Volkswirte zweifeln am Paradigma der Inflationssteuerung – Preisblasen an Vermögensmärkten befürchtet
Konsens in der Geldpolitik wackelt

Unter Volkswirten greift die Sorge um sich, dass die bei vielen Notenbanken verbreitete geldpolitische Strategie der Inflationssteuerung Fehlentwicklungen an den Finanz- und Immobilienmärkten begünstigt.

FRANKFURT/M. „Das Paradigma der Inflationssteuerung ist auf dem absteigenden Ast, aber ein Nachfolger ist noch nicht gefunden“, sagte Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, auf der Sitzung des Expertengremiums EZB-Schattenrat Ende vergangener Woche. Eine ganze Reihe vor allem deutscher Mitglieder des Gremiums teilen diese Skepsis gegenüber der vorherrschenden Lehre.

Dem EZB-Schattenrat gehören 18 prominente europäische Ökonomen aus Banken, Hochschulen und Forschungsinstituten an. Er trifft sich regelmäßig vor den zinspolitischen Sitzungen des EZB-Rats und spricht eine Zinsempfehlung aus.

Inflationssteuerung beruht darauf, dass die Zentralbank ein Inflationsziel setzt und ihren Leitzins tendenziell anhebt, wenn ihre Inflationsprognose ein Überschießen des Inflationsziels wahrscheinlich erscheinen lässt. Im umgekehrten Fall senkt sie den Leitzins.

Die Bank von England verfolgt diese Strategie in Reinform. In der US-Notenbank gibt es eine intensive Diskussion darüber, nach dem Abgang von Chairman Alan Greenspan zu dieser Strategie überzuwechseln. Nach den Prognosen der Schattenratsmitglieder, die sich mit denen des EZB-Stabs und anderer Organisationen weitgehend decken, wird die Inflationsrate von zuletzt 2,5 Prozent im nächsten Jahr wieder unter zwei Prozent zurückgehen. Wegen der schlechten Arbeitsmarktlage erwartet die große Mehrheit der Experten auf mittlere Sicht keinen zunehmenden Preisdruck aus einer Preis-Lohnspirale.

Dennoch empfehlen Mayer und vier weitere Mitglieder des Schattenrats der EZB eine sofortige Zinserhöhung, weil sie auf Grund des seit Jahren übermäßigen Wachstums von Geldmenge und Kreditvergabe eine Aufblähung von Wertpapierkursen und Immobilienpreisen befürchten.

„Die hohen Kurse von Aktien, Immobilien und Renten machen mir zunehmend Sorgen“, sagte Mayer. Zudem seien die Renditeaufschläge riskanter Anlagen extrem niedrig geworden“, fügte er hinzu.

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