„Völlig falsche Richtung“

Siemens kritisiert Energiepolitik

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz gehe in eine völlig falsche Richtung, so Siemens-Vorstand Michael Süß. Es gehe nur noch um Finanzierungsmodelle. Als Lösung schlägt er einen radikalen Schnitt vor - so schnell wie möglich.
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Ein Windrad vor dem Hafen von Hamburg. Quelle: dpa

Ein Windrad vor dem Hafen von Hamburg.

(Foto: dpa)

BerlinDer Siemens-Konzern hat die Energiepolitik der Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel mit deutlichen Worten kritisiert: Siemens-Vorstand Michael Süß, zuständig für größte Unternehmenssparte des Konzerns - Energie -, fordert eine radikale Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). "Das bestehende EEG geht in eine völlig falsche Richtung. Es geht in Wirklichkeit gar nicht mehr um die Energie, es geht um Finanzierungsmodelle. Innovative Technologien werden derzeit gar nicht gefördert", sagte Süß der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). Er bemängelt, dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen zu langfristig, teilweise über 20 Jahre, angelegt seien.

Das EEG regelt in Deutschland die Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien und garantiert dafür feste Einspeisevergütungen.

Süß plädiert für einen radikalen Schnitt: "Ich schlage eine komplette Novelle vor, und zwar so schnell wie möglich und eventuell sogar mit einer rückwirkenden Komponente." Es müsse künftig auch eine bedarfsbezogene Einspeisung möglich sein, zudem sei eine zeitlich sehr befristete Förderung notwendig. "Eine Subvention ist gut, um etwas loszutreten. Dann aber muss sie aufhören", sagte Süß.

Siemens kritisiert auch das aus Sicht des Unternehmens herrschende Wirrwarr der Zuständigkeiten für die Energiewende innerhalb der Bundesregierung. Die deutsche Energiepolitik müsse aus einer Hand betrieben werden, sagte Süß: "Es wäre schon schlau, die gesamte Verantwortung in einem Ministerium zu bündeln, das muss ja nicht unbedingt Energieministerium heißen." Wichtig sei: "Da muss jemand die Führung haben." Derzeit sind sowohl das FDP-geführte Wirtschafts-, als auch das Umweltministerium von CDU-Minister Peter Altmaier zuständig.

Süß warnt auch vor weiter steigenden Strompreisen in Deutschland wegen der Energiewende: "Wenn wir die falsche Politik machen, dann wird der Strompreis in den nächsten zehn Jahren weiter kräftig steigen und sich vielleicht nochmals verdoppeln. Wenn wir alles richtig machen, dann wird der Strompreis zwar trotzdem steigen, aber deutlich weniger stark. Zum Nulltarif wird es die Energiewende mit Sicherheit nicht geben."

  • rtr
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13 Kommentare zu "„Völlig falsche Richtung“: Siemens kritisiert Energiepolitik der Regierung"

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  • Ich bin doch auf ihrer Seite! Mich ärgert allerdings, dass ein Vorstand eines großen Unternehmens, dass zu großen Teilen von der Energiepolitik profitiert, die Hand die sie füttert auch noch beißt?! Arroganz oder Unkenntnis oder vielleicht sogar beides?

  • Das EEG, genau wie alle anderen staatlichen Subventionen oder (Sozial-)Leistungen, stellen nur Möglichkeiten dar, um an anderer Leute Geld zu kommen. Daß das erkannt wird und gesagt wird, ist essentiell notwendig dafür, daß es sich überhaupt jemals ändern kann.

    Niemand will wirklich eine Energiewende. Die Stromkunden wollen billigen Strom - das beweist ganz klar deren Kauf-Verhalten, und zwar unverändert seit Jahrzehnten bis heute. Die konventionellen Stromerzeuger wollen so weitermachen wie früher, sie wollen Strom verkaufen. Die Betreiber der Erneuerbaren wollen in erster Linie Geld, und nur in zweiter Linie Strom erzeugen. Es geht darum, die staatlich gesicherten Transferzahlungen von den Stromkunden zu kassieren. Die Erneuerbaren sind damit ein Nutzniesser der "realen" Stromwirtschaft, sie zweigt Geld ab, erhöht damit die Preise und macht allen das Leben schwer.

    Wenn die Parteien wirklich das Volk repräsentieren wollten, dann würden sie - statt auf die Grünen und Greenpeace zu hören - den Markt entscheiden lassen. Der Markt wahr schon immer die ehrlichste Form der Abstimmung, weil dann das eigene Geld dahintersteht, und nicht nur ein illusorischer Wunsch, Öko zu sein.

  • @ Stromkunde,
    nur ein Vergleich:
    Die EEG wird von stromintensiven Stromverbrauchern nicht bezahlt, aber auf die privaten Stromkunden mit verteilt.
    Der Rückbau der Uranförderung (Wismar) hat ab ca der Wende bis 2010 ca 6,5 Mrd EURO Steuergelder gekostet.
    Im ertsen Part zahlen die privaten Stromverbraucher und im zweiten Teil die Steuerzahler.
    Warum dieser Unterschied und warum die Kostenbelastung nicht nach dem Verursacherprizip einfordern?!
    Ein Schelm wer jetzt an Seilschaften und Kungeleien denkt.

