Volkswagen, Siemens, Deutsche Bank

Wirtschaftslenker würdigen Helmut Kohl

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Eon-Chef Teyssen: „Ein unbeirrbarer Politiker“

„Ich verneige mich vor Kohls Angedenken“

„Ich verneige mich vor Kohls Angedenken“

Jürgen Stark hat als Leiter des Referats Außenwirtschaft im Kanzleramt den deutschen Regierungschef Helmut Kohl auf die Gipfeltreffen mit den wichtigsten Industrienationen G7 vorbereitet. Später zog er als Staatssekretär im Finanzministerium die Fäden bei der Vorbereitung des Euro. Er habe Kohl im persönlichen Umgang als „offen und zugetan erlebt,“ sagt er. „Das mag auch an unserer ähnlichen Herkunft liegen,“ so Stark. Beide wuchsen in Weinbauregionen auf: Kohl in der Pfalz - Stark 30 Kilometer entfernt in Rheinhessen. Für Kohl habe die Einführung des Euro absolute Priorität gehabt. „Er hat sich deshalb auch für den Stabilitätspakt eingesetzt, um den Euro dauerhaft stabil zu machen,“ sagt Stark. Der Stabilitätspakt sollte die Staatsverschuldung in den Euro-Ländern begrenzen. Er wurde jedoch später unter anderem von Deutschland und Frankreich gebrochen.

Der frühere französische Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, betonte, die Europäer wüssten, „dass Kohl gleichermaßen die europäische Einigung und den Euro als Herzstück seiner historischen Vision verfolgt hat, und sind dankbar für sein visionäres Handeln.“

Kohls Leidenschaft für den europäischen Gedanken sei davon geprägt, dass er „Zweiten Weltkrieg, Unrecht, Vertreibung und Zerstörung noch am eigenen Leib erlebt“ habe, so Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). „Wir alle bleiben aufgefordert, Europa und unsere gemeinsamen Interessen in seinem Sinne weiter zu entwickeln.“ Umstritten war in Kohls Jahrzehnten als aktiver Politiker allerdings eine zuweilen enge Beziehung zu Konzernen, etwa im Flick-Skandal oder durch seine enge Freundschaft zu Medien-Manager Leo Kirch.

Die mit politischem Instinkt von Kohl rasch herbeigeführte Wiedervereinigung hat eine ökonomische Revolution im Osten des Landes ausgelöst. Die von ihm versprochenen „blühenden Landschaften“ sollten durch Milliardeninvestitionen geschaffen werden, die vor allem mit Hilfe des – heute noch von allen Deutschen gezahlten – Solidaritätszuschlags finanziert wurden.

„Die Geschichte wird den Staatsmann Kohl anhand des für Deutschland und Europa Erreichten bewerten - und nicht daran, ob die 'blühenden Landschaften' etwas länger auf sich warten ließen als gedacht“, urteilt Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. „Helmut Kohl hat bei der Deutschen Wiedervereinigung in bewundernswerter Weise Gespür für die Menschen mit Verständnis der Geschichte und dem Mut zum Neuen verknüpft. Diese Kombination braucht es gerade jetzt wieder, um die historische Chance einer europäischen Neugestaltung wahrzunehmen.“

„Sein Vermächtnis wird weiterleben“
Donald Trump
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Deutlich später als viele andere amtierende und ehemalige Staats- und Regierungschefs in aller Welt hat auch US-Präsident Donald Trump auf den Tod von Altkanzler Helmut Kohl reagiert und kondoliert. „Kanzler Kohl war den Vereinigten Staaten ein Freund und Verbündeter, während er die Bundesrepublik Deutschland durch 16 entscheidende Jahre führte“, hieß es in einer Mitteilung vom Weißen Haus am Freitagabend (Ortszeit). „Im Namen des amerikanischen Volkes spreche ich dem deutschen Volk, der Familie und den Angehörigen des ehemaligen Kanzlers Helmut Kohl mein tiefstes Beileid aus“, sagte Trump der Mitteilung zufolge. Kohl sei nicht nur der Vater der deutschen Wiedervereinigung gewesen, sondern auch ein Verfechter für Europa und das transatlantische Verhältnis, hieß es weiter. Die Welt habe von seinem Weitblick und seinen Anstrengungen profitiert. „Sein Vermächtnis wird weiterleben.“

Helmut Kohl mit Angela Merkel
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Man werde noch lange bewundern, wie entschlossen Kohl und seine Mitarbeiter die Gunst der Stunde zur Vereinigung genutzt hätten, sagte die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend in Rom über ihren Amtsvorgänger. „Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens. Helmut Kohl ist damit zu einem Glücksfall für uns Deutsche geworden.“

Kohl habe auch ihren Lebensweg als DDR-Bürgerin entscheidend verändert, sagte Merkel. „Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat.“ Er sei zudem ein Modernisierer der CDU gewesen. Merkel hatte die Nachricht von Kohls Tod während ihrer Reise nach Rom erhalten. Dorthin war die Kanzlerin für eine Privataudienz bei Papst Franziskus am Samstag geflogen. Merkel rief umgehend die Witwe Maike Kohl-Richter an.

