„Völlig falsche Richtung“

Wirtschaftsweiser hält Koalitionsvereinbarungen für verfehlt

Der Freiburger Wirtschaftsweise Lars Feld reagiert erschrocken auf die Vereinbarungen von Union und SPD. Sie würden „in die völlig falsche Richtung weisen“. Damit meint er vor allem die Pläne für den Arbeitsmarkt.
7 Kommentare
Wirtschaftsweiser Feld: „Wenn schlechtere Zeiten kommen, fehlt die Flexibilität.“ Quelle: dpa

Wirtschaftsweiser Feld: „Wenn schlechtere Zeiten kommen, fehlt die Flexibilität.“

(Foto: dpa)

FreiburgDer Freiburger Wirtschaftsweise Lars Feld hält die Koalitionsvereinbarungen von Union und SPD für verfehlt. „Ich bin erschrocken über diese Weichenstellungen, die meines Erachtens in die völlig falsche Richtung weisen“, sagte der Direktor des Walter Eucken Instituts in Freiburg der Nachrichtenagentur dpa. „Der Arbeitsmarkt wird durch die Vereinbarungen stärker reguliert werden. Wenn schlechtere Zeiten kommen, fehlt die Flexibilität.“

Die Koalitionspartner hatten sich unter anderem auf strengere Regelungen etwa für Leiharbeit, einen Mindestlohn von 8,50 Euro und Erleichterungen bei der Rente geeinigt. Feld und seine Kollegen vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hatten bereits während der Verhandlungen vor zentralen schwarz-roten Vorhaben gewarnt.

„Die geplanten Mehrausgaben im Bundeshaushalt werden kaum ohne höhere Verschuldung oder Steuererhöhungen zu finanzieren sein“, warnte Feld. „Eine Finanzierungslücke entsteht nur dann nicht, wenn die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben und die Wirtschaft die kommenden vier Jahre brummt. Das ist mir zu viel Prinzip Hoffnung.“

Mit Sorge sieht Feld auch den geplanten Mindestlohn. „Etwa 25 Prozent der Beschäftigten in Ostdeutschland werden davon negativ betroffen sein“, warnte er. Manche Betriebe müssten möglicherweise ganz schließen. „Ein weiterer negativer Effekt ist ein deutlicher Anstieg der Schwarzarbeit.“ In der Rentenversicherung müssen die Beitragssätze nach Felds Einschätzung infolge der Rentenpläne etwa 2015 oder 2016 um einen Prozentpunkt auf 19,9 Prozent steigen.

  • dpa
Startseite

7 Kommentare zu "„Völlig falsche Richtung“: Wirtschaftsweiser hält Koalitionsvereinbarungen für verfehlt"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja, wir werden die Auswirkungen spüren, in naher Zukunft! Das ist sicher !Der Rammbock ist in Sichtweite!

    Wir erleben in den letzten Jahren eine VERLOTTERUNG in den verschiedensten Bereichen, das Arbeitsrecht+Finanzen gehören u.a. dazu !

    Es ist eine Sackgasse, in der WIR allesamt hineinfahren.

    Eine frage der ZEIT, bis sich die betroffenen zur Wehr setzten gegen eine menschenverachtende Politik und eine nicht zeitgemäße, überholte Wirtschaftsform, die nur auf Wachstum und Ausbeutung ausgelegt ist !

    Zuwenig, viel zu wenig, für die Zukunft unserer Kinder !

    Wie schon Herr Junker aus Luxenburg richtig erkannte: "Die Dämonen in Europa schlafen noch"

    Für mich der dümmste + asozialste Satz aus der Politik ist : "Sozial ist, was ARBEIT schafft"

    Auf diese Art "Arbeit" u.a. mit Steuergeld finanziert, muss verboten werden, schnellstens !

    Diese "Politik" speziell seit ROT/GRÜN, beschert uns in Zukunft und Europa eine gruselige Zeit !

    Durch Politikversagen und krimi.... Lobbyismus !



  • Herr Feld hat zu 100& recht!
    Die Wähler und die Politik haben anscheinend aus der wirtschaftliche Entwicklung bis zur Agenda 2010, die zu Massenarbeitslosigkeit führte , nichts gelernt.

    Wir alle werden die Auswirkungen spüren. Wir alle werden in fünf bis zehn Jahren das Gejammer wieder vernehmen, dass in Deutschland wohl die Arbeit ausgegangen sei.