  • In Ordnung Herr Süß, ab sofort keine Einspeisevergütungen mehr für Siemens- Offshorewindkraftanlagen. Und keine Subventionen für den Netzanschluss von Offshore-Windparks! Oder wußten Sie etwa nicht, dass Siemens einer der Hauptprofiteure der Energiepolitik ist?

    Haben Sie ihre "Meinung" eigentlich mit ihrem Chef Herrn Löscher abgestimmt?! Der dürfte von ihrem Quark nicht "amused" sein!

  • Was für eine hanebüchene Verschwörungstheorie! Energieeffiziente Geräte und Autos gibt es längst, aber die Kunden kaufen sie kaum, weil sie häufig teuer sind und auch Leistungseinbußen haben.
    Noch mal zum merken: Durch das EEG finanziert der Verbraucher (sozial Schwache aber auch mittelständische Unternehmen) die hohen Renditen für die Fotovoltaikanlagen der Hausbesitzer und Bauern! Nur einige Hundert (von 100.000) Industrieunternehmen sind von der EEG-Umlage weitgehend befreit, weil sie sehr stromintensiv sind. Stromintensiv heisst noch lange nicht, dass Strom verschwendet wird, es gibt einfach Prozesse, die funktionieren nur mit viel Strom (z.B. Elektrolyse)

  • Siemens und Co. gehts nur um Profit. Die Stecken doch mit den Energiemultis unter einer Decke. Technologisch könnten die sicher schon energieeffizientere Geräte auf den Markt bringen. Das wollen die aber nicht, da sie zu sehr von den Energiemultis abhängig sind. Das ist doch wie mit den Autobauern. Wenn die wollten, gäbe es schon längst Autos, die kaum Benzin mehr benötigen und trotzdem weite Strecken schaffen. Aber das ist halt nicht gewollt, won der Energiemultimafia. Die schneiden sich doch nicht ins eigene Fleisch. Wenn jeder weniger Strom und weniger Benzin bei Autofahrten verbraucht, sacken die Gewinne nach unten und der Staat nimmt auch weniger Steuer ein. Deswegen ist der Staat hier auch nicht groß interessiert, gegen die Energiefressenden Unternehemen was zu tun. Im Gegenteil. Sie haben den Privatkonsumenten dafür bestraft, obwohl er Strom sparen muss, aber die Energieintensiven Stromfresser werden noch belohnt. Jetzt ist doch endlich der EM-Quatsch vorbei. Wann traut sich mal das Volk wieder auf die Straße?

  • Quark mit grüner Soße...

    20-jährige Garantien stellen auf Dauer angelegte Wettbewerbsverzerrungen dar (solange läßt sich die Innovationsrichtung garnicht vorhersagen...) und die Einspeisevergütung ist natürlich eine reine SUBVENTION, da weit über Marktpreis und zulasten aller anderen Stromkunden.

    Das ganze EEG ist eine Erfindung rotgrüner Symbolpolitik unter maßgeblicher Beihilfe von noch Trittin als Umweltminister (das alleine sagt schon alles....)

    Zudem subventioniert man hier indirekt (mittlerweile) mit deutschen Steuergeldern chinesische Modulimporte, obwohl das grüne Argument immer die "Schaffung deutscher Arbeitsplätze in alternativen Energietechnologien" war.

    Eine Revision ist in der Tat höchst überfällig!

  • @exlibris

    Eine Einspeisevergütung ist keine Subvention, sondern der Preis für die Abgabe des Stroms. Im Übrigen muss die Unabhängigkeit von Importen wie Öl etc. ein Kernelement eines integren Staates sein.

  • Erstens: Eine Technologie, die nur dank Subventionen überlebensfähig ist, hat sich erledigt, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht.
    Zweitesn: Die Welt wird nicht untergehen und es wird rein gar nichts damit zu tun haben, dass wir in jedes freie Flecken ein Windrädchen stecken und uns die teuersten Dächer der welt leisten.

  • Langfristig garantierte Einspeisevergütungen sind der richtige Weg.
    Sie sind deshalb erforderlich, weil das Vertragsverhältnis zwischen den Stromkonzernen und den typischerweise kleinen Firmen oder Privatpersonen unsymetrisch ist. Auf der einen Seite Konzerne mit Heerscharen von Rechtsverdrehern auf der anderen Seite "unbewaffnete" Kleinfirmen und Privatpersonen. Ohne gesetztliche Regelungen wäre es niemals möglich vernünftige Verträge zu schliessen. Die Aufforderungen von Siemens auch rückwirkend einzugreifen betrachte ich als Aufforderung zu einer Straftat.

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