Jürgen Stark, früherer Berater von Helmut Kohl und EZB-Chefvolkswirt
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„Ich habe Helmut Kohl im persönlichen Umgang als offen und zugetan erlebt. Das mag auch an unserer ähnlichen Herkunft liegen. Wir beide kommen aus Weinbauregionen. Er ist Pfälzer und ich bin 30 Kilometer von seinem Heimatort entfernt in Rheinhessen groß geworden. Für ihn hatte die Einführung des Euro absolute Priorität. Er hat sich deshalb auch für den Stabilitätspakt eingesetzt, um den Euro dauerhaft stabil zu machen. Bei Gipfeltreffen war er ein hochgeschätzter Gesprächspartner. Er war kompromissbereit, aber auch in der Lage sich zu korrigieren. Zum Beispiel hat er zunächst dem französischen Wunsch entsprochen, die erste Amtszeit des EZB-Präsidenten zwischen Wim Duisenberg und Jean-Claude Trichet zu teilen.“

Sigmar Gabriel
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„Es ist ein wirklich großer Deutscher und vor allem ein großer Europäer gestorben.“

Frank-Walter Steinmeier
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Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte am Abend die Verdienste des gestorbenen Altkanzlers für die Wiedervereinigung und den Zusammenhalt Europas. „Es ist ihm gelungen, die deutsche Einheit im friedlichen Einvernehmen und in guter Partnerschaft mit unseren europäischen Nachbarn zu erreichen. Ihm verdanken wir, dass Deutschland als europäische und geeinte Nation bestätigt und damit die „Deutsche Frage“ beantwortet wurde“, schrieb Steinmeier laut Präsidialamt an die Witwe.

Steinmeier fügte mit Blick auf die deutsche Einheit hinzu: „Sein politischer Instinkt, seine große Erfahrung und seine herausragende Begabung, Vertrauen bei unseren Nachbarn und Partnern zu gewinnen, haben ihn dazu befähigt, eine einmalige historische Chance zu erkennen und sie mit Entschlossenheit zu ergreifen.“

Vladimir Putin
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Kremlchef Wladimir Putin hat Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl als einen „prinzipiellen Verfechter freundschaftlicher Beziehungen“ zwischen Berlin und Moskau gewürdigt. „Ich hatte das Glück, persönlich mit Helmut Kohl sprechen zu können“, schrieb Putin am Freitagabend in einem Beileidstelegramm an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel. „Ich habe seine Weisheit bewundert und seine Fähigkeit, fundierte, zukunftsweisende Entscheidungen auch in schwierigsten Situationen zu treffen.“ 

Mit dem Namen dieses herausragenden Menschen seien die wichtigsten Ereignisse der modernen deutschen Geschichte verbunden, teilte der Kreml in Moskau mit. Kohl habe eine Schlüsselrolle bei der Beendigung des Kalten Krieges und der deutschen Wiedervereinigung gespielt.

Emmanuel Macron, französischer Staatspräsident
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„Wegbereiter des vereinten Deutschlands und der deutsch-französischen Freundschaft: Mit Helmut Kohl verlieren wir einen sehr großen Europäer.“

„Helmut Kohl war ein streitbarer und besonders unbeirrbarer Politiker“, sagt Eon-Vorstandschef Johannes Teyssern. „Ohne seine Entschlossenheit hätte auch die Energiewirtschaft in den neuen Bundesländern nicht so schnell modernisiert werden können – saubere Energie und Erdgas statt ineffizienter Braunkohle und Stadtgas. Das Wohnen in den Städten und Dörfern wurde so lebenswerter.“

Der frühere Chef des Gaskonzerns Wintershall und heutige CEO des österreichischen Ölkonzerns OMV, Rainer Seele, meint: „Das Ableben von Helmut Kohl sollte uns auch daran erinnern, dass Europa wieder mehr Gemeinschaftlichkeit in seinem Sinne braucht."

„Deutschland – ein kollektiver Freizeitpark“
22. Juni 1993
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„Meine Lebenserfahrung nach fast elf Jahren in der EG: Wenn irgendwo Geld gebraucht wird, wendet man stumm den Blick auf die Deutschen.“

Kohl vor Journalisten am 22. Juni 1993 auf dem EG-Gipfel in Kopenhagen

Menschlichkeit der Gesellschaft
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„Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht.“

Kohl im Mai 1998

Vergleich mit Goebbels
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„Er ist ein moderner kommunistischer Führer, der sich auf Public Relations versteht. Goebbels, einer von jenen, die für die Verbrechen der Hitler-Ära verantwortlich waren, war auch ein Experte in Public Relations.“

Kohl in einem Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin „Newsweek“ im Oktober 1986 über Michail Gorbatschow

Keine neue Republik
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„Wir gehen nach Berlin – aber nicht in eine neue Republik.“

Kohl im Juli 1999 in Anspielung an die sogenannte Bonner Republik

Sie und Du
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„You can say you to me.“

Kohl zu Margaret Thatcher – nichtwissend, dass das englische You das höfliche Sie und das Du gleichermaßen bedeutet.

Gnade der späten Geburt
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„Ich rede vor Ihnen als einer, der in der Nazizeit nicht in Schuld geraten konnte, weil er die Gnade der späten Geburt und das Glück eines besonderen Elternhauses gehabt hat.“

Kohl am 24. Januar 1984 in einer Rede vor der Knesset in Israel

Wahlkampf wie ein Marathonlauf
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„Wahlkampf ist ein Marathonlauf. Es kommt nicht darauf an, wer auf den ersten Metern vorn liegt, sondern wer am Schluss gewinnt.“

Kohl in einem Zeitungsinterview 1998

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