gewerkschaftlicher Basisgliederungen für Engelen-Kefer auf eine mobilisierungsfähige Delegiertenmehrheit schließen lässt. Zum anderen hat die Betroffene eine Kandidatur lediglich nicht ausgeschlossen.

„Wenn Frau Engelen-Kefer den Showdown herbeiführen möchte, ist das zwar ihr demokratisches Recht“, sagte Möllenberg, „sie sollte aber bedenken, was dies anrichtet.“ Ein Dienst an der Gewerkschaftsbewegung sei es jedenfalls nicht, sollten auf dem Kongress Sachfragen durch einen Personalkonflikt in den Hintergrund geraten. „Ich bin bereit, das auf dem Kongress notfalls sehr deutlich anzusprechen“, kündigte er an.

Hinweise auf Nervosität liefert ein Vorgang im Zusammenhang mit der Neubesetzung des Aufsichtsrats bei der Völklinger Saarstahl AG in dieser Woche. Dort hatte Engelen-Kefer bisher ein Mandat. Nach Informationen aus dem Umfeld der Beteiligten wurde die DGB-Vize von der IG Metall unter Druck gesetzt: Sie dürfe das Aufsichtsratsmandat behalten, falls sie sich zum Verzicht auf eine Kandidatur verpflichte. Sie lehnte ab, nun rückt Sehrbrock in den Aufsichtsrat.

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