Vorsitz der Linksfraktion
Wagenknecht scheut Konflikt mit Gysi

Der linke Flügel der Linkspartei bringt Sahra Wagenknecht als neue Co-Vorsitzende der Fraktion ins Spiel. Die ziert sich nicht, will aber eine Konfrontation mit dem anderen Co-Vorsitzenden, Gregor Gysi, vermeiden.
  • 5

BerlinTrotz aller Stillhalte-Appelle der Linken-Führung geht die Personaldebatte in der Partei weiter. Politiker vom linken Flügel sprachen sich erstmals öffentlich für eine Kandidatur der stellvertretenden Parteichefin Sahra Wagenknecht für die geplante Doppelspitze in der Bundestagsfraktion aus. Auch der frühere Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine soll nach Informationen des "Tagesspiegel" diesen Plan unterstützen. Wagenknecht selbst schloss eine Kandidatur im „Tagesspiegel“ nicht aus. „Aber das ist noch keine Bewerbung“, betonte sie.

Allerdings knüpfte sie ihre Kandidatur an die Zustimmung Gregor Gysis. „Ob ich kandidiere, hängt davon ab, wie sich die Genossinnen und Genossen und Gregor Gysi dazu verhalten“, sagte Wagenknecht der „Mitteldeutschen Zeitung“. Gerade Letzteres sei ihr besonders wichtig. Allerdings sei ungewiss, ob es eine Doppelspitze geben werde. „Vielleicht ist die Stelle gar nicht vakant.“

Die Stelle des Vorsitzenden der Linksfraktion ist seit dem Ausscheiden Oskar Lafontaines aus dem Bundestag nicht besetzt. Die Fraktion hatte 2010 beschlossen, in diesem Jahr eine gemischte Doppelspitze zu wählen - also Mann und Frau aus West und Ost. Der jetzige Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi, der aus Ostdeutschland stammt und dort auch gewählt wurde, gilt als gesetzt. Die Frau müsste also aus dem Westen kommen. Laut Fraktionsbeschluss ist dabei aber nicht die Herkunft entscheidend, sondern die Lage des Wahlkreises der Abgeordneten. Wagenknecht stammt aus dem Osten, hat aber in Düsseldorf für den Bundestag kandidiert.

Die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen nannte Wagenknecht im „Tagesspiegel“ einen „Publikumsmagneten“: „Jemand mit diesem Format stünde in anderen Parteien längst in der ersten Reihe.“ Der nordrhein-westfälische Fraktionschef Wolfgang Zimmermann sagte, Wagenknecht sei „eine der wenigen in der Partei, die bundesweit bekannt sind“.

Er verwies auf Doppelspitzen im Westen sowie die „klare antikapitalistische Politik“ von Wagenknecht. Gysi hatte sich den Angaben zufolge zu dem Thema zurückhaltend geäußert: „Im Kern geht es nicht um die Frage des Feminismus, sondern darum, ob die Fraktion jemanden findet, den sie mit breiter Mehrheit trägt“, sagte er demnach.

Vor allem der ostdeutsche Reformerflügel der Partei ist dem Bericht des „Tagesspiegel“ zufolge strikt gegen einen Aufstieg von Wagenknecht an die Fraktionsspitze. Die Fraktion wolle am Dienstag kommender Woche eine Grundsatzentscheidung über eine Doppelspitze fällen, gewählt werden solle dann am 25. Oktober. Dazu gab es auf Anfrage aber keine Bestätigung. Es sei noch offen, wann über eine mögliche Doppelspitze abgestimmt werden könne, hieß es in der Parteizentrale.

Als langjährige Wortführerin der „Kommunistischen Plattform“ gilt Wagenknecht bei den Reformern in ihrer Partei als „rotes Tuch“. Nach ihrer Wahl zur stellvertretenden Parteivorsitzenden im vergangenen Jahr hat sie ihren Posten als Vorsitzende der „Kommunistische Plattform“ aber ruhen lassen. Sie saß von 2004 bis 2009 im Europaparlament, seither gehört sie dem Bundestag an. Seit Mai 2010 ist sie stellvertretende Parteivorsitzende der Linken.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Vorsitz der Linksfraktion: Wagenknecht scheut Konflikt mit Gysi"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hallo Herr Steinberg,

    wenn man im Auto sitzt, ist es doch aich am wichtigsten, dass DER MOTOR LÄUFT, oder ? Verstehen sie die Parallele zur Wirtschaft ??? Banken, Wirtschaft, dass ist alles der Motor der Gesellschaft. Kapitscho ??

  • Ja.
    Aber geheilt sein sollte man auch von der Vorstellung, dass es dem Staat als politischem Zusammenschluss seiner Bürger dann am besten geht, wenn Banken und Konzerne die größten Profite machen, während gleichzeitig die öffentliche Hand immer tiefer im Schuldensumpf versinkt. Vielmehr muss es immer darum gehen, das richtige Gleichgewicht zu finden zwischen dem Wohl der Allgemeinheit und der Freiheit, die der Einzelne braucht, um sein Glück und sein Geld zu mehren. Denn wenn niemand Profite macht, die ihn erst in die Lage versetzen Steuern zu zahlen, damit der Staat für das Allgemeinwohl Sorge tragen kann, dann Prost Mahlzeit! Eine Binsenweisheit. Doch dieses Gleichgewicht zu finden ist unmöglich, denn ständig ändern sich die Rahmenbedingungen. Nichts ist statisch, und man kann dem Idealzustand immer nur hinterherjagen und versuchen, ihm möglichst häufig möglichst nahe zu kommen. Die einen behaupten, das Gleichgewicht liesse sich erreichen, wenn man dem Spiel der Märkte freie Hand lässt. Am anderen Ende der Skala finden sich diejenigen, die denken, dem Allgemeinwohl wäre mehr gedient, wenn der Staat eine stärkere Kontrolle und Lenkung übernähme. Bei denen dürfte es sich um die Herrschaften handeln, die Sie als Kommunisten bezeichnen, obgleich diese Vorstellung, dass jede Geschäftigkeit vom Staate auszugehen oder weigstens von diesem sanktioniert zu sein hat, auch unter diesen keine Rolle spielt. Mal gibt die Wirklichkeit mehr den einen Recht, mal mehr den anderen. Wenn aber einer der Antipoden plötzlich aufhört am Strick zu ziehen, ist die Gefahr groß, dass auch die vermeintlichen Gewinner sich im Dreck wiederfinden.

  • Eigentlich sollten alle langsam vom Kommunismus geheilt sein, oder?!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%