Vor Landtagswahlen
FDP legt in Umfragen zu, Piraten weiter auf Kurs

Die FDP ist im Aufwind. Laut einer neuen Umfrage könnte die Partei sowohl in NRW als auch in Schleswig-Holstein den Einzug in den Landtag schaffen. Für die Piraten wird das kein Problem sein.
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BerlinDie FDP kann bei den Wahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein auf den Wiedereinzug in den Landtag hoffen. Erstmals erreichen die Liberalen an Rhein und Ruhr mit ihrem Spitzenkandidaten Christian Lindner in einer Umfrage die Fünf-Prozent-Marke. In Schleswig-Holstein liegt die Partei sogar deutlich darüber: Laut ARD-Erhebung kommt die FDP hier auf sechs Prozent, das ZDF-Politbarometer sieht sie bei sieben Prozent.

Im Bund kann sich die Partei allerdings bislang nicht aus ihrem Popularitätstief befreien. In der ZDF-Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen liegt sie unverändert bei drei Prozent. Auch gelingt es Parteichef Philipp Rösler trotz des Karlsruher Parteitages nicht, Boden gutzumachen. Im Politiker-Ranking erreicht er mit Minus 1,6 Prozent einen neuen Negativ-Rekord.

Die Länder-Umfragewerte sorgten bei den Wahlkämpfern für neuen Optimismus. „Das ist eine hervorragende Nachricht für die Freunde der Freiheit in Nordrhein-Westfalen“, sagte der aus Bünde stammende Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler. In NRW lag die FDP vor Wochen noch bei zwei Prozent, laut einer Emnid-Umfrage für das Magazin „Focus“ sind es inzwischen fünf Prozent.

In Schleswig-Holstein, wo eine Woche vor NRW abgestimmt wird, führen Wahlforscher den nach oben zeigenden Trend vor allem auf das positive Image des Spitzenkandidaten Wolfgang Kubicki zurück, der in der Bevölkerung bekannter sei als die Kandidaten von CDU und SPD.

Wechselnde Stimmung in Schleswig-Holstein

Trotz der Wechselstimmung im nördlichsten Bundesland reicht es für eine rot-grüne Koalition aber bislang nicht. Die SPD erreicht laut ARD 32 Prozent, die CDU auf 30 Prozent. Die Grünen liegen bei 13 Prozent. Das ZDF-Politbarometer sieht CDU und SPD mit je 31 Prozent gleichauf und die Grünen bei 12,5 Prozent. Die Piraten schaffen es in beiden Erhebungen auf neun Prozent, die Linken würden mit 2,5 Prozent den Wiedereinzug in den Kieler Landtag deutlich verfehlen, wenn am Sonntag gewählt würde.

Der Südschleswigsche Wählerverband SSW erreicht vier Prozent (ZDF) beziehungsweise 4,5 Prozent (ARD). Da er von der Fünf-Prozent-Klausel ausgenommen ist, könnte der SSW bei der Mehrheitsbildung im Landtag eine entscheidende Rolle spielen. Er hat sich für ein Bündnis mit Rot-Grün ausgesprochen. Neben einer großen Koalition sind aber rechnerisch auch andere Drei-Parteien-Bündnisse möglich, bei denen CDU oder SPD jeweils mit Grünen und der FDP koalieren müssten.

Knappe rot-grüne Mehrheit IN NRW

In Nordrhein-Westfalen kann laut Emnid Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) mit einer knappen rot-grünen Mehrheit rechnen. 38 Prozent wollten für die SPD stimmen, 32 Prozent für die CDU, zehn Prozent für die Grünen, neun Prozent für die Piraten und fünf Prozent für die FDP, berichtete „Focus“. Die Linken verpassen mit vier Prozent den Wiedereinzug.

Bundesweit kommt die Union laut ZDF auf 35 Prozent, die SPD auf 29 Prozent, die Grünen auf 14 Prozent. Die Linke schafft mit sechs Prozent knapp den Wiedereinzug. Während die FDP mit drei Prozent nicht wieder im Bundestag vertreten wäre, würden die Piraten aus dem Stand neun Prozent schaffen.

