Von-der-Leyen-Vorstoß
Internet-Notruf gegen Amokläufe im Gespräch

Als Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen die Schaffung von Anlaufstellen im Internet angeregt, bei denen Jugendliche Warnsignale für solche Taten rasch melden können. Linkspartei und Grüne forderten eine striktere Begrenzung des privaten Waffenbesitzes.

HB BERLIN. Es gehe um so etwas wie den Notruf 110 für das Netz, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch in einer aktuellen Stunde des Bundestags. Viele Täter kündigten ihre Pläne in Chatrooms an oder ließen zumindest Warnsignale erkennen. Bisher gebe es jedoch keine Anlaufstelle, bei der gleichaltrige Chatpartner solche Vorboten eines Amoklaufs melden könnten. Von der Leyen räumte allerdings auch ein, dass der Schütze von Winnenden seine Tat entgegen ersten Angaben der Ermittler vermutlich nicht im Internet angekündigt hatte.

Linkspartei und Grüne forderten eine striktere Begrenzung des privaten Waffenbesitzes. Die Zahl von bis zu 40 Mio. Schusswaffen im Privatbesitz in Deutschland müsse drastisch reduziert werden, verlangte Petra Pau von der Linkspartei. Es solle keine unzumutbaren Repressionen gegen Sportschützen oder Jäger geben. Niemand könne aber erklären, warum jemand für sein häusliches Wohlbefinden 16 Schusswaffen und mehr horte. Zu Beginn der aktuellen Stunde gedachten die Abgeordneten der Opfer von Winnenden. Auch im baden-württembergischen Landtag gab es am Vormittag eine Gedenkminute.

Die Warenhauskette Kaufhof will als Reaktion auf den Amoklauf alle Computer- und Videospiele aus dem Verkauf nehmen, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind. Auch alle Filme ohne Jugendfreigabe sollten aus den Regalen verschwinden, sagte eine Kaufhof-Sprecherin dem Magazin „Focus“. Kritik kam vom Branchenverband der Computer- und Videospielindustrie (BIU). „Ich finde es wirklich bedenklich, dass Kaufhof damit jedem Erwachsenen sein Recht auf Unterhaltung beschneidet“, sagte BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters dem Magazin. Mit dem Verkaufsstopp schieße Kaufhof über das Ziel hinaus.

Eine Mehrheit der Deutschen will unterdessen einer Umfrage zufolge den Besitz von Waffen und Munition in Privathaushalten ganz untersagen. 59 Prozent der Befragten seien für ein solches Verbot, ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ und des Senders RTL. Vor allem bei den Wählern von SPD, Grünen und Linken stoße eine Gesetzesverschärfung auf Zustimmung.

Der 17-jährige Tim Kretschmer hatte am Mittwoch voriger Woche bei einem Amoklauf nahe Stuttgart 15 Menschen getötet, ehe er sich selbst erschoss. Nach bisherigen Ermittlungsergebnissen benutzte er eine Pistole, die er seinem Vater entwendet hatte. Zur zentralen Trauerfeier am Samstag in Winnenden werden neben Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler bis zu 100 000 Gäste erwartet.

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