Von Einheitsschulen und Ganztagsbetreuung
Diskussion um Bildung geht weiter

Nach der scharfen Kritik der OECD am deutschen Bildungssystem haben SPD- und Grünen-Politiker ein Ende des dreigliedrigen Schulsystems gefordert. Der Wirtschaftsexperte der Bündnisgrünen Fritz Kuhn ist der Ansicht, dass für Bildung und Forschung mehr Geld ausgegeben werden muss. CDU-Chefin Angela Merkel setzt in der Diskussion auf den Ausbau von Ganztagsschulen.

HB BERLIN. „Wir wollen zu einem Schulsystem kommen, wo die Kinder neun bis zehn Jahre zusammenbleiben, aber in diesem Rahmen stärker individuell gefördert werden“, sagte die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Krista Sager, der „Berliner Zeitung“ laut Internet-Ausgabe vom Mittwoch. Der Thüringer SPD-Chef Christoph Matschie sagte dem Blatt: „Das dreigliedrige Schulsystem passt eher zu einer mittelalterlichen Ständeordnung als zu einer modernen Gesellschaft.“ Die Kultusministerin von Schleswig-Holstein, Ute Erdsiek-Rave (SPD) kündigte an, ihre Partei werde mit diesem Thema in die Landtagswahl 2005 ziehen.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat mehr Investitionen ins deutsche Bildungssystem und den Ausbau der Ganztagsschulen gefordert. „Wir müssen endlich wieder investieren in das Bildungssystem“, sagte Merkel am Mittwoch im RBB-Inforadio. Insgesamt gelte in Deutschland: „Zu große Klassen, zu wenig Fokus auf die Grundschulen.“ Außerdem gebe es „zu wenig Schulstunden“. Deshalb müsse die Ganztagsschule ausgebaut werden. Dazu gehöre auch die Versorgung mit Mittagessen.

Der Wirtschaftsexperte der Grünen, Fritz Kuhn, hat mehr Geld für Bildung und Forschung gefordert. „Ich bin der Meinung, dass wir in der Forschungs- und Wissenschaftspolitik spürbar zulegen müssen“, sagte der frühere Parteichef der „Stuttgarter Zeitung“ (Mittwoch).

Kuhn warf der Bundesregierung vor, sie habe sich auf dem EU-Gipfel in Lissabon zwar verpflichtet, in acht Jahren drei Prozent des Sozialprodukts für Wissenschaft und Forschung auszugeben, dieses Ziel jedoch nicht konsequent verfolgt. Der SPD-Bildungsexperte Peter Glotz hingegen warnte in einem Beitrag für die Münchner „Abendzeitung“ (Mittwoch) vor „Untergangsrhetorik“. Glotz sagte: „Wenn wir so schlecht wären, wie manche tun, könnten wir nicht Exportweltmeister sein.“

Die Bertelsmann Stiftung mahnte vor allem größere Anstrengungen in der frühen Bildung von Kindern an. Kindergärten und Grundschulen müssten besser gefördert werden, sagte der Präsidiumsvorsitzende der Stiftung, Prof. Heribert Meffert. Auch die Industrie forderte, mehr in die Bildung zu investieren.

Nach Ansicht von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sollten sich die Länder ein Beispiel am Bund nehmen, dessen Bildungshaushalt zuletzt stetig gestiegen sei. Die Gewerkschaft für Erziehung und Bildung (GEW) machte die Kultusminister der Länder für den Abstieg verantwortlich.

Nach einer am Dienstag vorgestellten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) „Bildung auf einen Blick“ ist der Wirtschaftsstandort Deutschland bedroht, weil das Land zu wenig für Bildung ausgibt, seine Schüler unzureichend fördert und zu wenig Akademiker hervorbringt. Der zuständige Koordinator kritisierte fehlende Investitionen in den Ländern, verkrustete Schulstrukturen, zu große Klassen und zu wenig Unterricht. Deutsche Schüler lernen in erheblich größeren Klassen als in erfolgreichen Nationen und haben deutlich weniger Unterricht - bei den Sieben- bis Achtjährigen pro Jahr 160 Stunden weniger als im OECD-Schnitt.

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