Vorschlag von EnBW-Miteigentümer
Hochradioaktive Abfälle ins Ausland bringen

Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll gestaltet sich äußert schwierig. Deshalb bricht der EnBW-Miteigentümer OEW ein Tabu – und befürwortet, die Abfälle ins Ausland zu schaffen.
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UlmSeit Jahrzehnten produziert Deutschland Atommüll – die Frage, wohin die radioaktiven Abfälle kommen sollen, ist dagegen seit Jahrzehnten unbeantwortet. Seit eineinhalb Jahren arbeitet nun eine Kommission aus Politik, Umweltverbänden, Energieversorgern daran, Kriterien aufzustellen, die ein Endlager erfüllen soll.

Die Suche gestaltet sich als schwierig. Selbst wenn sich die Beteiligten auf Kriterien einigen können – der Widerstand in der Region, die als Endlager ausgeguckt wird, dürfte groß sein. So macht der EnBW-Miteigentümer OEW nun einen Vorschlag, der immer wieder mal als Notlösung herhält: Den Atommüll ins Ausland schaffen.

„Ich bin ziemlich sicher, dass es der Politik nicht gelingen wird, in der dicht besiedelten Bundesrepublik Deutschland einen geologisch geeigneten Standort für ein Endlager durchzusetzen“, sagte der Chef des kommunalen Zweckverbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), Heinz Seiffert, der Deutschen Presse-Agentur in Ulm. Der Verband ist neben dem Land Baden-Württemberg Haupteigentümer des Versorgers EnBW.

Derzeit nutze Deutschland – zumindest wenn es nicht genügend eigenen Strom gibt – Atomstrom aus dem Ausland. „Da ist es doch nicht unlogisch, auch unseren Atommüll dort hinzubringen – es gibt auch in diesem Bereich einen Weltmarkt“, sagte Seiffert. Er sorge sich, dass man in 30 oder 40 Jahren immer noch auf großteils oberirdische Zwischenlager angewiesen sei, weil kein Endlager in Deutschland gefunden werden konnte.

Baden-Württembergs Energie- und Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) lehnte den Vorstoß kategorisch ab. „Es ist abwegig, darüber nachzudenken, den Müll um die halbe Welt zu schicken und zu glauben, damit das Problem lösen zu können“, sagte ein Sprecher. Deutschland trage für den in seinen Atomkraftwerken produzierten radioaktiven Abfall eine Verantwortung, die sich nicht delegieren lasse.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Vorschlag von EnBW-Miteigentümer : Hochradioaktive Abfälle ins Ausland bringen "

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  • Wie wäre es mit Griechenland?

  • Ein Endlager existiert schon lange, z.B. die Sondermülldeponie in Herfa-Neurode. Es ist die größte ihrer Art in der Welt: 200 000 Tonnen (!!) chemischer Giftmüll könnnen hier jährlich eingelagert werden. Das zusätzliche Volumen des Atommülls wäre vernachlässigbar gegen die bereits eingelagerte Menge an Giftmüll.

    Diesem Lager könnte man sogar das Prädikat "nachhaltig" geben: Es wird nicht nur eingelagert, sondern auch ausgelagert, wenn jemand den "Müll" profitabel weiterverarbeiten kann. Recycling nennt man das auch. Atommüll kann man jetzt schon weiterverarbeiten. Das ist aber heutzutage noch sehr teuer. Also erstmal einlagern und warten, welcher Müll (Atom/Chemie) sich wie in Zukunft nutzen lässt.


  • Der Deutsche beutet die Dritte Welt doch schon genug aus

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