Von Herzog bis Rau
Hintergrund: Die „Berliner Reden“ der Bundespräsidenten

Am 26. April 1997 hielt der damalige Bundespräsident Roman Herzog mit seiner „Ruck“-Rede die erste „Berliner Rede“. Bundespräsident Johannes Rau setzte diese Tradition fort.

HB BERLIN. Historischer Anlass der von der Hauptstadt-Marketing-Gesellschaft „Partner für Berlin“ initiierten „Berliner Rede“ ist der 27. April 1920. An jenem Tag entstand auf Beschluss der preußischen Landesversammlung Groß-Berlin.

Bundespräsident Johannes Rau setzte diese Reihe fort. Doch anders als sein Vorgänger, der nach seiner „Ruck-Rede“ prominenten Gastrednern den Vortritt ließ, ergriff Rau immer selbst das Wort und äußerte sich jedes Jahr zu aktuellen Themen. Für seine Auftritte wählte Rau Orte, die einen Bezug zum Inhalt seiner Rede hatten:

2000: Seine erste „Berliner Rede“ am 12. Mai 2000 widmete Rau im „Haus der Kulturen der Welt“ dem Zusammenleben von Deutschen und Ausländern. Lange bevor die Bundesregierung ein jetzt vom Scheitern bedrohtes Zuwanderungsgesetz auf den Weg brachte, setzte er sich unter dem Titel „Ohne Angst und Träumereien - Gemeinsam in Deutschland leben“ mit den Chancen und Problemen einer Einwanderungsgesellschaft auseinander.

2001: Das wichtige und mit Emotionen beladene Thema der Bio- und Gentechnologie machte Rau in der Berliner Staatsbibliothek zum Thema seiner zweiten Rede. Unter der Überschrift „Wird alles gut? Für einen Fortschritt nach menschlichem Maß“ setzte er deutlich andere Akzente als Bundeskanzler Gerhard Schröder und zog ethische Grenzen in einem Bereich, wo wissenschaftlich-technisch fast alles möglich geworden schien.

2002: Im Museum für Kommunikation setzte sich Rau mit der Frage auseinander, welche politischen Handlungsmöglichkeiten im Zeitalter immer stärkerer wirtschaftlicher und kultureller Vernetzung bestehen. Unter der Überschrift „Chance, nicht Schicksal - die Globalisierung politisch gestalten“ prangerte er die wachsende soziale Ungleichheit an und betonte, dass Menschen nicht so mobil seien wie Kapital.

2003: Vor einem Jahr machte Rau erstmals die Außenpolitik zum Thema. Auf der Bühne des traditionsreichen Maxim-Gorki-Theaters in Berlin-Mitte widmete er seine Rede „Gemeinsam handeln - Deutschlands Verantwortung in der Welt“ den Akteuren der Weltpolitik. Vor dem Hintergrund der Irak-Krieges warnte er vor einer Gewöhnung an militärische Interventionen.

2004: In seiner letzten „Berliner Rede“ wenige Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit befasst sich Rau mit der Glaubwürdigkeitskrise in Politik und Gesellschaft. Als Ort seiner Rede „Vertrauen in Deutschland - Eine Ermutigung“ wählte er erstmals seinen Amtssitz Schloss Bellevue, den er am 30. Juni verlässt.

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