Deutschland
Volkswirte sehen noch keine Trendwende

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Oktober nach Angaben überraschend deutlich gesunken - saisonbereinigt um 12000 zum Vormonat.

HB BERLIN. Die ersten Reaktionen der Volkswirte:

Peter Meister, ING BHF-Bank: „Die Zahlen kamen wie in den Vormonaten besser als erwartet, was aber noch kein Effekt einer verbesserten Konjunkturlage ist. Es geht weitgehend auf die Auswirkungen des Programms „Fordern und Fördern“ zurück. Arbeitslose, die keine Berechtigung auf Arbeitslosenunterstützung haben, melden sich ab und fallen so aus der offiziellen Statistik raus. Dies ist ein Effekt, den wir schon seit einigen Monaten haben und der uns auch in den folgenden Monaten noch begleiten dürfte.

Es handelt sich noch nicht um eine tatsächliche Wende am Arbeitsmarkt. Allerdings gibt es eine Bewegung hin zur Selbstständigkeit wie durch die Ich-AGs. Dies ist einerseits positiv, weil es besser ist als arbeitslos zu sein. Aber man muss vorsichtig sein und erst einmal abwarten, wie viele sich am Markt halten werden. Die Prüfung in den Arbeitsämtern ist sehr gering, also ist es eher eine Art der Subventionierung.“

Manuela Preuschl, Deutsche Bank „Im Prinzip sind die Zahlen nah an unserer Schätzung eines Rückgangs der bereinigten Arbeitslosenzahl um 10 000. Das passt im Augenblick einfach in mein Weltbild am Arbeitsmarkt. Einerseits dämpfen die Reformmaßnahmen den Anstieg der Arbeitslosen. Andererseits dürften sich auch die Perspektiven einer wirtschaftlichen Aufhellung positiv ausgewirkt haben. Der Druck bei Unternehmen, Leute freizustellen, wird abnehmen, da die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung wächst.

Man kann aber noch nicht von einer Trendwende am Arbeitsmarkt sprechen. Darunter wäre das Anspringen der Beschäftigung zu verstehen. Davon nun schon auszugehen, wäre aber verwegen, da wir uns noch am Anfang der Erholung befinden. Erstmals wird der Arbeitsmarkt nun seitwärts tendieren. Mit einem allmählichen Anziehen rechne ich im Laufe des ersten Quartals 2004 oder in der ersten Hälfte des kommenden Jahres.“

Andreas Rees, Hypo-Vereinsbank: „Das Ausmaß des Rückgangs ist für uns überraschend, besonders weil es schon im Vormonat einen Rückgang gab. Die Zahlen täuschen aber etwas vor, was nicht da ist. Es gibt noch keine Erholung am Arbeitsmarkt. Ein Grund für den Rückgang waren die Ich-AGs. Die könnten den Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten zwar noch weiter entlasten - vielleicht bis zum Jahresende - aber dann wird das Pendel zurückschwingen. Nicht alle Gründungen der Ich-AGs werden erfolgreich sein und diese werden dann im kommenden Jahr zu einer zusätzlichen Belastung am Arbeitsmarkt.

2004 wird nicht ein Jahr mit geringerer Arbeitslosigkeit, im Gegenteil. Wir rechnen im Jahresschnitt mit 4,5 Mill. Arbeitslosen. Das Wachstum ist einfach noch zu gering. Bis sich die Strukturreformen deutlich bemerkbar machen, wird es noch dauern. Die Erfahrungen von Thatcher und Reagan in Großbritannien und den USA haben gezeigt, dass Reformen auf jeden Fall einige Jahre brauchen, bis sie zu einem spürbaren und nachhaltigen Rückgang führen.“

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