Vorschlag aus Brüssel: Keine Grenzen für Giga-Liner?

Vorschlag aus Brüssel
Keine Grenzen für Giga-Liner?

An den sogenannten Gigalinern scheiden sich die Geister: Sind die überlangen Laster eine Gefahr für Mensch und Umwelt - oder gut fürs Klima? Nach einem Vorschlag der EU-Kommission kommt der Streit wieder in Fahrt.
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BrüsselGroßer Streit um große Lastwagen: Der Vorschlag aus Brüssel, Gigaliner künftig über Ländergrenzen fahren zu lassen, stößt auf Widerstand. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas präsentierte am Montag in Brüssel seinen Richtlinienvorschlag, wonach die bis zu 25,25 Meter langen Laster künftig eine Grenze innerhalb der EU passieren dürfen - sofern die beiden betroffenen Mitgliedsstaaten einverstanden sind. Gegner der „Monster-Trucks“ sehen darin einen ersten Schritt zur EU-weiten Einführung der Lang-Lkw, Kallas lediglich eine Präzisierung der geltenden Regeln.

„Es ist und bleibt Sache der Mitgliedstaaten, größere Lastwagen im Straßenverkehr zu erlauben oder nicht“, betonte Kallas. „Niemand wird gezwungen, seine Haltung zu ändern.“ Die bislang geltende Richtlinie erlaubt den innerstaatlichen Einsatz der Gigaliner. Kallas und EU-Parlament waren uneinig, ob sie auch grenzüberschreitende Fahrten zulässt. Mehrere Grenzen zu überqueren bleibt aber tabu.

Derzeit lassen Schweden und Finnland die Riesen-Laster zu, in den Niederlanden und Dänemark laufen Versuche. In Deutschland dürfen sie seit Anfang 2012 auf bestimmten Straßen fahren. An dem Versuch beteiligen sich sieben Bundesländer: Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. 39 Lang-Lkw sind nach Angaben des Verkehrsministeriums in Deutschland angemeldet.

EU-Parlament und Mitgliedstaaten müssen dem Entwurf noch zustimmen. Doch EU-Abgeordnete protestieren: „In Wahrheit versucht die Kommission damit den Einstieg in eine EU-weite Einführung“, sagte Michael Cramer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, zu dpa Insight EU. Der Druck auf andere Staaten sei groß nachzuziehen. Auch der SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug warnte: „Unsere Infrastruktur ist einfach nicht für Gigaliner gemacht.“

Umweltschützer befürchten, dass künftig mehr Fracht auf der Straße statt mit dem Zug transportiert wird und die Treibhausgasemissionen steigen. Befürworter halten dagegen, ein Lang-Lkw sei besser fürs Klima als mehrere kleinere Laster.

Lob für den Kommissionsvorschlag gab es aus der Autobranche. „Der grenzüberschreitende Einsatz von Lang-Lkw ist ein pragmatischer Schritt, um die Leistungsfähigkeit und Effizienz des Güterverkehrs in Europa weiter zu steigern“, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit.

In Deutschland schwelt der Streit um Gigaliner seit Jahren. Spediteure klagen über eine zerrissene Landkarte, weil sich nur sieben Bundesländer am laufenden Feldversuch beteiligen. Und nicht mal die stehen geschlossen hinter den langen Lastern: Die SPD-geführte Landesregierung Schleswig-Holsteins unterstützt den Gigaliner-Versuch nicht. Das Land hat sich einer Verfassungsklage Baden-Württembergs angeschlossen, die den Testlauf stoppen soll.

Ausstieg ist derzeit aber keine Option. Der Versuch sei in seiner jetzigen Form gesetzlich fixiert, daran halte man sich, sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums in Kiel. Die im Mai 2012 abgewählte CDU/FDP-Landesregierung hatte den Test unterstützt. Auch die im Januar gewählte rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen lässt den Test weiterlaufen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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    Für Lang-Lkw bestehen klare Grenzen. So dürfen sie z.B. ÜBERHAUPT NICHT überholen,wogegen normale Lkw dabei sehr viel Freiheit haben. Da die Maximallast bei 44 Tonnen liegt, die auf mehrere Achsen verteilt werden, werden die Straßen weniger geschädigt als bisher, aber es können mehr Waren mit einer Fahrt transportiert werden. Eine andere Sache ist, dass die meisten dt. Tunnel mit Millionen Steuergeldern umgerüstet werden müssten, um den Brandschutz zu gewährleisten.
    'Schuld' daran, dass solche Fahrzeuge überhaupt zur Debatte stehen ist die allgemeine deutsche Kaufsucht. Würde sich die Nation halbwegs sinnvoll mit dem Thema auseinander setzen was sie in welchen (Un)Mengen hordet wäre das alles kein Problem.
    Auch ich bin skeptisch, was die Verlegung von noch mehr Gütern auf die Straße betrifft. Aber auch bin ich mir darüber im Klaren, dass ich nicht jedes Paket über Nacht benötige, welches ich am nächsten Tag beim Händler um die Ecke besorgen kann.

  • Nur ein Schwachsinniger kann diese Monster für gut befinden. Ich werde entgegen dem was ich sonst im Strassenverkehr tue, bei diesen Dinger auf mein Recht bestehen und das ohne wenn und aber. Soll der doch sehe wie er um die Kurve kommt.

  • Bei so viel Unsinn sollte man nicht nur aus dem Euro austreten sondern auch einige unnütze EU Beamte entlassen. Wir bezahlen auch noch für Leute die aus Langeweile solche blödsinnigen Vorschläge ausarbeiten.

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