Die Landtagswahlen im Mai gelten als Schicksalswahlen für FDP-Chef Rösler. Dass die Partei in beiden Ländern besser liegt als im Bund, ist nach Ansicht des Parteienforschers Gerd Langguth aber nicht verwunderlich. Auf Landesebene seien die Menschen eher bereit, als Experiment der FDP ihre Stimme zu geben. Im Bund hingegen gehe es für sie um mehr. Außerdem sei die Wahl dort noch weit weg. Lindner und Kubicki seien zudem sehr bekannt und anerkannt, sagte Langguth zu Reuters.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @Mollemop
    Vielleicht gelingt es der Wissenschaft, Hitler, Stalin, Mao, Neo oder Caligula zu klonen, dann hätten die Dumm-Deutschen wieder neue Wahlkanditaten, denen sie auch gerne ihre Stimme gäben.

  • Wähler bekommt man über Ängste. Das zeigt doch ganz deutlich die Presse bezogen auf die Piraten. Ängste gegen andere schüren, die vermeintliche Sicherheit vermitteln, und das in Personen gepackt, die einen Führungsanspruch vermitteln. Für mich ist, und war die FDP immer eine "Personenpartei", ein Zünglein an der Waage, ein Mehrheitsbeschaffer der sich quasi die Koalitionspunkte passend zum Zeitgeist raussuchen konnte. Liberal ist ja alles, und was nicht paßt, wird passend gemacht. Ein paar Stimmen hier und da, die Folge von Versprechungen, man muß nur an die Gaststätten denken. Was passiert aber? Eine Eckkneipe nach der anderen macht zu.
    Aber viele Stimmen kommen aus Stammkneipen.
    Mal sehen, wen, nicht was, die FDP da noch so aus dem Hut zaubert.

  • >> Oder etwa doch?

    Diese Woche hat Günther Verheugen diesen Gedanken im Zeitzeugengespräch des DLF artikuliert: Die Existenz der FDP als "liberale" Partei ist essentiell, weil das die Liberalen in den anderen Parteien den Rücken stärkt.

    Da ist "was dran". Die FDP wird ja von denen, die nur die letzten 30 Jahre mitbekommen haben, gerne mit der Partei Lambsdorff's oder Westerwelle verwechselt - glücklicherweise sind ja die Namen derer, die in den 60ern so die FDP repräsentierten und eher "nationalliberal" <hüstel> waren - vergessen.

    Aber die interessante "historische Schicht", das ist die FDP der 70er, nicht weil sie da mit der SPD koalierten (mit wem denn sonst, es gab ja keine anderen), sondern weil diese Schicht tatsächlich den Freiheitsbegriff hochhielten und ihn gegen das technokratische Verständnis von Politik der Schmidt-SPD verteidigten.

    Wenn das heute in der FDP jemand macht ("Schnarri" zB.), dann schmeckt der gelangweilte Polit-Konsument sofort den HautGout von "Marketing" heraus und fragt sich, wo's gerade "lecker Essen" gibt, sieht "junges Gemüse" und wechselt halt das Lokal.

    Oder, auch das, der weniger gelangtweilte ahnt so etwas wie Sturheit, Kampf um Stimmen ... und, ahem, das geht ja nun wirklich nicht, wo wir doch alle angeblich Harmonie ... am besten die "Große Koalition" ... wünschen. Wo kommen wir denn da hin im Reiche Merkel, wenn irgendwas mal nicht "alternativlos" ist, oder gar "strittig".

    So ist halt die Postmoderne, wir sehen die Zeichen aber wir verstehen ihre Bedeutung nicht mehr. Sähen wir sie, wären alle froh, eine FDP, die sich um die Freiheit und nicht um Steuersenkungen kümmert, wäre im Parlament.

    Diese Lobbytruppe gerade, das ist nicht die FDP. Das sind dumme Jungs, da kann man ja gleich die Piraten wählen, wenn man auf so was steht.

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