Vor der Bundestagswahl
Trittin holt die Pädophilie-Affäre ein

Der Politologe Franz Walter erforscht im Auftrag der Grünen die Pädophilie-Verstrickungen der Partei. Ein Ergebnis: Jürgen Trittin hat 1981 ein Wahlprogramm unterzeichnet, das auch das Thema Sex mit Kindern anspricht.

BerlinIn der Pädophilie-Debatte um die Vergangenheit der Grünen rückt nun deren Spitzenkandidat Jürgen Trittin in den Fokus. Trittin habe 1981 presserechtlich das Kommunalwahlprogramm einer Liste in Göttingen verantwortet, das Sex zwischen Kindern und Erwachsenen unter bestimmten Bedingungen straffrei stellen wollte, schrieben die Politologen Franz Walter und Stephan Klecha in einem Beitrag für die Tageszeitung „taz“. Dieses habe dafür geworben, gewaltfreie sexuelle Handlungen zwischen Kindern und Erwachsenen straffrei zu lassen. Trittin bestätigte Walters Angaben und äußerte sein Bedauern.

Walter war im Mai von den Grünen mit der Aufklärung der Pädophilie-Verstrickungen in der Frühzeit der Partei beauftragt worden. Nach seinen Erkenntnissen war Trittin unter dem damaligen Kommunalwahlprogramm der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste (AGIL) als eines von fünf Mitgliedern der Schlussredaktion aufgeführt. Nur hinter Trittins Namen stehe das Kürzel V.i.S.d.P. – die Abkürzung für „Verantwortlich im Sinne des Presserechts“. Trittin war damals Student und Göttinger Stadtratskandidat.

Die AGIL plädierte laut Walter in dem Wahlprogramm für eine strafrechtliche Freistellung von sexuellen Handlungen zwischen Kindern und Erwachsenen, die ohne Anwendung und Androhung von Gewalt zustande kamen.

„Franz Walter beschreibt die Sachlage zutreffend“, sagte Trittin der „taz“. Nicht nur die Grünen seien in ihrer Gründungsphase als Partei dem organisierten Druck von Interessensgruppen ausgesetzt gewesen, die den Missbrauch von Kindern legalisieren wollten. „Dies war in der Göttinger AGIL eher noch ausgeprägter. Es war gerade ihr Selbstverständnis, die Forderungen einzelner Initiativen – in diesem Fall der Homosexuellen Aktion Göttingen – eins-zu-eins zu übernehmen“, sagte Trittin.

Diesen falschen Forderungen sei die AGIL nicht energisch genug entgegengetreten. „Dies ist auch meine Verantwortung. Und dies sind auch meine Fehler, die ich bedauere.“

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt nahm ihren Mitstreiter in Schutz. Dem Ko-Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl sei seinerzeit nicht bewusst gewesen, dass er 1981 als Verantwortlicher für die Veröffentlichung eines Kommunalwahlprogramms aufgeführt gewesen sei, sagte Göring-Eckardt am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“.

Göring-Eckardt sagte mit Blick auf die bei den Grünen seinerzeit mehrfach vertretene Forderung nach Straffreiheit für sexuelle Handlungen mit Kindern, es sei für sie eine „nach wie vor unvorstellbare Geschichte“, dass so eine Diskussion stattgefunden habe. Sie sei „sehr froh“ darüber, dass die Grünen mit dieser Phase inzwischen abgeschlossen hätten. Inzwischen verhalte sich die Partei bei der Frage von Gewalt gegen Kindern und Kindesmissbrauch „wirklich ein-eindeutig“.

Führende Unionspolitiker forderten den Grünen-Spitzenkandidaten zum Rückzug aus dem Wahlkampf auf. „Trittin muss seine Spitzenkandidatur ruhen lassen“, sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt am Montag zu „Focus Online“.

Parteichef Cem Özdemir sagte am Montag in Berlin, die Veröffentlichung zeige, dass die Grünen mit der Bitte an Walter den richtigen Schritt getan hätten. „Wir wollten ja jemanden, der absolut unabhängig ist.“ Özdemir: „Er macht es so, dass er keine Rücksicht nimmt, auch nicht auf einen Wahltag. Das ist richtig so“, sagte er. „Alles muss aufgearbeitet werden.“ Das gelte auch über die Grünen hinaus.

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