Vor dem entscheidenden Gewerkschaftstag
Kaum Rückhalt für Hück in IG Metall

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hat in der IG Metall am Montag keinen Rückhalt für eine mögliche Kampfkandidatur gegen den designierten IG-Metall-Chef Jürgen Peters gefunden. Selbst Hücks eigener Verband in Stuttgart versagte ihm wenige Tage vor dem entscheidenden Gewerkschaftstag am Wochenende in Frankfurt die Unterstützung.

Reuters FRANKFURT. „Wir halten das nicht für eine hilfreiche Personaldiskussion“, erklärte die einflussreiche Verwaltungsstelle Stuttgart, zu der die Betriebsräte der Autokonzerne DaimlerChrysler und Porsche sowie des Zulieferers Bosch gehören. Auch die Bezirke Küste und Nordrhein-Westfalen, die Peters ebenfalls kritisch gegenüber stehen, erteilten Hück eine Absage. Hück will bis Mittwoch über eine Kandidatur entscheiden, die er vom Rückhalt aus dem Reformerlager um Peters' designierten Stellvertreter Berthold Huber abhängig macht.

"Kampfkandidatur könnte Huber schaden"

In Kreisen der baden-württembergischen IG Metall wird unterdessen befürchtet, dass Hück mit einer Kandidatur ausgerechnet Huber schaden könnte. „Das ist doch klar, dass Huber dann in seinem Wahlgang die Quittung für ein schlechtes Ergebnis von Peters bekäme, nach dem Motto: „haust du meinen Mann, hau ich deinen'“, hieß es. Dann ginge die neue Führung der IG Metall angeschlagen an die Arbeit. Alle Versuche Hubers, Hück das Vorhaben auszureden, seien bisher aber gescheitert.

Die Stuttgarter Verwaltungsstelle der IG Metall distanzierte sich offen von dem Vorstoß Hücks: „Er hat nicht die Unterstützung der IG Metall Stuttgart“, sagte ein Sprecher. „Ich gehe davon aus, dass sich das bis Mittwoch erledigt hat“.

Hück hatte sich aus Ärger über die Personalpolitik von Peters selbst als Gegenkandidat ins Gespräch gebracht. Am Sonntag soll die Spitze der IG Metall auf einem vorgezogenen Gewerkschaftstag in Frankfurt neu gewählt werden. Die mit 2,6 Millionen Mitgliedern größte Industriegewerkschaft war im Frühsommer nach der Streikniederlage in Ostdeutschland in eine schwere Führungskrise geraten. Die Kluft zwischen den Reformern um Huber und dem traditionellen Flügel um Peters riss weiter auf. Ende Juli einigten sich die beiden Rivalen auf einen Kompromiss: Peters sicherte Huber zu, nur vier Jahre an der Spitze der IG Metall zu bleiben, um dann den Weg für Huber frei zu machen. Zudem einigte man sich auf die Besetzung des Vorstands.

"Kandidaten in Frankfurt stehen fest"

Der Peters-kritische IG Metall-Bezirk Küste in Hamburg hält nach den Worten eines Sprechers wenig von einer neuen Auseinandersetzung. „Wir beteiligen uns nicht an solchen Spekulationen. Für die Wahl der Führungsspitze am kommenden Wochenende stehen die Kandidaten fest“, sagte Sprecher Daniel Friedrich. „Ich empfehle allen, einen Neustart der IG Metall und die Arbeit an den Sachproblemen nicht durch eine erneute Personaldebatte zu belasten“, warnte auch der Huber nahe stehende Bezirksleiter in Nordrhein-Westfalen, Peter Gasse. Auch der Bezirk Frankfurt erklärte, man rechne nicht mit einer Kampfkandidatur.

VW-Konzernbetriebsratschef Klaus Volkert, der Mitglied im IG-Metall-Vorstand ist, sagte, Hück solle nicht „irgendwelchen schlechten Gerüchten nachgehen“. Hück hatte Peters in einem „Spiegel“-Interview vorgeworfen, Leute seines Vertrauens im Vorstand platzieren zu wollen und damit Absprachen zu brechen. Huber und Peters hatten sich in einer gemeinsamen Vereinbarung verständigt, politische Schritte künftig abzustimmen. Außerdem soll das auf der Vorstandssitzung im April in Dresden vereinbarte Personaltableau gelten, wonach der geschäftsführende Vorstand auf sieben Mitglieder verkleinert wird. In diesem Gremium verfügt Huber über fünf und Peters über zwei Vertrauensleute. Deshalb wird seit längerem spekuliert, Peters könnte auf dem Gewerkschaftstag am Wochenende in Frankfurt versuchen, weitere Anhänger im Gremium zu platzieren.

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