Volksentscheid über Zukunft des Flughafens
Streit um Tempelhof spaltet Berlin

Im Streit um den Berliner Stadtflughafen Tempelhof haben jetzt die Bürger das Wort: Am Sonntag werden die Berliner erstmals zu einem Volksentscheid gerufen. Das Volksbegehren richtet sich dabei nicht nur gegen die Flughafen-Schließung - sondern auch gegen Berlins rot-roten Senat.

BERLIN. Am Sonntag stimmen stimmen die Bürgerinnen und Bürger von Berlin darüber ab, ob Ende Oktober der Betrieb des traditionsreichen Flughafens Tempelhof im Herzen der Hauptstadt eingestellt wird. Dem Senat aus SPD und Linkspartei droht eine herbe Niederlage – zu groß ist die Sympathie der Berliner für den geschichtsträchtigen Landeplatz der US-Luftbrücke vor 60 Jahren.

Gegen die umstrittene Schließungsverfügung zugunsten des im Stadtteil Schönefeld geplanten Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) wehren sich Manager, Geschäftsleute und andere Privatflieger, die den kurzen Weg vom Rollfeld in die Stadt schätzen. Mit Blick auf die gehobene Klientel wird Tempelhof vom rot-roten Senat deshalb gerne als „Vip-Flughafen“ oder „Landebahn für Reiche“ verunglimpft. Die US-Unternehmer Ronald S. Lauder und Fred Langhammer, die in Tempelhof einen internationalen Klinikbetrieb einrichten und dabei den Flugbetrieb aufrecht erhalten wollten, wurden vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit dem Hinweis abgebürstet, dass Berlin „keinen reichen Onkel aus Amerika“ brauche.

Die Art, mit der Wowereit („Berlin ist arm, aber sexy“) die Wünsche und Pläne von Unternehmern und Investoren abweist, sorgt für Verärgerung bei Wirtschaftsleuten und im bürgerlichen Lager. „Wenn Thomas Gottschalk kommt, hat Wowereit immer Zeit“, ätzt CDU-Landeschef Friedbert Pflüger. „Für die Wirtschaftsführer aber, die Investitionen und Arbeitsplätze nach Berlin bringen, gibt es keinen Termin beim Regierenden Bürgermeister.“

Für Pflüger ist der Streit um Tempelhof ein Geschenk des Himmels. Denn neben den Privatfliegern und zahlreichen Top-Managern haben sich auch erstaunlich viele normale Bürger, ja sogar Flughafenanwohner, dem Protest gegen die Schließung angeschlossen. Von der politischen Mobilisierungskraft des Themas wurde auch der Senat überrascht.

Die Umfragen sehen bereits eine „neue Spaltung der Stadt“ – jeder zweite Berliner ist für den Weiterbetrieb. Rund 37 Prozent sind dagegen, 13 Prozent sind unentschieden. Matthias Wambach, Kampagnenleiter der Tempelhof-Befürworter, ist deshalb vom Erfolg überzeugt. Bereits 250 000 Berliner haben Briefwahl beantragt, sagt Wambach, „von den Engagierten sind die meisten für Tempelhof.“ Von den 2,4 Millionen Wahlberechtigten müsste jedoch ein Viertel, also 611 000, mit „Ja“ stimmen und dabei zugleich die Mehrheit stellen.

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