Vorhalten von Kapazitäten: Bund enttäuscht die Kraftwerksbetreiber

Vorhalten von Kapazitäten
Bund enttäuscht die Kraftwerksbetreiber

Berlin enttäuscht die Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken: Zahlungen für das Bereithalten von Kapazitäten soll es kaum geben. Den von der Branche favorisierten Modellen erteilt das Wirtschaftsministerium eine Absage.
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BerlinDie Bundesregierung enttäuscht die Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken: Zahlungen für das Bereithalten von Kraftwerkskapazitäten soll es nur in stark begrenztem Umfang geben. Das geht aus einem Eckpunktepapier des Bundeswirtschaftsministeriums hervor, das dem Handelsblatt (Freitagausgabe) vorliegt. Die Regierungsfraktionen wollen die Eckpunkte bereits am kommenden Samstag beraten.

Den von der Branche favorisierten umfassenden Kapazitätsmarkt-Modellen erteilt das Wirtschaftsministerium damit eine Absage. Stattdessen soll es zur Absicherung in extremen Engpasssituationen eine knapp bemessene Kapazitätsreserve geben, die, so heißt es in dem Papier, als „Hosenträger zum Gürtel“ fungiere.

Das Ministerium legt sich darauf fest, die Versorgungssicherheit allein durch eine Fortentwicklung des bestehenden Strommarktes sicherzustellen. In dem Papier heißt es, Gutachten und umfangreiche Konsultationen hätten gezeigt, dass der Strommarkt in der Lage sei, „ausreichend gesicherte Leistung und Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wenn sich Investoren darauf verlassen können, dass die Politik nicht direkt oder indirekt in die Preisbildung am Großhandelsmarkt eingreift“. Ergänzend hieß es in Regierungskreisen, man wolle die Zusicherung, dass die Politik nicht in die Preisbildung eingreife, über eine entsprechende Bestimmung im Energiewirtschaftsgesetz absichern.

Die Bundesregierung will noch vor der Sommerpause eine Reihe wichtiger energiepolitische Entscheidungen treffen. Sie betreffen das Design des Strommarktes, die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), den Klimaschutz im Kraftwerkssektor und den Netzausbau.

Das Eckpunktepapier zeigt, dass sich die Bundesregierung jetzt auch ganz offiziell von dem Ziel verabschiedet, den KWK-Anteil an der Stromerzeugung bis 2020 auf 25 Prozent anwachsen zu lassen. Die 25 Prozent sollen künftig nur noch an der thermischen Stromerzeugung gemessen werden. Thermische Kraftwerke sind solche Anlagen, bei denen der Strom aus einer Wärmequelle erzeugt wird, also Kohle- oder Kernkraftwerke. Die Modifikation des KWK-Ziels ist ein herber Rückschlag für die Stadtwerke, die stark auf die gekoppelte Produktion von Wärme und Strom setzen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Vorhalten von Kapazitäten: Bund enttäuscht die Kraftwerksbetreiber"

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  • @ Marc Hofmann,
    "Und bei der Sonnenfinsternis haben uns auch mal wieder die Kraftwerke rausgehauen."
    Unbeschadet von Kraftwerksstillegungen "Ja" oder "Nein"; Fotovoltaik liefert selbst bei diffuser Witterung Strom.

  • Und bei der Sonnenfinsternis haben uns auch mal wieder die Kraftwerke rausgehauen. Ohne den Ausgleich der Kraftwerke -also OHNE UNSERE Kraftwerke = Volksvermögen- hätte es KEINEN STROM mehr im Netz gegeben.

  • Zum Schluss wird irgendeiner die Insolvenz der Kraftwerke-Konzern zahlen müssen. Das wird der Bund und damit Steuerzahler sein.
    Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge (Energiewende), dann der Betrug/Selbstbetrug (EEG), danach der Mangel (Energie-Einsparzwang) und zum Schluss die Armut (unbezahlbare Strompreise bei mangelhafter Stromversorgung).

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