Von Berlin nach Hamburg
Bahn-Umzug wird zum Kabinetts-Thema

HB BERLIN. „Die Bundesregierung ist im Gespräch mit der Bahn“, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Sonntag. Er bestätigte damit einen Bericht des „Tagesspiegels“ (Montag). „Die Gespräche werden Anfang der Woche fortgesetzt und intensiviert.“ Außerdem werde das Thema am Dienstag im Kabinett besprochen. Über die Haltung der Bundesregierung wurde nichts bekannt. Der Bahnkonzern erwägt, mit seiner Zentrale von Berlin nach Hamburg umzuziehen.

Er sagte auf dem SPD-Landesparteitag: „Wenn Herr Mehdorn die Koffer gepackt haben will, dann sollten wir ihn davon nicht abhalten. Aber die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bleiben in Berlin.“ Wowereit sagte, der Senat habe alles getan, damit sich das bundeseigene Unternehmen in der Hauptstadt wohlfühle. „Es kann nicht sein, dass sich der Bund als Eigentümer so auf der Nase herumtanzen lässt.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dürfe sich Mehdorns Pläne nicht gefallen lassen.

Die Berliner FDP kritisierte Wowereit. „Wowereit ist eine Schlafmütze und Wirtschaftssenator Harald Wolf kann sein Geschäft nicht“, sagte Fraktionschef Martin Lindner der „Berliner Zeitung“ (Samstag). Der CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer warf Wowereit vor, sich nicht frühzeitig um das Problem gekümmert zu haben.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sah in dem möglichen Umzug sogar Vorteile für die Hauptstadt. Gute Betriebsergebnisse würden dem Bund als Eigentümer helfen, sagte er der „B.Z. am Sonntag“. Davon wiederum profitiere auch das Land Berlin. Er rechtfertigte die Entscheidung, Wowereit nicht über die Geheimverhandlungen mit Mehdorn informiert zu haben: „Sie müssen verstehen, dass derartige Verhandlungen zunächst einmal vertraulich geführt werden“. Er sei aber bereit, „die Position zu erläutern, wenn es in Berlin gewünscht wird.“

Die Bahn ist Mieter im Bahn-Tower am Potsdamer Platz und schließt eine vorzeitige Kündigung nicht aus. „Erfahrungsgemäß kann man einen solchen Vertrag auch früher beenden, wenn es notwendig wird“, sagte Bahnsprecher Werner W. Klingberg der „B.Z.“. Die Bahn verhandelt außerdem über eine stufenweise Beteiligung an der mehrheitlich landeseigenen Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA), einem der wichtigsten Umschlagbetriebe im größten deutschen Seehafen.

Offen blieb weiterhin, warum sich die Bahn aus der Hauptstadt verabschieden will. „Berlin und die Bahn sind nicht die besten Freunde“, sagte ein Mitglied des Bahn-Aufsichtsrats der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). In den vergangenen Wochen hatte es unter anderem Streit um den Bahnhof Zoo gegeben, den die Bahn vom Fernverkehr abkoppeln will. Aus Kreisen der Konzernspitze hieß es der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge nun, jetzt könne Berlin einmal darüber nachdenken, „wie man große Unternehmen vernünftig behandelt“.

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