Vor dem Aufstellungs-Parteitag
Hauen und Stechen in der CSU

In der CSU-Landesgruppe herrscht zunehmend Unruhe. Denn mancher Abgeordnete muss vor der angestrebten Neuwahl um seine politische Zukunft fürchten. Am 22. Juli soll es beim Aufstellungs-Parteitag in München zum Showdown kommen.

HB MÜNCHEN. Es ist keineswegs ausgemacht, dass die Christsozialen bei der für den Herbst geplanten Bundestagswahl wieder die Rekordzahl von 15 Listenabgeordneten unter den 58 CSU - Parlamentariern nach Berlin schicken können wie 2002. Vielerorts ist deshalb ein heftiges Hauen und Stechen um die besten Startplätze ausgebrochen.

Traditionell besonders begehrt ist bei der CSU ein eigener Wahlkreis, weil man damit das Ticket nach Berlin praktisch schon in der Tasche hat. So gingen bei der letzten Bundestagswahl 43 der 44 bayerischen Wahlkreise direkt an die "Schwarzen" - nur in München Nord konnte sich Axel Berg von der SPD durchsetzen. Allerdings haben bisher nur zwei der 58 CSU-Abgeordneten erklärt, aus Altersgründen ausscheiden zu wollen und damit ihren Platz freiwillig für einen Jüngeren zu räumen: Wolfgang Zeitlmann (63) aus Rosenheim und der ehemalige Postminister Wolfgang Bötsch (66) aus Würzburg.

Andernorts versuchen Listenkandidaten, eingesessenen Platzhirschen ihr Revier streitig zu machen. So kommt es nach Angaben aus der Partei in diesen Wochen voraussichtlich in fünf Wahlkreisen zu einer Kampfkandidatur - ein für die harmoniegewohnte CSU ziemlich einmaliger Vorgang.

Wer bei der Basis als Direktkandidat abblitzt, ist auf einen guten Listenplatz angewiesen - und hier wird die Sache noch komplizierter, denn jetzt kommt höhere Mathematik ins Spiel. "Im schlechtesten Fall könnten wir bei gleichem Wahlergebnis vier Listenkandidaten weniger ins Parlament bringen", sagt ein CSU-Wahlexperte.

"Intervenierende Variable" ist beispielsweise das Abschneiden der neuen Linkspartei. Je stärker sie wird, umso mehr Sitze kostet das die etablierten Parteien. Schließlich spielt das Ergebnis eine wichtige Rolle: Nur ein Punkt weniger als die 58,6 Prozent von 2002 bedeutet gleich auch ein Mandat weniger.

Unumstritten ist vorerst nur der erste Fünfer-Block der Landesliste, der auch auf dem Wahlzettel stehen wird. Neben Spitzenkandidat Edmund Stoiber sollen das CSU-Landesgruppenchef Michael Glos, Sozialexperte Horst Seehofer, Frauenvertreterin Maria Eichhorn und voraussichtlich der bayerische Innenminister Günther Beckstein sein.

Für die "reinen" Listenkandidaten ist dann besonders spannend, ob Stoiber und Beckstein im Falle eines Wahlsiegs nach Berlin gehen - oder wie letztes Mal auf ihr Mandat verzichten. Denn die Plätze der beiden sind - wie es im Parteijargon heißt - "listenschädlich": Weil sie nicht durch einen eigenen Wahlkreis abgesichert sind, würden sie einen echten Listenplatz in Anspruch nehmen.

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