„Von allen Regierungen verschleiert“
Wie teuer war die Einheit wirklich?

Die Bundesregierung hat die Darstellung „Unfug“ zurückgewiesen, wonach die bisherigen Kosten der Wiedervereinigung deutlich höher sind als bislang bekannt. Angebliche Ausgaben von 1,5 Billionen Euro fußten auf „Fantasiezahlen“, die durch Wiederholung nicht richtiger würden, sagte der für den Aufbau Ost zuständige Verkehrsminister Manfred Stolpe am Sonntag in Berlin.

HB BERLIN. Der SPD-Politiker reagierte auf Angaben des Leiters des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder. Dieser hatte in der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ erklärt: „Alle Bundesregierungen haben versucht, die Kosten der Vereinigung zu verschleiern, wohl um eine Neiddebatte zu verhindern.“

Stolpe nannte die Berechnung „unseriös und unredlich“. Es werde anfach alles zusammenaddiert, was aus den Kassen des Bundes, der West-Länder und der Sozialversicherung an die neun Länder gezahlt worden sei. Einiges werde vermengt. Komplett fehle in der Diskussion, dass die Menschen in den ostdeutschen Ländern über ihre Steuer- und Beitragszahlungen sowie Renten- und Krankenkassen „an der Finanzierung dieses gigantischen Betrages beteiligt“ gewesen seien.

Richtig sei vielmehr, dass sich die reinen Sonderleistungen für den Osten im Zeitraum 1990 bis 2003 auf etwa 15 Milliarden Euro jährlich belaufen: „Alles andere ist schlicht Unsinn.“

"Wohlstandssprung" von drei Jahrzehnten innerhalb weniger Jahre

Klaus Schroeder, Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, hatte die Kosten der Wiedervereinigung auf 1,5 Billionen Euro beziffert. Allein in der Rentenversicherungen seien nach Schroeders Berechnungen 11 Milliarden Euro mehr von West nach Ost geflossen als bislang gedacht. "Alle Bundesregierungen haben versucht, die Kosten der Vereinigung zu verschleiern, wohl um eine Neiddebatte zu verhindern", sagte Schroeder. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle war in einer Berechnung vor kurzem auf eine Summe von 1,2 Billionen Euro an Bruttotransferkosten gekommen.

Schroeder kommt dem Bericht zufolge zu dem Ergebnis, dass die ostdeutschen Haushalte materiell sehr viel besser dastehen als häufig angenommen. Zu Beginn der Vereinigung hätten sie kaufkraftbereinigt auf dem Niveau eines durchschnittlichen westdeutschen Haushalts am Ende der Fünfziger Jahre gelegen. Mitte der Neunziger seien sie dann auf dem westdeutschen Niveau von 1992 angelangt gewesen. Das bedeute einen "Wohlstandssprung" von drei Jahrzehnten innerhalb weniger Jahre.

Auch die Geldvermögen hätten binnen kurzer Zeit gewaltig aufgeholt: Die ostdeutschen Geldvermögen seien 1990 ein Fünftel so groß wie die westdeutschen gewesen, heute seien sie bei mehr als der Hälfte angekommen.

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