    Und wir werden wieder Gewerkschafter mit stolzgeschwelter Brust im TV hören, wie sich sich rühmen, der gestiegenen Entlassungsproduktivität entsprechend die Löhne erhöht zu haben.

    Dann wird es vielleicht Menschen geben die verstehen, dass es besser gewesen wäre, Herrn Meier oder Frau Müller aufstocken zu lassen, als mit ALGII ohne jeden Lohn zu alimentieren.

  • " „Wenn schlechtere Zeiten kommen,...."

    Die betroffenen Arbeitnehmer der 2. und 3. Klasse haben bereits seit mehreren Jahren (seit ROT/GRÜN) schlechte Zeiten !!!

    Wer hatte bisher gute Zeiten, besser, wer hat durch diese betroffenen AN dadurch skandalös, beschämend profitiert ? Ja, durch politische Duldung !

    Einfach nur Krank, diese "Geistesblitze" vieler "LOBBY-Experten" !

  • Ich habe noch nicht erlebt, dass die sogenannten Weisen mal Recht behalten hätten. Sie korrigieren immer zur Realität. Eigentlich brauchen wir diese Lobbyisten nicht. Politik hat im Sinne der Bürger zu entscheiden, die sie gewählt haben. Und da ist der Koalitionsvertrag recht ordentlich. Der nichtsaussagende Vertrag zwischen der Union und FDP war dagegen Makulatur. Die FDP hat es mit dem Rauswurf aus der Politik bezahlt. Das wird der SPD wohl nicht passieren, weil sie in Teilbereichen die Agenda 2010 zumindest etwas korrigiert hat, auch wenn dieser Trend weitergehen muss. Die Arbeitgeberseite hat in den vergangenen 10 Jahren viele Geschenke bekommen. Nun sind auch mal die Bürger dran! Die Wahlen sagen das eindeutig aus.

  • Nichts ist bewiesen, aber immer wird behauptet, der Mindestlohn würde Arbeitsplätze abbauen.
    Durch andauernde Wiederholungen ändern sich nicht die Fakten.
    Eigentlich ist jeder Kommentar sinnlos!

  • Ich denke, dass die Kritik schon früher ansetzen muss.

    Es war nicht der Geist des Grundgesetzes, eine Koalition derart zu schließen, dass die "restliche" Opposition entrechtet wird.

    Die Überlegung, dass all das was rechtlich möglich ist auch rechtens sei, halte ich mit dem Geist des Grundgesetzes für unvereinbar.

    Hoffen wir, dass die SPD-Basis im Sinne der Väter des Grundgesetzes und der Demokratie abstimmt und nicht einem Rudel folgt, dass nur Eigennutz im Sinn von Diäten, Pensionen, Amt und Macht verfolgt. Es wäre entwürdigend für die SPD-Basis sie derart hinter die Fichte zu führen!

    Es wäre dumm zu glauben, dass das was in der Koalitionsvereinbarung niedergeschrieben ist, als "bare Münze" zu verstehen sei. Ist einmal der Koalitionvertrag geschlossen und Frau Merkel in ihrem Amt bestätigt, werden wir sie erst recht kennen lernen. Sie hat dann alle Macht und dies ohne Rechte für eine Opposition.

    Es muss einem jedem klar sein, dass dann das Gegenwort nur von der Gunst der Regierung abhängig ist.
    Es muss der SPD auch klar sein, dass die dann Rest recht am Nasenring durch die Manege geführt wird.

    Einen Vorgeschmack erlebten wir schon in der Auseinandersetzung vor laufender Kamera im Heute-Journal zwischen Herrn Gabriel und Frau Slomka, wenn Fragen aus dem Volk mit "Quatsch" bewertet werden.

  • "Manche Betriebe müssten möglicherweise ganz schließen. „Ein weiterer negativer Effekt ist ein deutlicher Anstieg der Schwarzarbeit.“"

    Werkverträge SIND Schwarzarbeit.
    Und die Differenz zwischen dem Lohn eines "normalen" Mitarbeiters und eines Leiharbeiters durch "Personalleasing" ist ebenfalls Schwarzarbeit.
    Es entzieht den Sozialkassen Beiträge und wirft sie "Vermittlern" in die Tasche.


    Diese Orakel der "Wirtschaftsweisen" sind nichts wert, Stöckchen ins Feuer werfen hat wahrscheinlich einen ähnlichen Wert.
    Dazu muss man nur in der Historie gucken was eingetroffen ist und was nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%