Vorsitzender ist nun für Personalpolitik zuständig
Peters mit mehr Macht im IG Metall-Vorstand

Neue Kräfteverhältnisse an der Spitze der weltgrößten Industriegewerkschaft: Knapp drei Wochen nach der Wahl haben Jürgen Peters und Berthold Huber ihre Aufgaben neu verteilt.

HB HAMBURG. Nach Einschätzung von Gewerkschaftsforschern hat sich Peters bei der Verteilung der Geschäftsbereiche in dem auf sieben Köpfe verkleinerten geschäftsführenden Vorstand ein größeres Gewicht gesichert. Huber sei es nicht gelungen, einen mit Peters während der Führungskrise der IG Metall vereinbarten Burgfrieden durchzusetzen, mit dem die zerstrittenen Lager zusammengengeführt werden sollen, sagte der Gewerkschaftsforscher Hans-Peter Müller am Mittwoch. „Dass er sich nicht hat durchsetzen können, dürfte ihm (Huber) als Schwäche ausgelegt werden“, sagte Müller.

Peters und Huber, die als Vertreter je eines der beiden zerstrittenen Flügel aus Traditionalisten und Modernisierern in der Gewerkschaft gelten, hatten nach dem Führungsstreit im Sommer im Rahmen eines Abkommens den Verzicht auf Alleingänge an der künftigen IG-Metall-Spitze erklärt, um die Lager zusammenzuführen. „Diese Klausel erweist sich nun als das, was Kritiker befürchtet haben, nämlich als Beruhigungspille, die nicht durchzusetzen ist“, sagte Müller.

Experte: Peters kann Bezirkschefs bestimmen

Dem von der IG-Metall-Zentrale in Frankfurt veröffentlichten Geschäftsverteilungsplan zufolge übernimmt Peters zu den schon von seinem Vorgänger Klaus Zwickel besetzten Bereichen wie Koordination der Vorstandsangelegenheiten, Gesellschaftspolitik/ Grundsatzfragen, Internationales/Europa und die Öffentlichkeitsarbeit das Personalressort hinzu. Für das war Peters bereits als Zwickels Stellvertreter zuständig.

Bislang habe der Erste Vorsitzende zwar ein gewichtiges Wort bei der Besetzung der in der Tarifpolitik wichtigen Bezirkschefs gehabt, sagte Müller. Die offizielle Zuständigkeit dafür habe aber bei seinem Stellvertreter gelegen. „Nun ist nur noch er (Peters) und nicht sein Stellvertreter für die gesamte Personalpolitik einschließlich interner Personalentwicklung und Schulung verantwortlich“, sagte Müller. Peters erweise sich damit als „Kaderspezialist“, der die strategische Bedeutung von Personalpolitik im Auge habe. „Da wird nicht kurzfristig, sondern langfristig gedacht.“

Peters und Huber waren auf dem vorgezogenen Teil des Gewerkschaftstages Ende August mit dem schlechtesten Ergebnis in der Geschichte der IG Metall als Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender gewählt worden. Dabei waren auf beide etwa Zwei Drittel der knapp 600 Delegiertenstimmen entfallen. Huber gilt als wahrscheinlicher Nachfolger, wenn Peters wie erwartet in vier Jahren nicht wieder antritt. Auf dem zweiten Teil des ordentlichen Gewerkschaftstags Mitte Oktober in Hannover werden sich die Delegierten unter anderem mit der Tarifautonomie und dem Verhältnis der Industriegewerkschaft zur Bundesregierung befassen.

Huber will Betreibsräten mehr Einfluss gewähren

Wie weiter aus dem Geschäftsverteilungsplan hervorgeht, erhält Huber die Verantwortung für die Betriebs- und Mitbestimmungspolitik als zusätzlichen Zuständigkeitsbereich. Die Arbeitgeber sehen darin einen Hinweis, dass Huber, in dessen Zuständigkeitsbereich die Tarifpolitik fällt, Betriebsräten mehr Einfluss gewähren will. Huber hat wiederholt angekündigt, sich stärker mit den Betriebsräten rückkoppeln zu wollen. Während des Streiks für die Einführung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland hatten Betriebsräte westdeutscher Automobilkonzerne bemängelt, nicht ausreichend eingebunden gewesen zu sein. Der Arbeitskampf war nach Auffassung des Peters-Lagers unter anderem deshalb gescheitert, weil einige Automobilbetriebsräte die Forderung öffentlich in Frage gestellt hatten.

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