0 Bewertungen
24.01.2007 
Gesetzliche Nachbesserungen

Von der Leyen plant härtere Strafen für Freier

Die Bundesregierung will Sex mit Zwangsprostituierten unter Strafe stellen. Gleiches soll für Freier gelten, die mit unter 18-Jährigen käuflichen Sex haben. Von bis zu bis zu fünf Jahren Haft ist die Rede. Ziel sei ein besserer Schutz von Prostituierten.

Lupe

HB BERLIN. „Wer Zwangsprostituierte oder Opfer von Menschenhandel zur Prostitution ausnutzt, der muss dafür strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden“, sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen nach einer Kabinettssitzung in Berlin. So soll mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden können, wer von der Prostitution unter 18-Jähriger profitiert. Derzeit liegt die Altersgrenze bei 16 Jahren.

Die CDU-Politikerin berichtete dem Bundeskabinett, das von der rot-grünen Vorgängerregierung angestoßene Prostituiertengesetz aus dem Jahr 2002 habe den Betroffenen kaum geholfen. Der Zugang zur Sozialversicherung sollte ermöglicht, die Begleitkriminalität zurückgedrängt, gesundheitliche Gefährdung von Prostituierten abgebaut und der Ausstieg aus der Prostitution erleichtert werden. „Das Gesetz hat sein Ziel kaum erreicht“, sagte von der Leyen.

„Der Ausstieg aus der Prostitution ist unser wichtigstes Ziel“, betonte die Ministerin. Die Betroffenen sollen es künftig leichter haben, in Qualifizierungsmaßnahmen und Förderprogramme zu kommen. Prostituierte dürften nicht mehr ins Dunkelfeld abgedrängt werden.

Auch seien härtere Strafen erforderlich: „Wer Zwangsprostituierte oder Menschenhandelsopfer zur Prostitution ausnutzt, muss dafür strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.“ Über den Strafrahmen werde derzeit gesprochen. Darüber hinaus soll der strafrechtliche Schutz von Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch durch Prostitution erheblich verbessert werden. „Unter 18 Jahren läuft nichts“, sagte von der Leyen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Nicht nur die Werbung ist enthemmter geworden, sondern auch die Freier brutaler“

„Prostitution ist kein Beruf wie jeder andere“, betonte die Ministerin. Arbeitsvermittlung rund um die Prostitution müsse auch weiterhin ausgeschlossen bleiben. „Wer ausbeuterische Vermietung für Prostituierte betreibt, muss genauso streng bestraft werden können, wie jemand, der ausbeuterische Arbeitsbedingungen für Prostituierte festlegt.“

Gemeinsam mit den Bundesländern soll geprüft werden, wie das Gewerberecht verändert und eine Genehmigungspflicht für Bordelle eingeführt werden kann. „Für jedes Bierzelt braucht man eine Genehmigung, aber ein Bordell kann man ohne Erlaubnis betreiben, das ist nicht akzeptabel“, erklärte die CDU-Politikerin.

Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) erklärte, sich auf die Strafbarkeit der Freier von Zwangsprostituierten zu beschränken und den Schutz von Minderjährigen zu verbessern, reiche nicht aus. „Wir brauchen wieder die Strafrechtslage, wie sie vor dem Prostitutionsgesetz war.“ Von der Leyen erklärte, sie lehne es ab, die alleinige Förderung der Prostitution wieder unter Strafe zu stellen.

Der frauenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Johannes Singhammer, betonte, das Gesetz müsse überarbeitet werden, da es seine Wirkung verfehlt habe. „Nicht nur die Werbung ist enthemmter geworden, sondern auch die Freier brutaler.“

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Irmingard Schewe-Gerigk, erklärte, von der Leyen habe Befürchtungen entkräftet, dass eine unionsgeführte Bundesregierung Prostituierte zurück in die Illegalität treiben würde. Bayern wolle sie wieder kriminalisieren und behaupte, das Gesetz habe nichts gebracht. „Kein Wunder, da dort das Gesetz nicht einmal ansatzweise umgesetzt ist.“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Konjunkturbeschleuniger verzweifelt g...

    Konjunkturbeschleuniger verzweifelt gesucht

    Wie soll die schwächelnde Konjunktur wieder angekurbelt werden? Im Umfeld der Bundesregierung kursieren die unterschiedlichsten Modelle. Den Stein der Weisen hat aber noch keiner gefunden. Fakt ist: Dem bereits geschnürten ersten Wachstumspaket soll ein zweites folgen....Bildergalerie 

  • Die Säulen der thailändischen Gesells...

    Die Säulen der thailändischen Gesellschaft

    Nation, Monarchie und Religion sind die drei Eckpfeiler, die den Rahmen der thailändischen Gesellschaft bilden. Die Stärke und Tragkraft der thailändischen Gesellschaft resultiert aus der Tragkraft dieser drei Säulen. Es ist der einzige Staat der dem Kolonialismus trot...Bildergalerie 

  • Thailands Flughäfen geräumt

    Thailands Flughäfen geräumt

    Aufatmen für Hunderttausende Touristen: Die thailändischen Regierungsgegner haben die Blockade der internationalen Flughäfen beendet. Bilder vom - zumindest vorübergehenden - Ende einer Krise.Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Den Nullzins vor Augen  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 07:05 Uhr von Nobert Häring

Wenn die Welt in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit abgleitet, muss die Wirtschaftspolitik Gewohnheiten aus normalen Zeiten hinterfragen. Das gilt auch für die Geldpolitik. Innerhalb weniger Wochen haben sich die Perspektiven für Inflation und Wachstum dramatisch verändert. Da ist das übliche Finetuning der Zinsen in kleinen Schritten nicht mehr sinnvoll. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Letztes Aufgebot  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 05:19 Uhr von Helmut Hauschild

Vor allzu viel deutscher Euphorie sei tgewarnt. Die aktuelle Personalrochade könnte ein kurzes Hurra für die Bundesregierung sein. Kommentar