Von der Leyens Berggruen-Connection
Karstadt-Krise bringt Merkel-Vertraute unter Druck

Die Karstadt-Übernahme durch Nicolas Berggruen könnte für Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zum Problem werden. Die SPD will von der Vertrauten der Kanzlerin konkret wissen, welche Rolle sie damals spielte.
  • 5

BerlinIn der Krise des angeschlagenen Warenhauskonzerns Karstadt gerät nun auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in die Schusslinie. Die SPD verlangt von ihr und Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen Auskunft über die Begleitumstände bei der Übernahme der Warenhauskette. Berggruen hatte den Karstadt-Konzern 2010 aus der Insolvenz übernommen und war damals auch von den Arbeitnehmern als Retter gefeiert worden.

„Die Ministerin für schöne Bilder und der Milliardär mit weisen Vorschlägen zur Rettung der europäischen Jugend sollten offenlegen, ob und unter welchen Bedingungen sich Frau von der Leyen für Berggruens Einstieg eingesetzt hat“, sagte der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA), Klaus Barthel (SPD), Handelsblatt Online. „Außerdem müssen alle Mitglieder der Bundesregierung, allen voran die Bundesarbeitsministerin, solange gemeinsamen Aktivitäten und Bilder auf irgendwelchen Jugend- und Zukunftskongressen verweigern, bis der Groß-Nicht-Investor seiner eigenen unternehmerischen Verpflichtung nachkommt.“

Von der Leyen gilt als engste Vertraute der Bundeskanzlerin. Diese betraute sie frühzeitig mit wichtigen Parteiaufgaben und holte sie schließlich ins Bundeskabinett. Die frühere Bundesfamilienministerin sei dort eine "Stütze", sagte Angela Merkel einmal. Als Arbeitsministerin hatte sich von der Leyen einst massiv für einen Karstadt-Einstieg von Investor Berggruen eingesetzt. Doch nun wird immer deutlicher, dass sich die Politikerin von dem Milliardär und seinen Karstadt-Plänen hat blenden lassen. Bei der Übernahme vor drei Jahren versprach Berggruen, Arbeitsplätze zu erhalten und die Filialen zu modernisieren.

Im Sommer 2012 kündigte Karstadt dann allerdings den Abbau von rund 2000 Stellen bis 2014 an. Davon wurden schon rund 1850 durch Frühpensionierung, freiwilligen Austritt, natürliche Fluktuation und Nichtverlängerung befristeter Arbeitsverträge eingespart. Insgesamt arbeiten rund 22.000 Menschen bei Karstadt.

Karstadt-Chef Andrew Jennings hatte dann kürzlich vor einem schwierigen Geschäft für sein Unternehmen in diesem Jahr gewarnt und einen weiteren Stellenabbau nicht ausgeschlossen. Für Empörung sorgte bei den Beschäftigten zudem die Absage an die Tarifbindung. Verdi hatte mit Protestaktionen begonnen, zuletzt machten sich Karstadt-Beschäftigte in Hamburg für Flächentarifverträge stark.

Ebenfalls kritisch gesehen wird, dass Berggruen zunächst versicherte, eine Einlage von 65 Millionen zur Rettung des Warenhauses zu erbringen. Doch dann stellte sich heraus, dass dies nur ein Darlehen gewesen war, das er sich kurz nach der Übernahme zurückzahlen ließ.

Seite 1:

Karstadt-Krise bringt Merkel-Vertraute unter Druck

Seite 2:

"Karstadt wird ein aufregendes Leben haben"

Seite 3:

Bundesregierung am Zug

Kommentare zu " Von der Leyens Berggruen-Connection: Karstadt-Krise bringt Merkel-Vertraute unter Druck"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • typisch deutsche Debatte! Karre ist im Dreck, Von der Leyen sorgt für Übernahme im Ganzen anstatt nur den kleinen profitablen Teil unter Verlust tausender Arbeitsplätzen weiterführen zu lassen, was unternehmerisch sicher sinnvoller gewesen wäre. Und nun bewirft man die resolute Dame wahlkampftaktisch ebenfalls mit Dreck, und verlangt dem üblichen Vollkaskowunsch des deutschen Arbeiters sicherzustellen!!! Hallo, ihr Job war getan! Verdi unterstützt es sicherlich die grundsätzlich schlechten reichen Menschen per Vermögenssteuer abzukassieren. Dafür gibt es Beifall!!! Bergruens werden sich dann zehnmal überlegen sich Vermögen in D zuzulegen. Merke hätte er das Eisen nicht angefasst, wären heute noch Alsterhaus und KDW übrig und alle anderen Arbeitsplätze weg. Der Laden war platt, und das Geschäftsmodell in Zeiten von Amazon mehr als überholt! Verdi sollte lieber bei der Umstrukturierung fachkompeten zur Seite stehen, aber haben die Sanierer ?

  • Kann mir mal jemand sagen wie das mit Frühpensionierung geht.
    Ich bin mit einer Abfindung ausgeschieden, bin 59 und bekomme wohl keine Job mehr. ich muss schauen wie ich mich bis 63 über Wasser halte und wie ich meine Private Krankenversicherung bezahlen kann.
    Nach welchen Kriterien wird den das ganze entschieden.
    Es ist ja schon sehr schwer, wenn man noch nicht einmal weiß ob es bei dem jetzigen Renteneintrittsalter bleibt und Menschen über 50 auf dem Arbeitsmarkt keine Chancen haben.
    Wann wird endlich ein klares Konzept und Verlässlichkeit von der Politik ausgesandt, damit man weiß wo man dran ist.
    Kann sich denn keiner für gleiches Recht für alle einsetzen. Sollte es sich bei der Bundesministerin auch wieder um undurchsichtige Machenschaften handeln, wäre das Ende der Fahnenstange bald erreicht, und die Regierung sollte endlich die Konsequenzen ziehen.

  • Berggruen ist ein Schwätzer. Das einzige was der kann ist Bella Figura, kein großes Kunststück mit dem ererbten Bankkonto

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%